Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

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Uummer  119

 

N

Zolenheimer  Anzelger

Samstag,  23.  mai  1b4#W

 

heit  benutzen.  Als  wir  1907  infolge  der  Ermordung
  mehrerer  unserer  Landsleute  gezwungen
  waren,  in  Casablanca  Truppen  zu  landen
und  als  die  Revolte  von  1911  uns  nötigte,
General  Monier  nach  Fez  zus  schicken,  wußte  jeder  ·
mann  in  Deutschland,  daß  Frankreich  nur  einer
gebieterischen  Notwenoiakest.  Rechnung  trug.
Das  ermutigte  die  deutsche  Regierung,  Einspruch
zu  erleben,  welcher  ihr  schließlich  den  Kongo
eingetragen  hat.  Wir  wollen  den  gegenwärtigen
Stand  m  keinen  Gebietsver  größerungen  benutz  n.
aber  da  die  Diplomatic  des  Dreibundes  ins

besondere  uns  in  verschiedenen  Punlten  zu  Leibe
lückt,  so  wünschen  wir,  daß  Franlreich  in  jenen
Punlten,  wo  man  seines  guten  Willens  bedarf,
zu  versiehen  gibt,  daß  dieser  gute  Wille  entsprechend
  vergolten  werde.“  Das  „Journal  des  Debals“
  schreibt:  „Wenn  Italien  und  Oesterreich,
die  ein  unabhängiges  Albanien  verlangten,  in
Verlegenbeit  geraten,  so  können  sie  sich  nur  selbst
die  Schuld  zuschreiben.  Als  sie  1912  die  Errichlung
  eines  unabhängigen  Aldaniens  verlamdten,
  schufen  sic  eine  nie  versiegende  QOueile
von  Zuwistigleiten.  Es  ist  nur  gerecht,  wenn
lie  die  Ersten  sind,  die  darunter  zu  leiden  haben.“

Hof-  und  Personalnacheichten.

München.  21.  Mai.  Der  König  is  gestern
nachmittags  5  Uhr  5  Min.  mit  dem  sahrrian.
mässten  Schnellinge  aus  Sarvar  nach  München

  zrückgelehrt.

München,  21.  Mai.  Das  Amtablatt  für
die  Eridiörese  München  und  Freising  veröffentlich!
  das  Schreiben  des  Kardinalsiaatstelretärs
Merrr  del  Val  an  Erzbischof  Dr.  von  Bettin
Ler.  in  dem  er  letztrem  belannt  gibt,  daß  er
wegen  seiner  herrorragenden  Verdiene  um  den
Apostelischen  Stull  in  dem  am  25.  ds.  Mts.
abmhaltenden  Konsisorium  zum  Kardinal  ernanut
  wird.  Auch  wird  der  Erzbischof  auf?
wärmite  in  dieser  hohben  Ausieichnung  beglüfwunscht.


Raiser  Maximilian  von  Merlko.
Wien,  21.  Mai.

