delspolitischen Status quo auf weitere dreißig Jahre vorgesehen.
Unter Berufung auf diese Klausel hatte Prof. Th. Schiemann noch
am 29. Juni 1904 in der „Kreuzzeitung“ geschrieben: „Es kann
uns nur recht sein, wenn die französische Politik fortan genötigt
sein wird, ihr Hauptaugenmerk der pénétration pacifique, wie
euphemistisch gesagt wird, eines Staates zuzuwenden, der in ein
Stadium innerer und äußerer Krisen getreten ist, die nicht ohne
die allergrößten Anstrengungen zu überwinden sein werden. Unsere
politische Phantasie reicht nicht so weit, daß sie das Frankreich von
1934 zu schauen vermöchte.“ Ebenso ergab sich auch für den
anderen Fall, nämlich, daß wir aus Prestigegründen als übergangene
Signatarmacht der Madrider Konvention einschreiten
wollten, der Einwand, warum wir dann solange stillgeschwiegen
hätten. «
Während sich die deutsche Politik noch bis tief in den Winter
hinein abwartend verhielt, ging Delcassé alsbald nach dem Abschluß
der Verhandlungen mit Spanien daran, den Sultan für
den größten Teil seines Reiches unter französische überwachung
zu stellen. Um Neujahr 1905 wurde der Vertreter Frankreichs in
Tanger, Saint-René Taillandier, in besonderer Mission nach Fes
entsandt, um dem Sultan ein Militärprogramm und eine Reihe
scharfer Forderungen über Anleihedienst, Zollkontrolle, Vergebung
öffentlicher Arbeiten usw. vorzulegen. Bei Ausführung des Auf—
trages sollte sich der Gesandte darauf berufen haben, daß Frank—
reich von den europäischen Mächten ein Mandat zur Ordnung der
militärischen und zivilen Verwaltung in Marokko erhalten hätte. Der
Sultan bestätigte diese Angabe gegenüber dem kaiserlichen Konsul
Vassel in Fes, der Gesandte bestritt sie, in Deutschland glaubte
man dem Sultan, in Frankreich natürlich dem Gesandten. Jedenfalls
war Delcassé in dem Glauben befangen, daß er keinen deut—
schen Einspruch mehr zu gewärtigen hätte und daß Frankreich nach
den Verträgen mit England und Spanien die politische Protektor—
rolle ohne Rücksicht auf die durch die Madrider Konvention von 1880
geschützten wirtschaftlichen Interessen der Fremden durchführen
könnte. Die ihm ergebenen Organe, wie „Journal des Debats“,
sprachen es offen aus, daß Marokko das Gegenstück zu Tunis
werden sollte. Das bedeutete praktisch den Ausschluß aller nicht—
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