— 59 —
Die übrigen Staaten und preußischen Provinzen vollends standen in dieser Beziehung
weit hinter den eben genannten zurück.
Der Zugang an Keuchhusten betrug für die 3 Jahre 496 — 510 — 634, ist
also stetig gestiegen. Den Krankenhäusern gehen offenbar meist die schweren, mit Erkrankungen
der Luftwege und Lungen verbundenen Fälle zu, wie die hohe Sterblichkeitsziffer
von 12,0 % des Abgangs beweist.
Von den 1540 in Behandlung gekommenen Kranken entfielen auf Berlin, die
Rheinprovinz und Hamburg allein 636, also über 40 %.
In größerer epidemischer Verbreitung scheint die Krankheit u. a. im Jahre 1891
in Berlin (108 neu aufgenommene Kranke gegen 37 im Jahre 1889), ferner 1889 in
der Provinz Sachsen aufgetreten zu sein, in welchem Jahre der Zugang sich dort
höher stellte, wie in den beiden anderen Berichtsjahren zusammen.
Puerperalfieber. (Vergl. auch unter Entbindungsanstalten.) Wegen Erkrankung
an Kindbettfieber sind in den allgemeinen Heilanstalten 1409 Frauen behandelt
worden. Der Zugang zeigte in den 3 Berichtsjahren eine stetige langsame Steigerung:
420 — 480 — 483.
Die Sterblichkeit, welche in den einzelnen Jahren nur unerheblich schwankte,
betrug fast die Hälfte des Gesammtabgangs — 49,5 % —. In den Entbindungsanstalten
sind 19,9 % der nach der Geburt erkrankten Wöchnerinnen gestorben; es
scheint also, daß in den allgemeinen Krankenhäusern hauptsächlich die schweren Fälle
Aufnahme finden, oder daß rücksichtlich der Diagnose in beiderlei Anstalten nach verschiedenen
Grundsätzen verfahren wurde; in der Universitäts-Entbindungsanstalt zu
München wurde beispielsweise jede Wöchnerin, deren Temperatur einmal über 38,2° C
stieg, als infizirt betrachtet.
Von sämmtlichen allgemeinen Heilanstalten sind in denen von Berlin, wo die
gynäkologische Klinik als allgemeines Krankenhaus an der Berichterstattung theilnimmtt),
im Verhältniß die meisten Fälle von Wochenbettfieber in Behandlung gekommen; ihre
Zahl betrug mehr wie den vierten Theil des Gesammtzugangs, nämlich 27,4 % desselben
(in Preußen insgesammt 67,3 % in der Rheinprovinz 12,3 ½%, in Bayern 7,2 0).
Verhältnißmäßig hohe Prozentsätze zeigten auch das Königreich Sachsen und Hamburg
mit 6,3 bezw. 4,2 % des Gesammtzugangs.
Unterleibstyphus und gastrisches Fieber (Tab. e und f). Von der erstgenannten
Krankheit sind 15 660 — 11 039 — 11789 Fälle zur Aufnahme gekommen, von gastrischem
Fieber 4468 — 4150 — 4282. Hinsichtlich der Unterscheidung beider Krankheitsformen
ist offenbar nicht überall nach gleichen Grundsätzen verfahren worden; in
Bayern und Württemberg übertraf die Zahl der in Behandlung gelangten Fälle von
gastrischem Fieber die der Typhusfälle — 3388:2311 bezw. 739:639 —, während in
den übrigen Bundesstaaten und in den preußischen Landestheilen der Zugang an Abdominaltyphus
stets, und theilweise sehr bedeutend, den an gastrischem Fieber überwog.
In Berlin kamen beispielsweise auf 2945 Typhuszugänge nur 215 an gastrischem
Fieber, in Pommern stellte sich dies Verhältniß wie 1549: 180, in Hamburg sogar
wie 3594: 179.
Von den an beiden Krankheiten insgesammt zugegangenen 51388 Fällen kamen
auf die Krankenhäuser von:
Ostpreußen 2s300 Berlin 6,1%
Westpreußggen 3,1 5 Brandenburg . . . . 2,3,
1) Vergl. Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte Bd. IV, S. 274.