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die die Philosophie ihres Lehrers mehr oder weniger vertieft und verbreitert
haben. Wichtiger war es aber für die Kirche, die damals schon
weit verweltlicht und zu politischer Bedeutung gekommen war, ihre
Stellung und ihre Bedeutung innerhalb der Menschheit in nicht zu
bescheidenen Grenzen festzulegen. Dieser Aufgabe hat sich der heilige
Augustin mit ebenso viel Geschick als Erfolg unterzogen und ist dadurch
in gewisser Beziehung zum Gründer der römisch-katholischen Kirche
geworden.
Nach Augustin liegt das wichtigste Merkmal der katholischen
Kirche an der Einheit und zwar an derjenigen von Glaube, Liebe und
Hoffnung und an derjenigen der Katholizität. Letztere ist das Allumfassende
und Verbindende der Kirche, das nur ein Werk des heiligen
Geistes sein kann und das für uns das größte Wunder bedeutet. Der
Glaube hat hierbei die Hoffnung durch die Tätigkeit der Liebe und
3war der Liebe zu Gott, zum Erlöser und zum Nächsten.
Ein anderes Merkmal der Kirche ist die Heiligkeit, die darauf
basiert, daß die Kirche durch ihre Verbindung mit Christus und dem
heiligen Geist ihre Bestimmung darin sucht, im Menschen das Höchste
zur Geltung zu bringen. Dieses wird. aber nicht allein durch Belehrung
erreicht, sondern noch mehr durch Erziehung, und hierzu gebraucht
sie die Zucht. Neben den Heiligen duldet sie aber auch Unheilige,
d. h. unvollkommene und unverbesserliche Christen und zwar, um auch
ihnen die Möglichkeit der Erlösung zu bieten, die für sie als Mitglieder
der Kirche nicht ausbleiben kann.
Ein weiteres Merkmal ist die erreichte Katholizität, d. h. die
Verbreitung in einheitlicher Gemeinschaft; diese hat sich so verwirklicht,
wie sie vorausverkündet wurde, trotzdem die Kirche ein großes Maß
von Glauben und Gehorsam auf Grund ihrer Mysterien verlangt.
Und schließlich ist noch ein Merkmal der Kirche ihre Apostolizität,
die sich darin äußert, daß die Kirche im Besitz der apostolischen Schriften
und Lehren ist und daß sie ihre Existenz und Tradition bis auf die
Apostel zurückführen kann. Auf die Apostolizität ist ihre Lehrautorität,
der Primat des Bischofs von Rom als Nachfolger des Petrus und
der des Repräsentanten der Apostel und auch schließlich ihrd Irrtumslosigkeit
zurückzuführen.
Auch in philosophisch-theologischer Beziehung ist Augustinus,
durch platonische und neuplatonische Spekulation vorbereitet, für das
Christentum von weitreichender Bedeutung gewesen. Nach ihm nützt
die Wissenschaft nur, wenn Liebe dabei ist, sonst bläht sie nur auf. Wir
sollen streben das, was wir mit festem Glauben begriffen haben, auch
durch die Vernunft zu erkennen. Von dem Streben nach unnützem
Wissen muß die Demut uns heilen. Den guten Engeln ist die Kennt-