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dieser durch das partikularistische Staatskirchentum, das eine Idee der
bürgerlichen Freiheit, die hieraus irgendwie gefolgert werden könnte,
als Todfünde bekämpfte, auch beengende Schranken gesetzt waren, so
waren doch die Gedankenfreiheit und der daraus hervorgehende Forschungstrieb
nicht beengt. Der letztere hat aber mit der Erfindung der
Dampfmaschine eine wirtschaftliche Entwicklung eingeleitet, die auf
philosophischem und auch politischem Gebiet bereits so manches umgewertet
hat und noch umwertet, so daß von einer ungünstigen Beeinflussung
durch die Religion in dieser Beziehung nichts mehr zu befürchten
ist.
Do die Jesuiten die Philosophie des heiligen Thomas mit ihrer
Anwendung auf den Glauben im wesentlichen zu ihrer Anschauung
gemacht haben, und da von der katholischen Kirche alle späteren Philosophen,
die eigene Ansichten entwickelt haben, auf den Index gesetzt sind,
so betrachtet sie ihre theoretische Entwicklung als abgeschlossen. Anders
der Protestantismus. Hier ist die Forschung und Spekulation auf
theologischem, philosophischem und naturwissenschaftlichem Gebiet noch
ununterbrochen tätig. Wenn es sich schließlich dabei bisher auch nur
um eine aufweichende und auflösende Tätigkeit gehandelt hat, so wird
doch sicher auch ein positiver Erfolg nicht ausbleiben, der dem deutschen
Volke endlich das ersehnte seelische Gleichgewicht bringt.
Mit den naturwissenschaftlichen Errungenschaften setzte auch bald
ein philosophischer Materialismus ein. Dieser mußte aber wegen der
hypothetischen Natur seiner Theorien und der Unzulänglichkeit derselben
in der Gesamtheit in seinen Folgerungen ebenso dogmatisch vorgehen,
wie die christliche Lehre, er konnte infolgedessen dieser vor der
Hand keinen Abbruch tun. Anders der philosophische Idealismus, der
auf demselben Gebiet zur Kußerung kam, wie derjenige der Kirche. Hier
war es im 17. Jahrhundert zuerst der Franzose Rens Desrartes, der
mit seiner Philosophie reformatorisch wirkte.
Descartes ging nicht von irgend einer Erkenntnis durch Offenbarung
aus, sondern verwies den spekulativen Geist auf das Denken.
Durch seinen Fundamentalsatz: cogito, ergo sum! (ich kann denken,
daher bin ich) hat er deutlich ausgedrückt, daß wir zunächst auf unser
eigenes Bewußtsein beschränkt sind, und daß die Welt uns nur als Vorstellung
gegeben ist. Er erkannte aber auch schon die Unsicherheit unserer
ganzen Erkenntnis, die er durch seinen Zweifel an der Außenwelt
ausdrückte und der darin seine Begründung hat, daß sich unsere Erkenntnis
aus einem subjektiven und einem objektiven Teil zusammensetzt.
Den Zweifel an der Außenwelt beruhigte er mit der Annahme, daß
uns Gott, den er neben uns als wirklich annahm und den er aus der
a Ppriori-Idee in uns ableitete, nicht betrügen werde. Neben der