Inzwischen waren die von der Front befohlenen Generale
v. Gallwitz und v. Mudra bei mir erschienen. Sie entwarfen ein
Bild der inneren Lage des Heeres, wobei auch die große Zahl der
Drückeberger hinter der Front, die Fälle von Insubordination, das
Erscheinen der roten Flagge in den Urlauberzügen, die aus der
Heimat kamen, u. dgl. erwähnt wurden. Die Generale erblickten
die Hauptursache der vorhandenen Übelstände in der ungünstigen
Wirkung der in der Heimat herrschenden Stimmung auf die Truppen.
Der allgemeine Wunsch nach Beendigung des Kampfes und nach
Frieden habe von der Heimat auf die Etappe übergegriffen und
mache sich auch bereits bei einzelnen Fronttruppenteilen bemerkbar.
Die Generale vertraten die Ansicht, daß die Armee deshalb sofort
hinter die Antwerpen-Maas-Linie zurückgenommen werden müßte.
Noch am selben Tage sandte ich telephonisch an den Feldmarschall
v. Hindenburg den Befehl, sobald als möglich den Rückzug in die
Antwerpen-Maas-Linie zu bewirken. Das Zurückgehen des ermüdeten,
aber an keiner Stelle entscheidend geschlagenen Heeres in diese Stellung
bedeutete nur die Einnahme einer wesentlich kürzeren und vom
Gelände vielfach begünstigten Stellung, die freilich nicht ausgebaut
war. Aber auch an der Somme hatten wir uns in Trichterstellungen
geschlagen. Das Ziel mußte sein, die Operationsfreiheit wieder zu
gewinnen, was meines Erachtens keineswegs aussichtslos war. Hatten
wir doch im Laufe des Krieges mehrfach Rückzüge ausgeführt,
um uns in militärisch günstigere Lagen zu versetzen.
Gewiß war das Heer nicht mehr das alte. Namentlich der Ersatz
des Jahres 1918 war vielfach von revolutionärer Propaganda
verseucht und benutzte oft das Dunkel der Nacht, um sich dem Feuer
zu entziehen und in der Etappe zu verschwinden. Aber die Mehrzahl
meiner Divisionen hat sich bis zuletzt tadellos geschlagen, Disziplin
und militärischen Geist bewahrt. Sie waren dem Feinde an
innerem Gehalt noch immer gewachsen. Denn trot seiner Übermacht
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