64 III. Die Vorkriegszeit und der Kriegsbeginn unter der Ersten O. H. L.
durch Schürung dieser Brände den Zerfall oder die Schwäche der
Monarchie zu erreichen. Rußland förderte auch, wo es nur konnte,
die Wühlarbeit der Rumänen und der Italiener. So arbeiteten
Feinde und Verbündete an der Pfriiedlichene Zermürbung der
Monarchie.
„Und der mächtigste Verbündete der Monarchie, Deutschland,
das über zwölf Millionen Stammesgenossen in der Monarchie
besaß, Stammesgenossen, die durch ihre Arbeit, durch ihre Kultur
dem ganzen Staat seine Entwicklung, seine geistige und wirtschaftliche
Bedeutung gegeben hatten, hielt sich ängstlich von jeder Einmischung
zurück, vermied es sogar, sein Gewicht selbst nur zur
moralischen Stärkung der Träger des österreichischen Staatsgedankens
zu verwerten. Die sflawisch-romanische Wühlarbeit fand daher
nirgends Widerstand, weder beim Monarchen, noch bei der Regierung,
noch aber bei den Deutschen, die, vom großen deutschen
Volk verlassen, dem Erbfehler der Deutschen unterlagen, dem
Mangel an Volksempfinden und daher dem Mangel an Einheit.
Diese Gleichgültigkeit der deutschen Politik gegen die innere Entwicklung
des Kaiserstaates war einer der großen Fehler der
deutschen Politik. Man hat ihn entschuldigt und wird ihn entschuldigen
mit dem einwandfreien Verhalten der Nichteinmischung in
innere Angelegenheiten des empfindlichen Verbündeten. Bei klar
bewußter Erkenntnis der Tragweite und klar bewußtem Willen
hätte sich ein Weg gefunden, die Unterstützung der Deutschen ÖOsterreichs
gegen slawisch-romanische Bedrängnis in einwandfreier
Weise durchzuführen.
„Man mußte in Deutschland die Zustände des Kaiserstaates
genau kennen oder, wenn das nicht der Fall war, genau kennen
lernen, da man mit dem Kaiserstaat auf Leben und Tod verbunden
war. Hatte man die Zustände erkannt, dann mußte man richtig
handeln, um die Folgen zu beseitigen. Das Schlechteste war es aber,
beiseite zu stehen und zu sagen: Das geht mich nichts an. Gerade
das tat man.“
Wir sehen demnach in Deutschland vor Kriegsbeginn eine Staatsleitung,
die nicht erkannte, daß der Krieg die äußere Politik mit