Zweck, Gebrauch, und Kunstwerth der Theater
der Alten.
Unter die beliebtesten öffentlichen Gebäude der neuern Zeit gehören
unstreitig die Theater. Für sie interefsirt sich bei weitem der gröfsere Theil
des Publikums, ohne Unterschied des Standes, der Religion, der Bildung.
Sie sind der allgemeinste Vereinigungsort, wo Menschen sich nicht nur schen,
sondern auch wechselseitig,nach den Graden ihrer Bildung sich Ideen und Gefühle
ihres Wohlgefallens oder Milsfallens an den gegebenen Vorstellungen
mittheilen. Der gebildetere Zuschauer freut sich da der schönern, edlern
Erscheinungen menschlicher Handlungen, sanfte Rührung durchdringt sein
Innerstes bei dem Anblick tragischer Scenen, während der gemeine Haufen
oft nur grotesken Auftritten Beifall zujauchzt. Durch Contzaste dieser
‘Art erhebt an der gebildeteren Clafse sich nach und nach ‚die ungebildetere,
und der Gebildete erhält durch den Ungebildeten Kenntnifse von gemeiner
menschlicher Ansicht, Empfindung und Aeufserung ; manchem würde
sie ohne solche öffentliche gemeinschaftliche Zusammenkünfte ewig fremd
bleiben. .
Viel häufiger, als in unsern Tagen waren dergleichen Volksversammlungen
bei den Griechen und Römern. Auf Rennbahnen und andern öf-.fentlichen
der Gymnastik gewidmeten Plätzen, in Theatern, Bädern, Naumachien,
Odeen u. dgl., sah bei ihnen der Reiche den Armen, der gelehrte
und gebildete Bürger den ungelehrten und ungebildeten fast täglich. Wie
viel seltener sind bei uns solche gemeinnützliche Zusammenkünfte! Wie oft
sind die, welche Statt finden, einseitig durch Trennung! Versammlungs-Oerter,
der Unterhaltung und geselligen Freude geweiht, sind nicht selten unter
‚verschiedene Stände vertheilt. Eingebildete Verhältnifse widerstreben selbst
unter Menschen, die ungefähr auf gleicher Stufe der Cultur stehen, dem
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