508 22. Die grundlegenden Kahre der deutjchen Reformation 11521— 1580).
Seite fort, führte in die Predigt ein Neues ein, indem er über
ganze Bücher des Neuen Tejtaments predigte: eine freie, heitere,
gejellige Natur, — volfstümlich, verftändig, patriotiich. Mit eindringlicher
Beredjamfeit wandte er fich gegen das von den großen
Samilien am StaatSruder begünjtigte Reislaufen, den wohlbezahlten
Kriegsdienst in fremden, päpftlihem namentlich und franzöfiichem
Solde. Seinem polemischen und reformatorifchen Wirken jebte der
Nat in Zürich fein Hindernis entgegen, und al im Sahre 1523
bei einer Disputation der Bilar des Bichofs von Konftanz, zu
deffen Sprengel Zürich gehörte, eine Hägliche Rolle gegenüber
Zwingli und der Karen Sicherheit feiner wohlerworbenen Überzeugung
jpielte, ward er vom Nat ausdrüdfich ermächtigt, mit
jeinen Reformen fortzufahren. Dieje Reformen gejtalteten fich ettwas
anders als die Luthers. Das Gewaltige, Tiefe, Geheimnispolle
des Genies war nicht in Zwingli. Er ging folgerichtiger vor
als Luther, und bei ihm lag nicht der gewaltige Organismus und
Gedanke der Kirche, fondern eine einfachere Sache, die Gemeinde
Hürih und ihre Stellung zum Bistum Konjtanz, dem Neformieren
zugrunde. So wurde bier, gar Jehr im Sinne der Bevölkerung,
der Gottesdienst jehr einfach, nach urchriftlichem Mufter, eingerichtet:
feine Zeremonien, feine priefterlihen Gemwänder, fein Orgelfpiel,
feine Bilder; alles, was ftch nicht pofitiv aus der heiligen Schrift
ermweilen ließ, abgetan; indem die Gemeinde Zürkh vom Bistum
Konftanz fich trennte, jagte fte fich von der römtichen Kirche Io8.
Auf diefer Tatfache, dem Gemeindebegriff, dem urjprüngfichen
Grunde der chriftlichen Gemeinfchaft, aus der fich erit im Lauf
der Jahrhunderte diefe große, prunfende, vielfach verderbte Kirche
entwidelt hatte, baute fich hier in der Schweiz eine neue Firchliche
Drganifation auf. Diefe einfachere Ausprägung des chriftlichen
Bewußtfeins verbreitete fich rafch auch in den firddeutichen Reicheftädten,
in Lindau, Memmingen, Ulm, Straßburg; verhängnisvoll
aber wurde, daß BZwingli feinen allem Unflaren widerjtrebenden
Berftand und feine wilfenschaftliche Unabhängigkeit auch auf das
Ultarfaframent, die Zehre vom Abendmahl, richtete. Shm trat hier