Full text : Dr. J. Milbiller's kurzgefasste Geschichte des Königreichs Bayern.

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setzt,  und  man  erwartete  alles  von  Karls  Macht.  Doch  man
täuschte  sich  sehr.  Karl  zeigte  sich  überall  schwach  und  verächtlich.
Man  nannte  ihn  daber  spöttisch  Karl  den  Dicken  (grassus)  statt
den  Großen,  wie  sein  Ahnherr  geheißen,  dessen  Kronen  er  trug.
Gleich  anfänglich  landeten  die  Normannen,  ein  barbarisches,  raubsüchtiges
  Volk,  welches  im  heutigen  Dänemark  und  Norwegen
wohnte,  in  Lothringen,  und  drangen  unter  beständigem  Plündern
und  Verwüsten  von  den  Ufern  des  Rbeins  bis  an  die  Mosel  vor.
Karl  zog  ihnen  zwar  mit  drei  Armeen  entgegen;  unternahm  aber
dessen  ungeachtet  nichts  Ernstliches  gegen  sie,  sondern  schloß  einen
schimpflichen  Frieden,  und  trat  ihnen  eine  große  Strecke  Landes  ab,
beute  noch  die  Normandie  genannt,  887.
6.  5.

Noch  waren  nicht  alle  Truppen  von  diesem  Feldzuge  zurückgekommen,
  als  der  Fürst  Zwentibold  von  Mähren  scch  empörre,
und  in  Pannonien  einsiel.  Zum  Unglück  erhoben  sich  zu  eben  derselben
  Zeit  innere  Unruhen  in  Ostbapern,  nachdem  die  dortigen
Markgrafen  Wilhelm  und  Engelschalk  gestorben  waren.  Ihre  Söhne
wollten  sich  die  Markgrasschaften,  welche  doch  von  den  Königen
jederzeit  nur  auf  Zeit  Lebens,  wie  andere  Staatsämter,  verliehen
wurden,  als  ein  väterliches  Erbtheil  anmaßen,  und  vertrieben  den
Grafen  Aribo  von  Traungau,  den  Karl  der  Dicke  als  Markgrasen
  eingesetzt  hatte,  mit  Gewalt.  Karl,  zu  schwach  oder  zu  muthlos,
  um  den  von  ihm  eingesetzten  Markgrafen  Aribo  zu  unterstützen,
  gibt  endlich  nach,  und  bestättiget  die  beiden  Brüder  in  den
Aemtern  ihrer  Bäter.  Diesen  Umstand  benützte  Zwentibold  von
Mähren,  um  dem  durch  seine  Zurücksetzung  nun  beleidigten  Markgrafen
  Aribo  beizustehen,  und  fällt  auf's  Neue  in  Pannonien  ein,
wo  er  von  dem  Fluße  Naab  bis  an  den  Einfluß  der  Drau  in  die
Donau  alles  verheerte.  Karl  der  Dicke  rückt  nun  zwar  mit  einem
Kriegöheere  heran,  schließt  aber  mit  Zwentibold  einen  schimpflichen
Frieden,  und  setzt  auf  dessen  Forderung  den  Grafen  Aribo  in  die
Markgrasschaft  wieder  ein.

0.

Indessen  hatte  sich  Karl  der  Dicke  durch  seine  Unthätigkeit,

besonders  durch  sein  feigherziges  Berragen  gegen  die  Normannen,