Ein  halbes  Jahrhundert  ist  am  25.  Mai  in
das  unerschöpfliche  Meer  der  Zeit  hinabgelaucht,
  seit  Merikos  unglüclicher  Kaiser  zum
ersten  Mal  den  Voden  des  unrubigen  Land:s
betrat.  Durch  die  siegreichen  Kriege  Napol#on
III.,  in  denen  er  Rußland  und  Oesterreich  niederwarf,
  Lalte  sich  Frankreichs  Herrscher  eine
Macht  erworben,  die  ihm  nicht  nur  Europa,  nein,
auch  die  übrigen  Erdieile,  selbst  das  fern:  Mitlelamerila#
  unter  seinen  Einfluß  brachte.  Dor#t
erlilt  aber  das  Ansehen  des  stolzen  Bonaparten
die  ärgste  Ei  anbuße.  Die  Nepublil  Merik?  war
nämlich  ihren  finanziellen  Verpflichtungen  ge-Len
  ihre  enropäischen  Gläubiger  nicht  Rachgetommen.
  England,  Franlre  ich  und  Spanien
wollten  daher  den  saumigen  Zahler  dazu  zwingen,
  und  sollle  es  auch  zu  kriegerischen  Verwidlungen
  lommen.  Navoscon  faße  jedoch  den
sonderbaren  Plan  in  dem  durch  blutige  und  lang
wictine  Parleitämpfe  und  2  Bürgertriege  arg  zerrisĩ.
  em  und  geichwachiem  Lande  ein:  Monarchie
  unter  französische  im  Schutze  zu  errichten.
Engiand  und  Spanien  erllärten  sich  mit  dem
Vorliahen  Frankreichs  nich!  einverstanden  und
gogen  sich  darum  von  dem:  Unternehmen  zurüd.
Dessen#ungeachtet  brachten  die  Fran:  osen  ihren
Plan  zur  Ausführung  und  wußten  einen  Vruver
  des  öntrreichischen  Kaiserr,  Erzherzog  Maji-=milian,
  zur  Annahme  von  Würde  und  Titel
einer  Kaisers  von  Meiileo  zu  überreden.  Nachdem
  er  durch  einen  Familienpalt  vom  9.  April
180“  allen  agnatischen  Nechten  als  Erzherzeg
von  Oesterreich  für  ich  und  seine  Nachtommen
ennagt  hatte,  e#  #g#  er  am  folgenden  Tag:
aus  den  Händen  er  Führer  der  maßgebe:  iden
Parzei  in  Merilo  die  Krone.  Drei  Tage  nackher
  verließ  er  Triest,  um  in  Rom  den  Segen
des  Papstes  einzuholen,  betrat  am  25.  Mai  zum
ersten  Male  merilanischen  Boden  in  der  Haurk-Nadt
  Veracruz  und  log  am  12.  Juni  feierlich
in  die  Hauptitadt  ein.  Allein,  er  bkomite  den
Kampf  gegen  seine  Gegner  nicht  durchführen.
Als  Nopo  leon  durch  die  Drohungen  der  Nard
am##zilanischen  Union  gezwungen  war,  seine  Truppen
  aus  Mciilo  zurüdzuziehen,  brach  über  den
*si*n*-·.C  chen  Habsburger  das  Verhängnis  herein.
  Mar  konnte  sich  nicht  zur  Füehr.  nach
Curopa  entschließen,  und  so  fiel  er  am  15.
Mai  1367  durch  Verrat  zu  Queretaro  in  die
Gewalt  des  republikanischen  Gencrals  Escobedo,
wurde  durch  ein  Kriegsgericht  zum  Tode  veruiteilt
  und  am  19.  Juni  nebst  den  Generalen
Miramon  und  Mesia  in  Queretaro  erschossen.
Seie  Leiche  wurde  durch  den  österreichischen
General  Tegethoff  abgeholt  und  am  18.  Jan.
1863  in  der  Kaisergrufl  zu  Wien  heig  geset  ".
Die  schmähliche  Weise,  wie  Navoleon  dieien
kolin  Habsburger  inmitten  der  biutdürstigen  Rebellen
  Merikos  im  Stiche  ließ,  wor  der  erste
Schritt,  der  den  Herrscher  Frankreichs  von  der.
Höhe  seiner  Macht  und  seines  Ansehens  abwärts
  kührte.  Es  war  ein  tragisches  Ende  für
einen  Fürsten,  der  reichbegabt  und  voll  großer,
wenn  quch  oft  shwescee  Ideen,  ein  bessere
  Leben  verdient  bätte

Sckiale  Rundschan.

München,  19.  Mai.  Die  Jahresberichte  des
bie  kreien  Gewerkschaften  umfallenden  Ge- 



 
 

 

 

Unfer  Bild  zeigt  oben  das  Porträt  Essad
Paschas,  daneben  sein  Palais,  in  welchem  die
Verhaftung  ersolgte,  unten  (links)  den  Typus

 

 

Zum  Verrat  Essad  Paschas.

