46 Der erste dänische Krieg in den Jahren 1848—1850.
die landesüblichen „Knicks“, leuchteten die Wachtfeuer herein. Der Nachtmarsch
von Gravenstein her hatte den im Felde immer regen Durst des Soldaten
noch vermehrt; man hatte aus Gravenstein den nötigen Proviant mitgenommen,
die Ortsbevölkerung von Nübel that das Ihrige, und so dampfte, freilich in
einem wenig eleganten Thongeschirr, bald ein duftiger Punsch. An Zigarren
war kein Mangel, bald kam ein lebhaftes Gespräch in Gang. Die Truppen
lagen bereits im Schlafe.
„Kameraden"“, nahm ein bayrischer Hauptmann das Wort, „diesmal
geht's den Dänen hart an den Leib. Meine Jäger sind wütend und freuen
sich auf den Sturm, als gält's einen Tanz. Die verdammten Spitzkugeln, die
sie drüben eingeführt, haben unsre Leute gehörig auf dem Strich, und wenn'’s
erst Mann gegen Mann geht, dann stehe ich dafür, daß wir die Dänen bald
aus ihren Knicks verjagt haben.“
„Es ist doch eine eigne Art Krieg in diesem Lande“, meinte ein sächsischer
Leutnant; „man kommt dabei nicht recht vorwärts.“
„Nicht einmal ein ordentliches Schlachtfeld gibt es, wo man die Kerls
tüchtig zusammenhauen könnte!“ rief ein bayrischer Chevau-leger dazwischen.
„Ja, und mit den Geschützen kommen wir auch nicht weit in dem durchschnittenen
Terrain“, klagte Hauptmann Stieglitz von der bayrischen Artillerie,
ein sehr kräftig-dicker Mann, der aber an Gewandtheit und Diensteifer hinter
keinem Schlanken zurückstand, — „da habe ich meine nagelneue Batterie nach
unserm Zollerschen System und Kanoniere, wie man sie sich nicht besser
wünschen kann — na — wissen's — wenm's nur a bissel bess'rer Boden wär!
Aber da sind ja d’ Felder alle in korzklare Viereckl ab'teilt und dazwischen
pflanzen's die verdammten Hecken — Na — may's noch so arg sein, wenn's
halt nur losginge!“
„Ja“, bestätigte der Chevau-leger, „und die Zweige der Hecken werden
umgeknickt und wieder in den Boden gesteckt, und das Mottenzeug schlägt überall
Wurzeln und schießt aus allen Klinsen und Spalten heraus, bis das Ganze
undurchdringlich wird wie eine Mauer, und das ganze Land ist mit diesen
Teufelsknicks bedeckt.“
„Meine Herren“, versetzte der Sachse, „das ist unser Boden, da können
nur wir Infanteristen etwas leisten. Da kommt das Tirailleurgefecht recht zu
Ehren und das Fechten in Kompaniekolonnen nach dem preußischen Reglement.“
„Na, was die machen, dös bringen wir halt ohne viel Reglement auch
noch fertig“, brummte der bayrische Jägerhauptmann. „Es lebe unser Kommandant,
der draufgeht, von der Tann.“
„Zuerst der Obergeneral Bonin!“
„Dann lieber gleich die ganze Bundesarmee!“ rief der Sachse.
„Meinetwegen alle", sagte der Jäger, und hell klangen die Gläser.
„Aber schaut nur dorthin“", nahm der dicke Stieglitz von neuem das Wort;
„warum geht denn die Mühl' da drüben auf dem Hügel schnurstracks auf einmal,
als gält's was? Hot's doch bisher nit so eilig habt!“
„Weil der Wind geht“, wollte der Sachse erwidern, als man plötzlich
bemerkte, daß an einem Flügel jener Windmühle eine Laterne befestigt war,