Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

154 Der Feldzug in Rumänlen vom 28. Aug. 1916 bis 19. Jan. 1917 
richteten die Rohre auf die Höhen 109 und 124 und warfen den Schrecken 
des ersten Vernichtungsschießens in die runnänische Infanterie. Die Werke 
2, 3 und 4 wurden von schweren Haubiten zusammengeschossen. 
Gleichzeitig schwenkte der rechte Flügel der Bulgaren nach Norden ein 
und griff die Werke 5, 6, 7 und 8 an, die die Südfront der Festung deckten. 
Weitausholend sließen deutsche und bulgarische Reiter nach Osten vor und 
legten die Hand auf die von Tutrakan in die Dobrudscha ausstrahlenden 
Verbindungen. Der Kreis um den Brückenkopf war geschlossen. Schon 
setzten kampfunfähige Scharen in Booten und Fähren über die Donau, um 
sich der Umfossung zu entziehen und sich ans Nordufer zu rekten. 
Unterdessen schob sich die Infanterie des Angreisers seuernd und stürmend 
gegen die Werke vor. Durch Dornen, Disteln und zertretenes Korn brach 
Welle auf Welle in die Verteidigungszone. Der Rumäne begann den Mut 
zu verlieren. Unsicher schoß er mit hohem Anschlag aus seinen tiefen Gräben, 
um dem Feinde kein Ziel zu bieten. In seinen gepanzerten Batterien herrschte 
Verwirrung, vorgeflhrte Reserven fluteten im Feuer deutscher Areillerie 
auf Tutrakan zurück. Als es Abend wurde, drangen die Bulgaren in das 
Fort 8 ein. Die Deutschen seüürmten Fork 2 und rollten die Fronk nach Osten 
auf. Wie Kartenhäuser fielen die dazwischenliegenden Werke der Reihe 
nach in des Seürmers Hand. Von eigenen, vom Sieger eiligst herumge- 
schwenlien Geschützen beschossen, flüchteten die Rumänen aus den Außen- 
werken gegen die Kernfeste am Oonaustrand. Aber noch hielt der Berteidiger 
auf den äußersten Glügeln stand. Er saß auf dem Steilrand, der sich von 
Staroselo gegen die Donau zieht, suchte das von hier aus gen Süden 
streichende, in der Höhe 62 gipfelnde Glacis zu behaupten und llammerte 
sich auf dem linken Flügel an ein tief eingeschnittenes Bachbett, um Jeit und 
Kraft zum Gegenangriff zu gewimen. Da der Angreifer ermattet, mit ge- 
lichteten, durcheinandergeratenen Verbänden im Feuer lag, war die Lage 
der Rumänen noch nicht so verzweiselt, als sie schien. In der Tat gelang es 
den rumänischen Generalen, ihre Truppen am 6. September noch einmal 
vorzureißen. Aber es war zu spät, den eisernen Ring zu sprengen. Bevor 
der Keil gebildet war, der über die Höhe 62 in die Mitte der lockeren Be- 
lagerungsfront zielte, wo abgesessene deutsche und bulgarische Kavallerie 
die Verbindung der Angriffsflügel sicherte, reifte auf dem Höhenrücken über 
dem Donautal die Entscheidung. Hammerstein raffte seine Deutschen zum 
Gewalestoß zusammen, stürmte die letzten Werke und entriß den Rumänen 
die auf dem Grat aufgepflanzten Batterien. Bessarabescus Wersuch bei 
Höhe 62 durchzubrechen, fiel in sich zusammen. Der General verlor den 
Kopf und ließ die Zügel fallen. Am Abend stand das 1. Bataillon der Ein- 
undzwanziger vor den Toren der Stadt. Im Südosten und Osten erschienen 
die Bulgaren und zogen die Schlinge zu. In wilder Flucht sechte der Ru- 
mäne über den feuergepeitschten Strom. Kanonenboote und Uferbatterien