Contents : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

24  Französische  Ausrüstung.

Ausstattung  und  mit  der  Anweisung,  ihren  Hunger  in  Feindesland
zu  stillen,  ins  Feld  geschickt  wurde.  Zur  nähern  Beleuchtung  der
französischen  Ausrüstung  mögen  folgende  Depeschen  dienen,  deren
Originale  während  der  Belagerung  von  Paris  von  deutschen  Truppen
in  St.  Cloud  aufgefunden  wurden.

„Metz,  24.  Juli.  Der  Intendant  des  dritten  Korps  an  den
Kriegsminister  in  Paris:

Das  gesammte  3.  Korps  verläßt  morgen  Metz.  Ich  habe  keine
Lazarethgehülfen,  keine  Verwaltungsarbeiter,  keine  Ambulanzen,  keine
Feldbacköfen,  keinen  Train,  keine  Wägeinstrumente,  und  bei  der
4.  Division  und  bei  der  Kavalleriedivision  habe  ich  nicht  einmal
einen  Beamten.  Ich  bitte  Ew.  Ercellenz,  mich  aus  der  Verlegenheit
zu  ziehen,  in  welcher  ich  mich  befinde."“

Eine  andere  Depesche  lautet:

„Der  Generalintendant  an  den  Kriegsminister  in  Paris:

„Es  giebt  in  Metz  weder  Zucker  noch  Kaffee,  keinen  Reis,
keinen  Branntwein,  kein  Salz,  wenig  Mehl  und  Zwieback.  Senden
Sie  schleunigst  wenigstens  eine  Million  Razionen  nach  Thionville.“  —

Und  doch  war  der  Kriegsminister  Le  Boeuf  dreist  und  gewissenlos
  genug,  in  der  Sitzung  des  gesetzgebenden  Körpers  vom  15.  Juli
auf  die  Anfrage:  „Sind  wir  zum  Kriege  bereit?“  die  Antwort  zu
geben:  „Wir  sind  völlig  bereit",  und  diese  Antwort  noch  zu  erläutern
  durch  die  Worte:  „So  bereit,  daß  auch  nicht  einmal  ein
Nagel  fehlt!“

Wenn  sogar  der  Kriegsminister  in  der  verhängnißvollsten  Stunde
seines  Vaterlandes  eine  solche  wissentliche  Lüge  auszusprechen  sich  nicht
scheute,  dann  kann  es  uns  nicht  wundern,  wenn  die  französischen
Zeitungen  von  ungezählten,  unwiderstehlichen  Regimentern  sprachen
und  mit  Emfase  ausriefen:  „Wir  werden  siegen,  denn  wir
haben  mehr  als  eine  Million  Soldaten,  wir  haben  Chassepots  und
Mitrailleusen,  wir  haben  Zuaven  und  Turkos,  und  alles  ist  für  den
Krieg  bereit!“

In  dieser  „kriegsbereiten“  Armee  wurden  noch  im  letzten  Augenblicke
  viele  Ernennungen  und  Beförderungen  vorgenommen.  Ihre
Stärke  beziffert  sich  wie  folgt: