Volltext : Deutschland unter Kaiser Wilhelm II. Erster Band. (1)

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diskreten  Pocken;  derselbe  war  vor  4  Jahren  mit  Erfolg  geimpft.  —  Eine  einmal  geimpfte,
  25  Jahre  alte  böhmische  Arbeiterin,  die  in  einem  Orte  bei  Dresden  am
17.  April  mittelschwer  erkrankte,  hatte  Anfangs  April  in  ihrer  Heimath  mit  einer
Pockenkranken,  welche  noch  Schorfe  im  Gesicht  hatte,  verkehrt  und  derfelben  die  Hand
gegeben,  eine  andere  in  der  Nähe  von  Dresden  Anfangs  Juni  leicht  erkrankte,  21jährige
böhmische  Arbeiterin,  die  überhaupt  nicht  geimpft  war,  hatte  14  Tage  vor  der  Erkrankung
  in  einem  Orte  ihres  Heimathlandes  an  dem  Begräbniß  eines  an  den  Pocken
gestorbenen  Kindes  theilgenommen  und  in  dem  Sterbehause  verkehrt.  —  In  einer
Gemeinde  der  Amtshauptmannschaft  Nochlitz  erkrankte  am  13.  Mai  ein  19jähriger,
nicht  geimpfter  böhmischer  Erdarbeiter  schwer  an  Pocken,  nachdem  er  aus  seiner
zu  jener  Zeit  von  der  Krankheit  heimgesuchten  Heimath  Kleider  bezogen  hatte.  —  In
Chemnitz  betraf  eine  leichte  Erkrankung  einen  19jährigen,  im  1.  Lebensjahre  geimpften
Tischlergesellen  österreichischer  Herkunft,  der  bereits  pockenkrank  am  20.  Juni  aus
Böhmen  anlangte.  —  In  einem  Orte  der  Amtshauptmannschaft  Löbau  nahm  Anfangs
Oktober  ein  Pockenfall,  dessen  Entstehung  unaufgeklärt  blieb,  bei  einer  65jährigen,  nur
einmal  geimpften  Arbeiterin  einer  Weberei  bereits  nach  6  Tagen  einen  tödtlichen  Ausgang.
  —  Aus  Kreischa,  Amtshauptmannschaft  Dippoldiswalde,  wurde  ein  zweifelhafter
Fall  gemeldet:  Am  27.  Juli  erkrankte  die  1  ½jährige  Tochter  eines  Fabrikarbeiters,
welche  Anfangs  Mai  mit  Erfolg  geimpft  worden  war,  augeblich  an  Pocken.  Die
Krankheit  verlief  ziemlich  schwer  und  währte  bis  zum  6.  August.  Der  später  (am
21.  September)  erfolgte  Tod  des  Kindes  soll  jedoch  mit  der  Pockenerkrankung  nicht  im  Zusammenhange
  gestanden  haben.  Der  Medizinalbeamte  vermuthet,  daß  es  sich  um  einen
Fall  von  Wasserpocken  gehandelt  hat,  da  diese  Krankheit  damals  epidemisch  in  Kreischa  und
Umgegend  auftrat.  Der  Aussteller  der  Meldekarte  über  das  betroffene  Kind  war  der
Vertreter  eines  Arztes  und  hatte  sich  bei  dem  zuständigen  Medizinalbeamten  nicht  als
approbirter  Arzt  legitimirt.

In  Württemberg  gelangten  3  Pockenerkrankungen  mit  2  Todesfällen  aus  Heilbronn
  zur  Anzeige.  Betroffen  waren  2  Lumpensortirerinnen  einer  Papierfabrik,  welche
im  Alter  von  31  bezw.  36  Jahren  standen,  und  das  von  einer  derselben  während  ihrer
Krankheit  geborene  Kind.  Die  beiden  Arbeiterinnen  waren  wiedergeimpft,  die  erste,
deren  Erkrankung  in  den  August  fiel,  im  12.  Lebensjahre  mit  Erfolg,  die  andere,  welche
Ende  Oktober  erkrankte,  erst  3  Lahre  vorher,  aber  ohne  Erfolg.  Zn  dem  letztbezeichneten
Falle  trat  der  Tod  ein,  ebenso  bei  dem  erwähnten,  von  dieser  Arbeiterin  geborenen
Kinde.  Der  Versuch,  dasselbe  durch  Impfung  an  seinem  4.  Lebenstage  gegen  Erkrankung
  zu  schützen,  schlug  fehl,  da  die  Infektion  schon  vorher  erfolgt  war.

In  Baden  ereignete  sich  ein  schwerer  Pockenfall  in  Freiburg  bei  einer  36  jährigen
Händlerin,  welche  8  Tage  vorher  aus  Luzern  zugereist  war;  die  Erkrankte  war  nur
einmal  als  Kind  geimpft  worden.

Die  7  Pockenfälle  in  Hessen  gehören  zwei  Gruppen  an,  deren  eine  nachweislich
auf  einer  Einschleppung  aus  Rußland  in  den  Kreis  Groß-Gerau  beruhte  und
deren  andere  vielleicht  mit  derselben  Ginschleppung  im  Zusammenhange  stand.  Im
Kreise  Groß-Gerau  war  die  zuerst  Grkrankte  eine  etwa  14  Tage  vorher  (am  16.  April)
aus  Russisch-Polen  zugereiste,  17  Jahre  alte  Landarbeiterin  unbekannten  Impfzustandes,
welche  sich  wahrscheinlich  bei  einer  Mitreisenden  angesteckt  hatte.  Die  Erkrankung
verlief  schwer  und  wurde  der  Ausgang  von  3  weiteren,  Übrigens  leichten  Fällen  bei
Personen,  welche  sämmtlich  nur  einmal  geimpft  waren.  Anfang  Mai  erkrankte  nämlich
  eine  63  jährige  Tagelöhnerin,  die  mit  der  Polin  auf  demselben  Hofe  beschäftigt
war,  Mitte  Mai  ein  38jähriger  Schmied,  der  die  landwirthschaftlichen  Werkzeuge  der
Suerst  Erkrankten  in  den  Händen  gehabt  hatte,  und  eine  53jährige  Magd,  welche  mit