Aum̃mer 200
wolle keinen Krieg und hoffe, der Kronrat
werde sich im Sinne der Aufrechterhaltung der
Neutralität entscheiden.
Der russische Durchmarsch
durch Rumänien.
Mailand. 28. August. Der „Secolo“ berichtet,
daß bereits am Freitag abends russische
Truppen mit dem Durchmarsch durch Rumänien
begonnen haben. (3.)
Rumänisch--russische
Operationsabsichten.
Zürichk, 28. August. D ie „Gazett) de Lausanne“
berichtet aus Bern: Nach dort eingelrofsenen
Nachrichten werde die rumänische Armer,
deren Mobilisierung nahezu vollendet sei, insgesamt
an die bulgarische Grenze geworsen werden.
Die seh slarke russische Dobrudscha-Ar#uce
werde die Donau uberschreiten, um in Bulgarien
einzumarschieren. (.).)
Der Druck auf Griechenland.
Vern. 26. August. „Pe i#t Parisien“ schreibt
zJu der Meldung des Alhener Blaites „Patrie“
uber den Gedankenaustausch der Ententemächte
ur militärischen und potitischen Lage Griechenlands:
Die Allüerten lönnen nicht zugeben, daß
ihr rechter Flugel durch den bulgarischen Vormarsch
bedrol wird. Sie sind u der Frage #e#
rechtigt, ob die Untäligkeil des gricchischen
(beneralstabes nicht eine Mit#chuld bedentet. Angesichts
der öffentlichen Stimmung in Griechenland
sind wir im Recht, neue Forderungen aufzustellen.
Da wir Griechenland vor einem bulgarischen
Einmarsch schützen, müssen wir es zur
Mitarbeit seiner eigenen Sicherstellung aussordern.
Allgemelnes vom Krieg.
Die Kriegoerklärungen.
Berlin, 28. August. Mit den Kriegserllälrungen
Italiens an Deutschland und Numäniens
an Oesterreich-Ungarn sind seit Kriegsbeginn
28 Kriegserklärungen erfolgt. Mit der
Kriegoerklärung Deutscklands an Rumanien ist
somit die 20. Kriegserklärung ausgesprochen.
Auszeichnungen für die
„Deutschland“.
Bremen, 23. August. Der Kaiser verlieh
Dr. Lolemann anjäßlich der glücklichen Heimlehr
des Unterseebootes „Deutschland“ und in Anerkennung
der hervorragenden Verdienste um das
gesamte Unternehmen den Kronenorden 2. Kl.
Weiter wurden der gesamten Besatzung des
Schiffes Auszeichnungen verliehen und zwar dem
Kapitän König das Rittertreuz des Hausordens
von Hahenzollern, dem ersien Offizier Krapohl,
dem zweiten Offizier Eyring und dem Obermaschinisten
Klees der Kronenorden 4. Klasse,
den Maschinisten das Verdienstlreuz in Silber,
den Matrosen und den Heizern die Rote Adler-Medaille,
den Maschinenwärtern, dem Funkenlelegraphisten
und dem Bootsmann das Allgemeine
Ehrenzeichen in Bronce, dem Koch Simon
sowic dem Aufwärter die Kronenordenmedaille.
Vergeltung.
Berlin, 28. August. Vergeltungsmaßregeln
haben wieder einmal wirksam geholfen.
Wie wir erfahren, haben die französischen Behörden
in Marokko unerhörterweise die für die
deutschen Kriegsgefangenen bestimmten Konservenbüchsen
früher in Casablanca öffnen lassen
und sie dann geöffnet in die verschiedenen Gesangenenlager
geschidt, wo sie natürlich in gänzlich
verdorbenem Zustand angekommen sind.
Die Schweizer Delegierten haben dies bei einem
Besuch. in Casablanca festgestellt und sich bei
der französischen Regierung vergeblich beschwert.
