52 3. Der „tolle“ Landjunker
liche Briefe zu schreiben. Wenn man sich lieb hat, wie es von
uns beiden doch anzunehmen ist, so ist es ein Vergnügen, überhaupt
nur in Verbindung zu sein. Ist man geistig angeregt,
so schreibt man einen witzigen, ist man niedergeschlagen, einen
sentimentalen Brief; hat man den Magen verdorben, hypochonder,
und hat man gelandwirthschaftet, wie ich heut, trocken und kurz.
. Du mußt, mein Herz, dazu beitragen, uns auf dem un—
genirten Plauderfuß zu erhalten; schreibe Du mir, in welcher
Stimmung Du willst — auch in der wirthschaftlichsten von der
Welt, Du machst mir immer eine sehr große Freude; Dein Brief
mag kurz oder lang, frankirt oder unfrankirt sein, er mag Dir
uninteressant vorkommen, für mich ist er immer das Gegentheil.
. Für heute leb wohl, mein Lieb, und schreibe ja bald an
Vater und dann auch an
Deinen treuen Bruder
Bismarck.“
So plaudert sich der Prachtmensch seine Einsamkeit von der
Seele. Betrat er in trostloser Stumpfheit sein Haus, so gähnte
ihn die Tür seines Zimmers an und das stumme, menschenleere
Gerät in dem leblosen Raum. „Nie wurde mir die Ode
meines Daseins deutlicher als in solchen Augenblicken, bis ich
dann ein Buch ergriff, von denen keines traurig genug war,
oder mechanisch an irgend ein Tagewerk ging. Am liebsten
kam ich des Nachts nach Hause, um gleich zu schlafen.“
Im April (9. April 1845) aber ist er zur Uberzeugung gekommen,
daß er heiraten müsse: „Johann pfeift draußen ebenso
consequent wie falsch einen ganz infamen Schottischen, und ich
habe nicht die Grausamkeit, es ihm zu verbieten, da er ohne
Zweifel seinen heftigen Liebeskummer durch Musik zu beschwichtigen
sucht. Das Ideal seiner Träume hat vor kurzem auf Zureden
der Eltern ihm abgesagt und einen Stellmacher geheirathet.
Ganz mein Fall, bis auf den Stellmacher, der noch im Schoße
der Zukunft raspelt. Ich muß mich übrigens, hol mich der D...
[Deixel volkstümlich statt Teufel] verheirathen, das wird mir
wieder recht klar, da ich mich nach Vaters Abreise einsam und