Full text : Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Stettin. 1916. (106)

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hindeutete,  würde  die  nöthige  Verstärkung  zu  lange
verzögern.  Zudem  eröffnet  dieselbe  nur  Aussicht  auf  neue
Kämpfe  in  Zukunft.  —  Ein  Vorzug  der  neuen  Vorlage  aber  ist
gerade,  daß  sie  durch  Uebertreffen  der  französischen  Rüstungen
einen  Abschluß  bringen  will.  Die  Verjüngung  der  Feldarmee
  würde  beim  Vorschlag  Bennigsen  verringert  werden.

Die  verminderte  Einstellung  würde  natürlich  eine  Schwächung
der  projektirten  Friedensstärke  zur  Folge  haben,  mit  der  man
sich  bei  dreijähriger  Dienstzeit  leicht  abfinden,  die  aber  bei  zwei-Hähriger
  sehr  nachtheilig  wirken  könnte.

Wenn  wir  auch  über  die  Nachtheile  eines  verminderten  Etats
der  Feldbataillone  im  Frieden  hinwegsehen  wollten,  so  handelt  es
sich  ja  doch  um  die  Erhöhung  der  Kriegsstärke  durch  die  vermehrte
  Einstellung.

Daß  die  Zahl  der  Offiziere  und  Unteroffiziere  erst  in  3—4
Jahren  voll  sein  wird,  ist  ein  Uebelstand,  den  wir  auch  1860  mit
in  den  Kauf  nehmen  mußten.  Wir  betrachten  die  äußere  Lage
als  eine  außergewöhnliche.  Zur  Erfüllung  unserer  Aufgabe  gehören
  auch  außergewöhnliche  Mittel.  Der  Einwand  des  Herrn
von  Bennigsen  bezüglich  der  Offiziere  und  Unteroffiziere  ist  nicht
leicht  zu  nehmen.  —  Zur  Ueberwindung  der  Schwierigkeiten  giebt
es  indeß  Mittel.  Wir  führen  als  solche  an:

Einziehung  von  Reserveoffizieren  unter  Anrechnung  der
Uebungen.  So  verfuhr  man  auch  1860.  Es  finden  sich  immer,
insbesondere  unter  den  Beamtenklassen,  Männer,  welche  sich  zu
manchen  Zeiten  ganz  gern  einziehen  lassen.

Ausgiebigere  Ernennung  von  Offizierdienst  thuenden  Vicefeldwebeln
  in  der  Uebergangszeit.

Ebenso  Zurückhaltung  brauchbarer  Leute  des  3.  Jahrgangs
für  die  nächsten  2  bis  3  Jahre  zur  Aushülfe  beim  Unteroffizierdienst,
  unter  Zahlung  einer  Zulage.

Bei  dem  Eifer  und  der  Elastizität  unseres  Offizierkorps
wird  man  mit  diesen  Mitteln  in  der  Uebergangszeit  auslangen.
Größerer  Andrang  zu  den  Unteroffizierstellen  wird  sich  sicher
finden,  wenn  man  die  nöthigen  Mittel  aufwendet.  Frankreich,
wo  dies  geschehen  ist,  hat  Ueberfluß  an  Unteroffizieren.

Daß  es  nun  einen  bedeutenden  Unterschied  in  der  Mehrbelastung
  des  Volkes  ergiebt,  ob  man  ein  Mehr  von  45  000  Rekruten
oder  von  60  000  bewilligt,  das  werden  mit  mir  sehr  Viele  nicht.
anerkennen  wollen.  —

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