Als dieser Tatbestand in Deutschland
belannt wurde, wurde sofort angeordnet, daß
die Konservenbüchsen, die für die in Kurland
arbeitenden Franzosen bestimmt waren, ebensalle
in einer Zentralstelle in Deutschland geössnet
wurden. Dadurch verdarb selbstoerständlich
der Inhalt dieser Büchsen. Kaum 4 Wochen,
nachdem diese Maßnahme angeordnet worden
war, traf aus Paris die lelegraphische Mitteilung
ein, daß es sich nun doch ermoglichen
lasse, die Konservenbüchsen in den Lagern zu
öffnen. Dann wurden die Gegenmaßregeln auch
zurückgenommen.
u ———
Dic englischen Verluste
an der Somme.
Aus Dieppe wird berichtet: Von den aus der
Noont. kommenden englischen Offizieren wird die
tteilung über rerhältnismäßig geringe britüche
Verluste als eine frivole Beschönigung bezeichnet.
Ueber die angeblich geringen Verluste
der englischen „Anzac“ und Heimattruppe teilten
die Offiziere folgendes mit:
Die empfindliche Einbuße an Mannschaften.
bester Qualität erlitt unsere zum Durchbruch
Rosen Hels#er Anseis
Umer Bild zeigt rie „Deutschland“ während der Einfahrt in die Weser.
Zur Helmkehr der „Deutschland.“
mmerss#, M. N# 1517
Links sehen wir Kapitän König (-) und Alfred Dohmann.
IWiwFII
B 4
Juli. Die Regimenter, denen man die Eroberung
des Deloillewaldes übertrug, verloren
in Nachtkämpfen während viermal 12 Stunden
18000 Mann; auf ein Drittel ihrer ursprünglichen
Stärke zusammengeschmolzen, wollten sie
nicht mehr vorgehen und wurden deshalb „ergänzt“.
Diese Ergänzung bestand aus einer
südafrikanischen Abteilung. Ferner gab man
auf Wunsch Haigs diesen Neuformationen australische
Mannschaften bei und cine Abteilung
der sog. „Derbys Dedvilles“. Diese gemischte
Armee schmolz auf einundeinhalb Dioisionen
zusammen und mußtle, da ihr jede Operationsfähigkeit
mangelte, und die Mannschaften
durchwegs in jämmerlichem seelischem Zusiande
waren, aus der Front genommen werden.
Nun traf Haig aus Anraten Nobertsons
eine neue vielversprechende Anordnung, nämlich
begeisterte junge Engländer ins Treffen
zu führen. Zwei Divisionen, die sich hauptsächlich
aus Londoner Bank= und Handelsangestellten
zusammensetzten, wurden am Südpunkt der
englisch-französischen Front aufgestellt. Sie verrersagten
vollständig. In London verbreitele
dich liese Trauer über die furchtbaren Verluste.
An Stelle der Londoner traten englische Territorialtruppen;
mit ihren Leistungen ist man
nicht zufrieden. Es heißt von ihnen, daß sie alle
Munitionsvorräte aufbrauchen und doch nicht
vorwärtskommen. Lloyd George, der sich die
Sckonung des Heimat-Heeres sehr angelegen
sein läßt, sprach mehrfach den Munsch aus,
man möge nach Tunlichleit sie an anderen Stellen
verwenden. Daher sieht sich der britische
Generalstab zur Heranziehung englischer Regimenter
genötigt. Um den Dieppewald zu erobern,
brauchen wir ganze Kerle, und das ist
nur der Engländer von Geburt, sagte ein englischer
General gelegentlich des Königs-Besuches.
Es geht also jetzt aufs Gane, mögen die Verluste
auch noch größer und schmerzlicher sein als
bisher. In ihren Auslassungen geben die From-Offiziere
zu., daß England ungeheure Blutopfer
bringen muß, um den für Frankreich verlorenen
Krieg zu gewinnen. Daher ärgern sie sch uber
Lloyd Georges Redensarten und Beschwichtigungsversuche.
Basel. 28. August. Nach schweizericchen
Blättermeldungen aus London hat die Zaohl
der in den amtlichen englischen Verlustliften
aufgeführten Namen der toten, verwundeten od.
vermißten Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften
vom 1. Juli, also bei Beginn der
Somme Offensive, bie zum 24. August eine
Viertelmillion erreicht. Die Verluste der OÖffiziere
allein belaufen sich bis zu diesem Zeitpunkt
auf 21.300. Verluste der englischen Kolonial.
truppen sind in diese Zahlen nicht mitl einbegriffen.
