Metadata : Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stettin. 1914. (104)

Vortrag  des  Lyrischen.  191

Laß  sehn  ob  sie  das  Antlitz  nicht  mehr  kennen,
Das  ihre  Sonne  war  in  dunkler  Schlacht!  —

Das  ist  Eure  Sache!
Verwegner,  was  unterfangt  Ihr  Euch
In  euren  blut'gen  Frevel  mich  zu  flechten!
Verteidigt  Eure  bösen  Händel  selbst!  —
Was  hängt  Ihr  Euch  gleich  einem  bösen  Geist
An  meine  Fersen!  Fort,  ich  kenn'  Euch  nicht,
Ich  habenichts  gemein  mit  Meuchelmördern!  —

Ich  binbeschimpft,  tödlich  beschimpft  vom  Neffen  des  Herzogs  im
Angesicht  der  ganzen  Signoria!  Der  ganze  Adel  ist  in  mir  aufgefordert,
der  ganze  Adel  muß  meine  Rache  teilen!  Die  Rechte  der  Nation  sind  mit
Füßen  getreten!  —

Fluch  über  meine  Herrlichkeit,
Die  dich  verblendete!  Fluch  über  meine  Größe,
Die  dich  zerschmettert!  Fluch,  Fluch  über  mich,
Daß  ich  mein  Glück  auf  morschen  Sand  gebaut!  —

Ja,  sie  sollen  mich  ins  Gefängnis  schleppen!  Aber  von  seinem  Leichnam
  weg,  von  der  Stätte  weg,  wo  ich  mich  in  seinem  Blute  werde  geletzt
haben!  Auchder  grimmige,  entsetzliche  Durstnach  seinem  Blute  erfüllt  mich
ganz!  Dank  sei  dir,  Himmel,  daß  du  dem  Menschen  mitten  im  glühenden,
unerträglichsten  Leiden  ein  Labsal  sendest,  eine  Erquickung!  Wie  ich  die
dürstende  Rache  in  meinem  Blute  fühle!  Rache!  Wie  mir's  wohl  ist!  Wie
alles  an  mir  nach  ihm  hinstrebt,  ihn  zu  fassen,  ihn  zu  vernichten!  Mit
diesen  Händen  will  ich  ihn  erwürgen,  daß  mein  die  Wonne  sei,  ganz  mein
eigen  das  Gefühl:  ich  hab'  ihn  vernichtet!  —

Ich  habe  dich  nicht  retten  können,  so  sollst  du  gerächt  werden.  Ich
schnaube  nach  seiner  Spur,  meine  Zähne  gelüstet'3  nach  seinem  Fileische,
meinen  Gaumen  nach  seinem  Blute.  Bin  ich  ein  rasendes  Tier  geworden?
Mirglüht  in  jeder  Ader,  mir  zuckt  in  jedem  Nerve  die  Begier  nach  ihm!  —

Laßt  sie  mit  Hunden  hetzen,  jagt  sie
Mit  Peitschenhieben  an  dem  Wall  hinauf!
Pflanzt  Feuerschlünde  hinter  ihren  Rücken,
Und  schießt  sie  nieder,  weigern  sie  den  Sturm!
Sigeth  muß  fallen  und  sollt'  ich  die  Gräben
Mit  Janitscharenköpfen  füllen,  sollt  ich
Auf  Leichenwällen  meines  halben  Heers
Die  andere  Hälfte  in  die  Hölle  schmettern!  —
Verächtlich  sagte  sie,  William,  verächtlich!
Mir  das?  Mir,  einem  Königssohn?  Und  ich