Full text : Blätter für Rechtssanwendung. IX. Band (9)

1.  Der  Staat  des  Deutschen  Ordens  in  Preußen.  53

kapitel  der  Cistercienser  für  ihn  bei  der  Kurie.  Auch  die  letzte
Frist  zur  Wahl  eines  der  drei  prenßischen  Bistümer  ließ  Christian
unbenutzt:  er  hat  an  der  Weiterführung  der  durch  ihn  begonnenen
Bekehrung  der  Preußen  keinen  Anteil  gehabt  und  wird  es  vorgezogen
  haben,  sich  in  der  Stille  eines  Klosters  über  die  erlittene
  Unbill  zu  trösten.  Nun  hatte  der  Orden  von  der  Kirche
Oinderung  nicht  mehr  zu  fürchten.  Denn  daß  auch  in  den
Biotümern  von  Kulm,  Pomesanien  und  Ermeland  ein  Dritteil
des  Landes  zur  Ausstattung  des  Bischofs  diente,  zwei  Dritteile
dem  Orden  verblieben,  that  nichts  bei  der  engen  Verbindung
der  Bistümer  mit  der  fkirchlich-ritterlichen  Organisation  des
Ordens.  Als  Zunocenz  IV.  1246  einer  der  preußischen  Diözesen
einen  geistlichen  Bruder  des  Ordens  selbst  vorsetzen  wollte,  erhob
  der  Erzbischof  von  Riga  als  Metropolit  Einsprache.
Wieder  nahm  die  Kurie  die  Partei  des  Ordens  und  erklärte
kirchliche  Zenfuren,  die  der  Erzbischof  etwa  gegen  ihn  verhängen
würde,  zum  voraus  für  ungültig.  Bald  darauf  erhob  ein  Machtspruch
  Innocenz'  IV.  einen  Deutschordenskleriker  Heinrich  von
Stritberg  zum  Bischof  von  Ermeland.

Die  kolonisatorische  Thätigkeit  des  Ordens  nahm  nun
rascheren  Fortgang.  Der  Friede  mit  Pommerellen  und  ein
vorteilhafter  Handelsvertrag  mit  Polen  öffneten  deutschen  Kaufleuten
  und  Ansiedlern  den  Weg  nach  dem  OÖsten.  Die  Gewährung
mehrjähriger  Freiheit  auch  von  kirchlichen  Abgaben  zog  viel
Ansiedler  nach  dem  Kulmer  Lande.  Von  den  Städten  erhielt
Elbing  1246  lübisches  Recht.  Die  Verbindung  mit  Kur=  und
Livland  aber  vermittelte  über  See  namentlich  Lübeck:  mit  ihm
erwog  der  Orden  daher  die  Gründung  einer  Stadt  an  der
samländischen  Küste.  Sie  unterblieb,  aber  in  Gemeinschaft  mit
dem  Bischof  von  Kurland  baute  der  Orden  1252  am  Auegange
des  kurischen  Haffs  die  Burg  Memel,  die  bis  1328  zu  Kurland
gerechnet  und  von  dort  aus  verwaltet  wurde.  Doch  blieb  diese
gefährdet,  so  lange  das  dazwischen  liegende  Samland  nicht
unterworfen  war.  Seine  Eroberung  war  die  nächsie  militärische
Aufgabe.  Wieder  wurde  in  Deutschland  das  Kreuz  gepredigt,
und  im  Winter  1254—1255  kam  ein  Heer  von  60  000  Mann  in
das  Land.  Der  bedeutendste  Teilnehmer  war  König  Ottokar  ll.