Nach den im „Dailn Telegraph" und in
den „Times“ veröffentlichten Verlustlisten, die
vom Kriegsamt an die Blätter gegeben werden,
haben die Verluste die Zahl von 300.000 schon
überschritten. (3.)
— t
Italienische Stimmen
zur Kriegoerklärung.
Lugano, 28. August. Der „Secolo“ safelt
neuerdings vom Krieg der „Zivisisation“ gegen
Deutsckland. Italien lönne glücklich sein, daß
es auch an dem heiligen Kreuzzug teilnehmen
dürfe, und damit sei nun auch ein gewisses Geföhi
der Demütigung den Bundesgenossen gegenüber
geschwunden. Schon bisher habe cigent-
schen Rasse gegolten. Jetzt beginne die wahre
Strafunternehmung des zivilisierten Europas
gegen die Barbaren und schon höre man den
Sieg deutlich an die Pforte pochen. Hocherfreut
il der „Popolo d' Italie“, doch findet er, daß
Deuischland noch leineswegs so geschwächt sei,
wie man vielfach annehme. Das deulsche Unaetum
iei nock fehr stark.
Italiens neueste Dieberei.
Berlin, 28. Auguft. Die Beschlagnahme des
Palazzo Venczia ist ein Vorgehen, das selbst in
diesem Krieg mit seinen unerhörten Rechtsbrichen
ohne Präzedenzfall ist. Keine andere Regicrung
hat bioher den Sig einer feinorichen,
früher bei ihr allredidierten Vertretung beschlagnahmt.
Ferner in hervorzuhebden, daß der Palano
Venczia der Sitz der österr.-ung. Botschaft
beim Vatikan und daher durch das Garanliegesen
besonders gesichert il. Nur das
Archiv der Botschaft beim Ouirinal war weger-.
Raummangels, der im Palaszo Chigi herrschte,
aushilfsweise im Palazzo Venezia untergebradtt.
Die Regierung hat mit diesem Schriit
der starken nationalen Volkeströmung nachgegeben.
Die Bestrebungen, den Palazzo Venezia zu
beschlagnahmen, gehen bis auf das Jahr 1866,
wo Italien nach einer jüngst veröffentlichten dokumentierten
Darstellung des Abg. Galli den
Palast im Besitze Oesterreichs nur mit dem
Hintergedanken beließ, sich seiner bei der ersien
Gelegenheit zu bemäcktigen. Der Beschluß
wurde durch Kabinettsausschuß, dem der Minister
des Acußern, Somino, der Minister des
Innern, Orlando, der Unterrichtsminister Ruffini
und der Justizminister angehören, gefaßt,
abends veröffentlicht und dem spanischen Botschafter
als dem Vertreter der österr.z-ung. Interessen
amtlich mitgeteilt. Die Blätter melden,
daß nunmehr die Regierung den Feldzug gegen
das seindliche Privateigentum in Italien beginnt.
(3.)
Die Italiener in Tripolis.
Zürich. 28. August. Die Araber beschießen
die Stadt Tripolis. die von den Italienern geräumt
wird. wil sclweren Haubipen modernser
Kaliber. Die jungit gemeldete Rückgabe von
lausend verwundeten italienischen Gesangenen
durch die Araber geschah durch schmeres Lösegeld,
welches in Gold erlegt wurde. E ine erleb
liche Anzahl Italiener befindet sich noch in arabischer
Gefangenschaft, darunker ein Oberst. für
den die Araber eine Miliion Lire verlangen.
J.
Benrische Nunschen.
Von der „Banuer. Staatszeitung“.
In Münchener und Augesburger Zentrumsblättern
ist zu lesen: Die Nachrich!, daß der fru-Gere
Chefredalteur der angeblich farblosen
„Münchener Zeitung“, Herr Mar Scharre, zum
Chefredakteur der „Bayer. Staatszeitung“ bestimmt,
bezw. vertraglick schon ernannt ist. hat
in allen konservativen Kreisen die peinlichsten
Empfindungen erweckt. Der bieherige Chefredakteur
der „Bayer. Staatszeitung“, Ph. Frick.
