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men sollten. Wie sollte aber auch wohl in allgemeinen Gang
kommen koͤnnen, was nur ein einzelner Mensch gleichsam
aus augenblicklichem Beduͤrfniß erdacht hatte? Wie sollte
eine so aͤußerst grobe Betrügerei, sobald sie sich recht ins
Publicum wagte, nicht sogleich entdeckt und zurückgewiesen
werden? Es scheint oft in der Geschichte nicht nach den
ordentlichen Regeln der Wahrscheinlichkeit zu gehen, und hier
ist einer der Fälle.
In den Händeln, welche in einigen Dihcesen entstanden,
die auf der Gränze der Reiche Lothars und Karls dez
Kahlen lagen, producirte man zuerst diese neue Waare. Die
Metropolitane, welche bisher von allem, was in diesem Buche
stand, kein Wort gewußt hatten, wunderten sich des neuen
Schatzes, sahen aus dem offenbaren Widerspruch mit aͤltern
zuverlässig ächten Kirchengesetzen, daß es mit diesem neuen
Moducte nicht ganz seine Richtigkeit haben könne. Das
sicherste Mirtel, den Werth dieser neuen Erscheinung zu erfahren,
war also eine Anfrage zu Rom, wo sich von so vielen neuerschienenen
Decretalen doch einige im Archiv finden mußten.
Auf die erste Anfrage antwortete der Römische Bischof Nikolaus
gar nicht; er übergieng in seinem Schreiben die-einzige
Stelle des Briefes, wo die Frage stand. Endlich kam
die Frage öfters. Ganz schweigen konnte der Bischof unmöglich
mehr, er antwortete also bloß so, daß er alle Grände,
welche von den Gegnern dieser Decretalen angeführt wurden,
als ungültig verwarf. Gründe verwerfen, welche gegen eine
Sache angeführt werden, heißt deswegen noch nicht die
Sache selbst billigen; aber der Ton, womit der Roͤmische
Bischof diese Gründe verwarf, verrieth nur zu deutlich, wel,
cher Meinung er sey. Die Exzbischöfe selbst hatten überdieß
die Unvorsichtigkeit, wenn es ihnen gelegen kam, manchmal