Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

234

net  und  die  Zustimmung  der  Stände  der
einzelnen  Erblande  zu  selben  eingeholt
  (bis  1724).  Zugleich  schloß  K.  mit
den  mächtigsten  Staaten  Europas  Verträge
  ab,  welche  die  Anerkennung  der

Pragmatischen  Sanktion  sicherten.  Auch  17

hatten  die  beiden  Töchter  seines  verstorbenen
  Bruders  Joseph  I.  ihren  Rechten
auf  die  österreichischen  Erblande  entsagen
  müssen,  bevor  sie  sich  mit  den  Prinzen
  von  Bayern  und  Sachsen  vermählten.
Am  polnischen  Erbfolgekrieg  (1733—38)
beteiligte  sich  K.  zu  Gunsien  Friedrich
Augusts  II.  von  Sachsen.  Dieser  erhielt
zwar  im  Frieden  von  Wien  (1738)  die
polnische  Krone,  doch  büßte  der  Kaiser
Neapel  und  Sizilien  ein,  und  Parma  und
Piacenza  waren  dafür  nur  eine  geringfügige
  Entschädigung.  Während  K.  damals
kein  Bedenken  trug,  eine  Vereinigung
Lothringens  mit  Frankreich  zas
suchte  er  dem  König  Friedrich  Wilhelm  I.
von  Preußen  sein  Erbfolgerecht  im  Herzogtum
  Berg  zu  verkürzen,  obwohl  er  esgegen
Bestätigung  der  Pragmatischen  Sanktion
früher  anerkannt  hatte.  Nachdem  er  1736
bis  1739  noch  einen  unglücklichen  Krieg

egen  die  Türken  geführt  hatte  und  im

rieden  von  Belgrad  die  Erwerbungen  des
Friedens  von  Passarowitz  nebst  der  Stadt
Belgrad  hatte  aufgeben  müssen,  starb  er
20.  Okt.  1740,  und  mit  ihm  erlosch  der
Mannsstamm  des  Hauses  Habsburg.
Vgl.  Fr.  Förster,  Die  Höfe  und  Kabinette
  Europas  im  18.  Jahrhundert,  Bd.
1  u.  2  (1836).

8)  K.  VII.  Albrecht,  ältester  Sohn  des
Kurfürsten  Max  Emanuel  von  Bayern,
gee  6.  Aug.  1697  zu  Brüssel,  wo  sein

ater  Statthalter  der  Niederlande  war,
geriet  während  des  spanischen  Erbfolgeiegs

  in  österreichische  Gefangenschaft  und
wurde  in  Klagenfurt,  dann  in  Görz  erzogen.
  1722  vermählte  er  sich  mit  Maria
Amalia  Josepha,  der  jüngern  Tochtes  des
Kaisers  Joseph  I.,  die  jedoch  allen  Erbansprüchen
  entsagte,  und  wurde  nach  dem
Tod  seines  Vaters  (1726)  Kurfürst  von
Bayern.  Unmittelbar  nach  dem  Tod
Kaiser  Karls  VI.  erhob  er  Einspruch  gegen
die  Pragmatische  Sanktion,  schloß  mit
Frankreich  18.  Mai  1741  ein  Bündnis

Karl  (Bayern,  Braunschweig).

gegen  Osterreich  zu  Nymphenburg  (s.  d.),
welchem  Spanien  und  Sachsen,  bald  auch
Preußenbeitraten,  fiel  in  Osterreich  ein  und
ließ  sich  hier  als  Erzherzog  und  in  Prag
als  König  von  Böhmen  zuteigen  (1741).
42  wurde  er  zum  deutschen  Kaiser  gewählt.
  Alsbald  aber  wandte  sich  das
Kriegsglück.  Maria  Theresia  warf  mit
Hilfe  der  Ungarn  den  Feind  aus  Oberösterreich
  und  eroberte  in  kurzem  ganz
Bayern.  K.  flüchtete  nach  Frankreich  und
konnte  erst  1744  wieder  in  seine  Residenz
München  zurückkehren,  als  unter  Frankreichs
  Vermittelung  ein  neuer  Bund  gegen
Osterreich  zustande  kam,  an  dem  sich  auch
Preußen  beteiligte.  Doch  schon  20.  Jan.
1745  starb  K.  Vgl.  Heigel,  Der  österreichische
  Erbfolgestreit  und  die  Kaiserwahl
  Karls  VII.  (1876).

Bahern.

9)  K.  Theodor  Maximilian  August,
  Herzog  von  Bayern,  geb.  7.  Juli  1795
Mannheim,  zweiter  Sohn  des  spätern

önigs  Maximilian  I.  von  dessen  erster
Gemahlin,  Wilhelmine  von  Hessen-Darmstadt,
  nahm  mit  Auszeichnung  am  Befreiungskrieg
  teil  und  trat  nachdem  Wiener
Kongreß  an  die  Spitze  der  bayrischen  Armee.
  1822  legte  er  sein  Kommando  nieder
  und  übernahm  erst  nach  Wredes  Tod
(1838)  wieder  den  Oberbefehl.  1841  wurde
er  zum  Feldmarschall  und  Generalinspekteur
  der  Armee,  1860  zum  Oberbefehlsbaber
  des  7.  deutschen  Bundeskorps  ernannt.
1866  befehligte  er  dasselbe  im  Kriege  gegen
Preußen  und  zog  sich  nach  dem  unglückkichen
  Ausgang  desselben,  nachdem  er  alle
militärischen  Würden  niedergelegt,  ganz
vom  öffentlichen  Leben  nach  Tegernsee  zurück,
  wo  er  16.  Aug.  1875  starb.

Braunschweig.

10)  K.  Wilhelm  Ferdinand,  Herzog
  von  Braunschweig,  geb.  1735,  ältester
Sohn  des  Herzogs  Karl  und  der  preußischen
  Prinzessin  Philippine  Charlotte,
nahm  unter  seinem  Oheim  Ferdinand  an
mehreren  Schlachten  des  Siebenjährigen
Kriegs  teil  und  trat  1773  als  General
der  Infanteric  in  die  preußische  Armee
über,  welche  er  in  den  bayrischen  Erbfolgekrieg
  begleitete.  Nach  seines  Vaters  Tod
folgte  er  1780  im  Herzogtum  Braun-