thumbs : Das Interregnum.

—  395  —

durch  Beaufsichtigung  und  durch  Ausgabe  von  Lesescheinen  lassen  sich  die
Nachtheile,  welche  dieselben  immer  im  Gefolge  haben,  wesentlich  verringern.

Die  Heidelbeere  (vaccinium  myrtillus)  und  die  Preißelsbeere
(vaccinium  vitis  idaea),  kleine  strauchartige  Gewächse  in  schattigen
Waldungen,  ½  bis  2  Fuß  Höhe  erreichend,  die  erstere  im  Juli,  die
letztere  im  Herbst  reifend,  die  erstere  mit  schwarzen,  blau  bereiften,
die  letztere  mit  scharlachrothen  Beeren,  sowie  die  in  den  Torfmooren
vorkommende  Moosbeere  (Oxycocos  palustris)  und  die  Sumpbheidelbeere
  oder  Trunkelbeere  (vaccinium  uliginosum),  mit  auffallend  großen,
schwarzen,  zusammenziehend  schmeckenden  Beeren,  werden  in  ganz
bedeutenden  Mengen  gesammelt.  Die  Heidelbeeren  verbraucht  man
roh,  eingesotten,  getrocknet,  auch  zum  Färben  von  Weinen;  die  Preißelsbeeren
  werden  nur  eingesotten.  Lehmann  erwähnt  auch  schon  die
Erdbeere,  und  zwar  die  kleine  und  die  große  oder  den  Preßling
(fragaria  collina.)  Eine  gute  Beerenernte  ist  für  die  Bewohner  des
oberen  Gebirges  ein  bedeutender  Erwerbszweig,  an  dem  Erwachsene
und  Kinder  aller  Jahrgänge,  bis  zum  vierjährigen  herab,  Theil  nehmen
können.  Mit  dem  Beerenkamme,  einem  kastenähnlichen  Gefäß  mit
einem  Kamme  von  Holz,  werden  die  Beeren  gesammelt  und  in  großen
Massen  an  die  Händler  verkauft.

Aber  auch  die  Himbeere  (rubus  idaeus)  und  die  Brombeere
(rubus  silvaticus  etc.)  mit  ihren  zahlreichen  Arten,  in  Wäldern  und
Vorhölzern,  an  Waldgrenzen  und  Rändern,  auf  Steinhaufen  und
Felsengeröll,  Blößen,  Schlägen,  Wegen  u.  s.  w.  wild  wachsend  und
sich  weit  ausbreitend,  die  erstere  mit  ihren  rothen,  die  letztere  mit
ihren  schwarz  glänzenden  Beeren,  die  Himbeere  im  Spätsommer,  die
Brombeere  im  Herbst  reifend,  werden  in  großen  Mengen  gesammelt.
Sie  werden  roh  oder  gekocht  gegessen,  vorwiegend  aber  eingesotten
und  als  Fruchtsäfte  2c.  in  den  Handel  gebracht.  Gräser  in  Wolkenstein,
  C.  Schneider  in  Olbernhau  u.  A.  versenden  gepreßte  und  gesottene
  Fruchtsäfte.

Die  Pflanzenfamilie  der  Pilze  (kungi),  unter  denen  die  Rothhäuptchen,
  Lipperitzen,  Steinpilze,  Brätlinge,  Reizker,  Morcheln  die
bekanntesten  in  der  Waldregion  sind,  wird  bei  Weitem  noch  nicht
hinreichend  gewürdigt.  An  genießlichen  Schwämmen  zählt  Lehmann
Morcheln,  Peißlinge,  Brätlinge,  Täublinge,  gelbe  Schwämme,  Stockschwämme
  und  Ziegenbart  (Hasenöhrlein)  auf.  Alle  Pilze  sind  reich
an  Stickstoff  und  daher  für  die  Ernährung  sehr  werthvoll.  Man  ißt
sie  frisch  wie  getrocknet,  gekocht  oder  gebraten  u.  s.  w.  Mit  dem
Sammeln  und  Trocknen  der  Pilze  würden  viele  Familien  sich  einen
bedeutenden  Nebenerwerb  sichern,  da  auch  hier  Kinder  mit  Nutzen
verwendet  werden  können.