Full text: Gesetzsammlung für das Fürstentum Reuß älterer Linie. 1912. (61)

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8 06. 
Stellt der beamtete Tierarzt den Ausbruch des Milzbrandes oder den Ver- 
dacht dieser Seuche in Abwesenheit der Polizcibehörde fest, so hat er die sofortige 
vorläufige Absonderung der milzbrandkranken oder der Seuche verdächtigen Tierc, 
nöligenfalls auch deren Bewachung, anzuordnen. Von diesen Anordnungen, die dem 
Besiher oder dessen Vertreter entweder zu Protokoll oder durch schriftliche Verfügung 
zu eröffnen sind, hat der beamtete Tierarzt unverzüglich der Polizeibehörde Mit- 
teilung zu machen. 
5 96. 
Erfolgt die Ermittlung des Milzbrandes oder des Milzbrandverdachts an 
einem gefallenen oder getöteten Tiere und erklärt der Besitzer oder dessen Vertreter 
bei Mitteilung des amtsticrärztlichen Befundes sofort, daß er das Gutachten eines 
anderen Tierarztes einzuholen beabsichtige, so ist der Kadaver nach Anweisung des 
beamteten Tierarztes unter sicherem Verschluß oder unter polizeilicher Uebenvachung 
auf Kosten des Besitzers so lange aufzubewahren, bis ihn der vom Besitzer zugezogene 
Tierarzt untersucht hat. Die Untersuchung ist jedoch mit möglichster Beschleunigung, 
und zwar spätestens binnen 2 Tagen vorzunehmen. Die Polizeibehörde kann diese 
Frist abkürzen, wenn sich die Untersuchung nach Lage der Verhältnisse ohne Schwierig- 
keit in kürzerer Zeit ausführen läßt. Nach Beendigung der Untersuchung oder nach 
fruchtlosem Ablauf der Frist ist der Kadaver sosort unschädlich zu beseitigen. 
r*# 
C) Die Polizeibehörde und der beamtete Tierarzt haben dafür Sorge zu 
tragen, daß der Besitzer oder der Vertreter des Besiyers der milzbrandkranken oder 
der Seuche verdächtigen Tiere über die Empfänglichkeit des Menschen für Milzbrand, 
über die gefährlichen Folgen eines unvorsichtigen Umgehens mit solchen Tieren und 
der Benutzung ihrer Erzeugnisse sowic über die beim Umgehen mit milzbrandkranken 
oder der Seuche verdächtigen Tieren zu bcobachtenden Vorsichtsmaßregeln in geeigneter 
Weise belehrt wird. 
(e) Für milzbrandkranke oder der Seuche verdächtige Tiere sind tunlichst 
eigene Wärter zu bestellen und besondere Futter= und Tränkgeschirre sowic besondere 
Stallgerätschaften zu verwenden. 
() Personen, die Verletzungen an den Händen oder an anderen unbedeckten 
Körperteilen haben, dürfen zur Wartung solcher Tierc nicht venvendet werden. 
C) Räumlichkeiten, in denen sich solche Tiere befinden, dürfen, abgesehen 
von Notfällen, ohne polizeiliche Genehmigung nur von dem Besitzer der Tiere oder 
der Näumlichkeiten, von dessen Vertreter, von den mit der Beaufsichtigung, Wartung 
und Pflege der Tiere betrauten Personen und von Tierärzten betreten werden. 
□#)Die Räumlichkeiten dürfen von Personen mit bloßen Füßen nicht 
betreten werden.
	        
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