Full text : Armee-Verordnungs-Blatt Dreiundzwanzigster Jahrgang (23)

134  Zweites  Buch.  IV:  Friedrichs  I.  und  Heinrichs  Freundschaft.

nem  neuerworbenen  Freunde,  Heinrich  dem  Löwen.  Indes,  mußte  dem
letzteren  auch  sehr  viel  daran  gelegen  seim  die  Verwirrung  im  dänischen  Nachbarreiche
  zu  erhalten,  konnte  er  doch  bei  der  hartnäckigen  Feindschaft  Königs
Konrad  es  nicht  wagen,  sein  Land  zu  verlassen.  Deshalb  hatte  sich  Knut
flehend  an  Konrad  selbst  gewandt,  dieser,  als  der  höchste  Herr  auf  Erden,  solle
ihm  doch  wieder  zu  seinem  Reiche  und  seinen  Gütern  verhelfen").  Dagegen
richtete  auch  Sven  ein  höchst  demütiges  Schreiben  an  Konrad,  er  möge  ihm
seinen  Schutz  nicht  entziehen"*).  Konrad  hatte  sich  um  die  dänischen  An-(1152)

  gelegenheiten  nicht  kümmern  können:  so  ging  Knut  nun  den  König  Friedrich

18.  Mai

an  und  ersuchte  ihn  um  Hilfe.  Friedrich  war  viel  zu  begierig,  seinen  oberherrlichen
  Einfluß  innerhalb  der  für  das  Kaisertum  geltenden  Überlieferung
auszudehnen,  als  daß  er  nicht  auf  die  Bitte  des  vertriebenen  Dänenkönigs  eingegangen
  wäre.  Während  er  also  Knut  auf  den  Reichstag  nach  Merseburg
lud,  erließ  er  an  Sven  die  Aufforderung,  sich  ebenfalls  dort  einzufinden,  indem
  er  ihn  zugleich  an  ihre  frühere  Waffengenossenschaft  und  Freundschaft
erinnerte.  Und  wirklich  erschienen  sowohl  Sven  wie  Knut  zu  Merseburg,  um
sich  dem  Urteile  des  deutschen  Königs  zu  unterwerfen.  Friedrich  zeigte  durch
seinen  Spruch,  wie  er  seine  Würde  als  Beherrscher  des  heiligen  römischen
Reiches  auffaßte.  Er  entschied  nämlich,  Sven  solle  die  dänische  Krone  empfangen,
  Knut  dessen  Lehensträger  und  mit  der  Statthalterschaft  einiger  Provinzen
  abgefunden  werden,  dafür  aber  Sven  dem  römisch-deutschen  Könige
als  dessen  Vasall  huldigen.  Keiner  der  beiden  Fürsten  wagte  zu  widersprechen;
  kaum  konnte  Sven  seine  Allodialgüter  von  der  Vasallität  befreien.
Auch  Waldemar  erhielt  eine  dänische  Provinz.  So  empfing  der  Dänenkönig
sein  Reich  von  Friedrich  zu  Lehen  und  trug  ihm  bei  der  Pfingstprozession,
selbst  mit  der  Krone  auf  dem  Haupte,  das  Reichsschwert  vor““*).  —  Dagegen
fehlte  in  Merseburg  zum  großen  Mißfallen  des  jungen  Königs  Herzog  Wladislaw
  von  Böhmenf).

Auf  diesem  Reichstage,  auf  dem  auch  Herzog  Welf  anwesend  warff),
brachten  nun  Heinrich  der  Löwe  und  Markgraf  Albrecht  ihre  Klagen  vor  den
König.  Zugleich  begann  Erzbischof  Hartwich,  der  die  vor  drei  Jahren  erlittene
  Niederlage  noch  nicht  verschmerzt  hattef##t),  seine  Umtriebe  gegen  den
Herzog  wieder,  indem  er  den  Bischof  Vizelin  aufforderte,  von  neuem  seine
Investitur  vom  Könige  zu  verlangen  und  dadurch  die  vom  Herzoge  empfangene
  Belehnung  für  ungültig  zu  erklären:  doch  Vizelin  wies  solch  gefährliches
  Ansinnen  abs).  In  der  winzenburgisch-plötzkeschen  Angelegenheit  ließ
)  338.  In.  Wib.,  p.  467.

20  #.  p.  Wib-  F.  467.
*½%)  Krit.  Erört.  IVe.
f)  Erben,  Regesta  Boehem.,  et  Morav.,  I,  p.  129.
f)  Mit  Welfs  Billigung  gestattete  Heinrich  d.  Löwe  seinem  Basallen  Gebiso  von
avensburg  die  Schenkung  einiger  Güter  an  das  Kloster  Weißenau  in  Schwaben.
Hess,  Monumentorum  Guelficorum  pars  historica,  p.  152.  —  Vgl.  Krit.  Erört.  IVe.

Siehe  S.  106  ff.
5)  Helm.  I,  73,  p.  139.