168 VII. Die Kriegführung der Dritten Obersten Heeresleitung.
Schiffsverluste nicht über den November hinaus ertragen könne.
Am 2. April erklärte Wilson den Krieg an Deutschland.
U--Bootkrieg und die bekannte Depesche des deutschen Auswärtigen
Amtes, in der es Mexiko gewinnen wollte, waren lediglich
Mittel, den Volksgeist in den Vereinigten Staaten noch mehr
gegen Deutschland zu erregen.
Sogar in demokratischen und sozialdemokratischen Kreisen
gewinnt die Einsicht an Boden, daß die von der O. H. L. schon im
Kriege vertretene Ansicht richtig ist, die Vereinigten Staaten
würden im Falle eines deutschen Sieges gegen Deutschland in den
Krieg eingegriffen haben").
Die falsche Einschätzung der Geistesrichtung der Vereinigten
Staaten ist eine besonders schwere Belastung der Politik zum
Schaden der Kriegführung. Sie verhinderte uns lange Zeit, rechtzeitig
von einer Waffe Gebrauch zu machen, die uns einen Sieg
sichern konnte, und wirkte dadurch auch lähmend auf den U-Bootbau.
Dies sollte sich, wie jedes Schwanken, rächen, als die Politik
dem U-Bootkrieg zustimmte.
Als die neue O. H. L. Ende August 1916 ihr Amt antrat, fand
sofort auf Anregung des Reichskanzlers in Pleß eine Besprechung
darüber statt, ob der uneingeschränkte U-Bootkrieg geführt werden
solle, wie der Admiralstab es wünschte, oder nicht. Die neue
O. H. L. mußte in ihrer ganzen Auffassung vom Kriege für diese
Kriegführung eintreten. Sie sprach sich zu der Zeit noch dagegen
*) Professor Hans Delbrück schreibt in den „Preußischen Jahrbüchern“ 1921
über den Fall eines deutschen Sieges im Herbst 1914: „Kein Zweifel, daß.
die Amerikaner schon damals in den Krieg getreten wöären denn
die Amerikaner wollten zwar nicht gerade, daß Deutschland unterliege, aber sie
wollten unter keinen Umständen dulden, daß es siege.“
In der ostpreußischen sozialdemokratischen Wochenschrift „Morgen“ schreibt
nach der München-Augsburger Abendzeitung vom 22. 7. 21 der sozialdemokratische
Abgeordnete und Führer Südekum: „Wilson hat offen eingestanden, daß er von
Anfang an den festen Willen gehabt hat, militärisch in den Krieg einzugreifen,
daß also seine sogenannten Friedensbemühungen nur den Zweck gehabt haben,
das ursprünglich friedensliebende amerikanische Volk allmählich an den Gedanken
der Teilnahme am Kriege zu gewöhnen. Dazu dienten die ungeheuerlichen
Lügen, die die englisch-französische Propaganda nach Amerika geschleudert hat.“