Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LV. Band. (55)

J.  Der  Staat  des  Deulschen  Ordens  in  Preusen.  61

Danzig  ein.  Für  den  westlichen  Teil  seines  Gebietes  jedoch,
Schlame  und  Stolp,  blieb  Mestwin  brandenburgischer  Vasall.
aus  Sorge  vor  seinem  ländergierigen  Nessen  Witzlaw  von  Rügen.
Dain  aber  setzte  er  1282  wieder  Herzog  Boleslaws  Nachfolger,
Przemyslaw  von  Großpolen,  zum  Erben  seines  ganzen  Gebietes
ein.  Dadurch  sah  sich  der  Orden  bedroht:  ihm  hatte  nämlich
Mestwino  Oheim  Sambor,  den  jener  allmählich  aus  seinem
Besitz  verdrängt  hatte  und  der  mit  der  Kirche  vielfach  haderte,
1276  die  Landschaft  Mewe  zu  eigen  gegeben,  südlich  von  Dirschau,
zwischen  Weichsel  und  Ferse.  Die  Schenkung  war  auch  1282
vom  Papst  bestätigt  worden:  aber  von  dem  mächtigen  Großpolen
beschützt,  hatte  Mestwin  die  Uebergabe  bisher  verweigert.  Da
erlosch  mit  Mestwins  Tod  1294  das  pommerellische  Fürstenhaus.
Zugleich  enibrannte  in  Polen  neuer  Thronstreit.  Während  in
einem  Teil  Wenzel  II.  von  Böhmen,  Ottokars  II.  Sohn,  die
Herrschaft  gewann,  wurde  Mestwins  bichheriger  Beschützer
Przemyolaw  im  Sommer  1295  zum  König  von  Großpolen  und
Herzog  von  Pommerellen  gekrönt,  konnte  aber  den  Widerstand
der  Kujavier  unter  Wladislam  Lokietef  nicht  brechen.  Wohl
aber  brachte  er  Danzig  trotz  des  Widerstandes  der  deutschen
Bürgerschaft  in  seine  Gewalt.  Aber  schon  1296  wurde  er
ermordet,  und  nun  gewann  der  Böhmenkönig  die  Oberhand.
Um  sich  Pommerellens  zu  versichern,  begünstigte  er  das  dort
reich  begüterte  Haus  des  Palatin  Swenza,  dem  er  die  Statthalterschaft
  in  Danzig  übertrug.  Ebenso  verfuhr  sein  jugendlicher
Nachfolger  Wenzel  III.,  der  zugleich  um  des  Ordens  Gunst  warb,
aus  Sorge  vor  Wladislawm  Lobkietek,  dessen  Anhang  wuchs.
Deohalb  suchte  Wenzel  III.  aber  auch  bei  den  Anhaltinern  von
Brandenburg  Anlehnung,  die  ihre  Ansprüche  auf  Ostpommern
noch  nicht  aufgaben.  Zm  August  1303  schloß  er  mit  den
Markgrafen  Otto  IV.,  Hermann  und  Waldemar  einen  Vertrag,
durch  den  er  ihnen,  gegen  Herausgabe  der  von  seinem  Vater
verpfändeten  Mark  Meißen,  Ostpommern  überließ.  Aber  nach
Wenzels  III.  Ermordung  (August  1306)  fand  Wladislaw  Lokietek
fast  in  ganz  Polen  Anerkennung,  und  verweigerte  nicht  bloß
die  Auoslieferung  Ostpommerns,  sondern  verfolgte  auch  die
Swenza  und  trieb  sie  vollends  zum  Auschluß  an  die  Deutschen.