132 Sechstes Buch. Die Jahre der Erfüllung.
bloß Sicherheit nach außen hin, sondern auch die Gewähr für
den künftigen Anschluß gab. Die am 17. April proklamierte
Verfassung des Norddeutschen Bundes, die im Abgcordnetenhause
gegen die Stimmen der Fortschrittspartei am 31. Mai
und im Herrenhause am 23. Juni angenommen wurde, gewährte
Preußen an der Spitze des neuen Bundesstaates endlich
die gebührende Stellung: Von den 43 Stimmen des Bundesrates
gehörten ihm 17; es wählte für die von ihm geleiteten
Ausschüsse für Heer, Festungen und Flotte zwei Mitglieder
und übte auf allen Gebieten des gemeinschaftlichen Lebens
einen in der Form beschränkten, sachlich aber entscheidenden Einfluß,
der zusammen mit der Verteilung der Stimmen unter die
ihm von alters her eng verbundenen Staaten jede Mojorisierung
unmöglich machte, während die Leitung von Heer und Flotte
in des Kömgs Hand lag. Bismarck wurde als Bundeskanzler
an die Spitze der Bundesregierung gestellt und fand in dem
um Preußens Handelspolitik hochverdienten Delbrück als Präsidenten
des Bundeskanzleramts einen unübertrefflichen Mitarbeiter,
dessen Eintritt auch in das preußische Ministerium
die Einheitlichkeit der preußischen Politik im Bunde und im
eigenen Lande verbürgte. Kollisionen zwischen beiden blieben
dennoch nicht aus. Auch persönliche Momente wirkten gelegentlich
störend ein und veranlaßten Reibungen, durch die Bismarck
sich in seiner alles umfassenden Thätigkeit gehindert sah. Selbst
mit seinem königlichen Herrn kam es gelegentlich zu Mißverständnissen,
die sich ihrem ferneren Zusammenwirken in den
Weg zu stellen schienen, aber durch des unwandelbar dankbaren
Königs offenherzige und versöhnliche Art stets ihre gütliche
Lösung fanden. Erklärte er doch auf ein aus solchem Anlaß
eingereichtes Entlassungsgesuch Bismarcks im Februar 1869
es für sein größtes Glück, mit ihm zu leben und immer fest
einverstanden zu sein: von dem Manne, dessen Namen in der
preußischen Geschichte höher stehe als der irgend eines Staatsmannes,
werde er niemals lassen.