216 Entwurf des Ministeriums.
Entgegenkommen gegen die Nationalversammlung zeigt, aus ihrem Beschlusse
ein Anrecht auf die Oberhauptswürde herleitet und den Anschein erweckt,
als solle eine bedingte Annahme folgen.
Nun haben wir aber noch eine andere Angabe über die ursprünglich
geplante Antwort; Baron Prokesch meldet nämlich am 2. Aprilt, der König
werde sagen: „Er habe mit Freude und mit Dankgefühl für die Vertreter
des deutschen Volkes den Entschluß vernommen, ihn als Oberhaupt
an die Spitze Deutschlands zu stellen. Er nehme es an; aber
die Nationalversammlung müsse ihm, der ein großes Opfer bringe, zugestehen,
seinem Gewissen zu genügen, und sein stiets ausgesprochenes
Wort zu lösen, die Annahme mit den deutschen Fürsten zu vereinbaren.“
Prokesch kann diese Nachricht doch wohl nur aus dem Ministerium,
wenn auch vielleicht auf einem nicht ganz offiziellen Wege erhalten
haben; er ist so genan orientiert über die Abstimmung des vorhergehenden
Abends und sogar über die Stunden der Jusammenkünfte, daß man nur
an eine authentische Information denken kann. Da nun seine Angabe so
genau übereinstimmt mit dem, was wir aus dem uns bekannten Bruchstück
des ministeriellen Entwurfes und den sonstigen Nachrichten als die Absicht der
Minister glaubten erschließen zu können, so ist die Vermutung vielleicht nicht
zu kühn, daß dem Baron Prokesch der Entwurf des Ministeriums vor der
Genehmigung durch den König bekannt geworden sei und als Quelle für
seine Angaben gedient habe.
Selbst wenn aber dies nicht zutreffen sollte, und wenn jener Entwurf nicht
ausdrücklich die Annahme der Oberhauptswürde unter Vorbehalt nachträglicher
Zustimmung der Fürsten enthalten haben sollte, so liegt doch
so viel am Tage, daß der von den Ministern in die königliche Antwort hineingebrachte
Absatz dessen eigentlicher Anschamung völlig widersprach, indem er
den Beschluß der Versammlung ganz anders bewertete, wie es der König in
seinen privaten Außerungen und in seinen eigenen Entwürfen getan hatte.
Es ist ferner klar, daß der König hier nicht, wie es seine eigentliche Absicht
gewesen war, eine Antwork aus prinzipiellen Gründen verweigerte, sondern
daß er sie nur aufschob, bis ein Votum der übrigen Fürsten vorliegen werde,
und daß seine Worte daher auch in dieser Form noch, obwohl eine ausdrückliche
Erklärung dieser Art fehlte, als eine bedingte Annahme ausgelegt
werden konnten.
Sybel hält nun eine solche Deutung für ausgeschlossen durch die Rede,
die der König nach Beendigung der Berakung hielt und die er aus dem Pro-:
a. a. ". 05.
1 Der Könlg selbst blieb freilich der Ansicht, daß seine eigentliche Melnung auch jetzt noch
in der Antwort enthalten sel und durch das „Hofkleld“, das sie angezogen habe, deutlich