ist altbewährter Publizist von durchaus konservativen
Grundsätzen, er ist Bayer und Katholik;
sein Nachfolger, Scharre, hat sich stels zur
liberalen Weltanschauung bekannt. er i Norddeutscher
und Protestant. Wie ist ein solcher
Personenw#ch el, der naturgemäß uberall Sicuren
utd Kopsschütteln hervorrufen mutz, überhaupt
möglich? Man steht vor einer Unbegreiflichkeit
für die es eine logische Erklärung
wie aus den diesbezüglicken Preßitimmen zu
ersehen i#. vor einem Ratsel. Die liberale
Presse äußert sich nämlich zu dieser Affäre sehr
#zurückhaltend. Kein liberales Blatt hat bis
her zugunsten der Ernennung des Heirn Scharre
Stellung genommen. Es gibt eben keinen halb
wege politisck geschulten Menschen, der die Ersenzung
eines ausgesprochen koniervativen Marnes
und erklärten Anlängers des Grafen vo
Hertling durch einen Vertreter der liberale#
Nick tung und langjährigen Gegner der Herrlingschen
Politik logisch begrunden kann. Dermuß
Jenem uberlassen werden, der dem Gra.
sen von Hertling diese Suppo eingebrockt hat.
mutman#lich in volliger Unkenntnis der pol.
tischen Vergangenheit des Herrn Scharre und
der journalistischen Verhältnisse überhaupt. Und
der Schuldtrogende wird nicht darüber hinaus
kommen, nach Mitteln und Wegen zu suchen.
wie dieser beispiellose Mißgriff wetigemacht werden
kann.
Erktankung des österreichischen
Ministers des Innern.
Der osterr. Minister des Innern Prinz zu
Hohbenlohe imt ertrankt. Kaiser Franz Joseph
gewährte ihm Urland zur Wiederherslellun:
der Gesundteit und enthob ihn von der Führung
der Amtegeschäste. Fur die Zwischenzeit in
der Staithalter von O berösterreich Frhr. von
Handel, der gegenwart'g schon im Ministerium
des Innern in Verwendung stand, mit der
Leitung des Minisicriums des Innern betrant
worden.
Betschlebene Kachrichten.
Stuttgart. 28. Augus. Des Reutlüinzer
Goldfundes nimmt sich nun auch die Tübinger
Staatsanwaltsckaft an. Im Staatsanzeiger
stand solgendes geschrieben: Am 9. August 1910
wurde in Reutlingen bei Reinigung des Mühll
kanals ein größerer (Geldbetrag, bestehend aus
141 QZwanzigmarkinden in Gold, ein Zehn
markmick in Gold, zusammen also 283½ Mark.
in cinem halbseidenen Tuch eingebunden, von
Kindern gefunden. Die Goldsftücke tragen in
der Hauptfache allere Jahreszahlen, und zwar
vom Jahre 1871 bis 1593. Da der Kanal im
Augun 10915 ebenfalls wie 1916 gereinigt und
abgelassen worden ist. so Ult anzunelmen. laß
das Geld von einem Diebstahl herrührt und
der Taler es in der Absicht, es #päter zu
Dolen. in den Kanal geworfen hat.
Karlsrube, 28. August. Der Großherzog
ron Baden hat den Justizminister ermöchtigt.
ledigen Personen weiblichen Geschlechts die Funrung
der Bezeichnung „Frau“ unter der Vor
aussenung zu gestatten, daß sie mit eine#
Kriegsteilnehmer in der ernstlichen Absicht der
Verheiratung verlobt waren, die Ebeschliehung
nur wegen des Todes oder der Verschollenb 1
des Bräutigams unterblieben ist und der Too
oder die Verschollenheit mit dem Kriege im Zusammenhange
stehen. Die Braut kann nock welter
ermächtigt werden, siatt ihres Familienna
mens des mit ihr verlobt gewesenen verstorb:
nen oder verschollenen Kriegsteilnehmers zu füh.
ren.
Straßburg i. E. 28. August. Der ee
Lauplsiz der oberelsaiiuchen Tertilindustric,
Mülhausen, ist die füngste deutsche Großsicdl.
Im Fruhjahr 1914 ist kie durch die Eing:
meindung des Vororts über die
Schmelle getreten, die herkömmlicherweise durch
die Zahl der hundertlausend Einwohner be-