eines  Bewohners  aus  der  Umgebung  von  Tirana,
  (rechts)  die  Leibgarde  Eisad  Paschas

auf  der  Esirade  leiner  Nesiden- 



werlschaftsvereins  und  des  Ortslartells  der  christlichen
  Gewerlschaften  ltonstatieren  übereinmimmend
  die  latastrophalen  Wirkungen  der  Wirtschaftskrise
  des  Jahres  1913,  durch  die  dielbewerkschast#en
  beider  Richtungen  sohwer  in  Mitl  iden
schaft  gerogen  wurden.  Bei  den  freien  Gewerisar#aften
  sank  die  Gesamtzahl  der  Mitglieder  un
Verichtsjahre  von  69  208  auf  63  594.  somit
um  5614  —  bei  den  christlichen  Gewerkschaften,
bei  denen  474  Mitglieder  zureislen,  aber  10  564
abreiften,  sank  die  Mitglied  erzahl  von  6336  auf
6699.  somit  um  139.  Die  freien  G  ewerlschaften
dählten  im  Dezember  6386  arbeitslof:  Mislieoer,
  darunter  2076,  die  bereits  über  6  Wohen
  außer  Arbeit  waren;  sie  verausgal#ten  fur
Arbei#telosen=  Unterstützung  701  333  Ml.  gegen
276  803  Mk.  im  Jahre  1912.  Die  chriftlichen  Gewerlschaften
  zählien  546  Arbeitslose,  darunter
250,  die  länger  als  6  Wochen  ohne  Arbei:  k
ren;  102  Mitglieder  waren  über  10  Woch#

49  lüber  15  Wochen  und  5  über  20  #den
ohne  Arbeit  und  Verdienn;  sie  ve  ansae  tn
für  Arbeitslosen-Unterstützung  15  553  Maril.
wurden  also  von  den  hiesigen  G  Suiarn
für  diesen  Zweck  allein  716091  Mil.  ausgegeb  *
dazu  lommen  noch  90  000  Mkl.  von  der  Star

gemeinde,  20  O00  Mark  aus  dem  Münchner
Hilsessonds  und  60  300  Mk.  aus  öffentlichen
Sammlungen,  die  bid  zum  1.  April  1913  verausgabt
  wurden.  Es  wurden  also  in  München
allein  887091  Marl  sur  Arbeitslo#en-lutersiützung
  anobezahlt.  Mit  Recht  lheiht  er  im
Jahreebericht  der  chrifstllichen  Gewerischaften:
„Wohl  noch  nie  hat  sich  der  Werl  der  gewall= 



  

schaftlichen  s  Organisation  so  überwälligend
zeigt,  als  während  des  letzten  Jahres  bei
griessen  Arbeilslost  igleit.  Wie  aroßß  were  eci
wohl  die  Not  gewesen  und  wie  viele  Tause
vo#  Mark  häite  die  Sladtgemeine  Hennchen

für  Armenlasten  mehr  aufwenden  müssen,  wärei
nicht  die  Gewerkschaften  mit  ihren  segensrich
wirkenden  Unteri#ügungs  Einrichtungen  gewesen-“
  Außer  den  Summen  für  Arbeilstosn=Unters.
  ützung  verausgabten  die  freien  Gewerlschaften
  für  Kranken-Unlerstützung  43718  Mi.,
dic  „riftlichen  Gewerkschaften  20  044  Ml.
Verlin,  21.  Mai.  Die  Stellungnahme  der
verschiedenen  Angestellten-Organisationen  und
anderer  Verbände  zur  Frage  der  Forlführung
der  Sxziolpolitik  aus  der  jüngsien  Zeit
het  die  r.  zgeber--Orasanisationen  zu  eine
Gegenerllärung  reranlaßt.  Der  Syndilus  der
Bereinigung  deutscher  Arbektgeler  za  Verbände
schreibt  im  „Arbeitgeber“:  „Die  öffentliche
Kundgebung,  die  die  Gesellschaft  für  soziaie
NResform  in  Verlin  als  Protest  gegen  den  *&  IIO
stand“  der  Sozialpolitik  ur  ranstaltete,  hat  in  der
Oessentlichkeit  nicht  den  Widerhall  gefunden,  den
die  Veranstalter  dieser  Demonstration  erwartet
hatten.  Das  ist  verständlich,  wenn  man  die  maßlosen
  Uebertreibungen  beachtet,  die  die  Gcsellschaft
  für  soziale  Reform  anwandte,  um  eine
vollzählige  Versammlung  zu  erhalten.  Die  Worte
  des  Staatssekretärs  Delbrück,  wonach  den
Subjekt  und  Objelt  der  sozialen  Gesetzgebung
eine  Atempause  zu  bewilligen  sei,  legte  die
Gesellschaft  so  aus,  als  ob  unsere  gesamte  joziale
  Fürsorge  zu  Stillstand  lommen,  ja  als
ob  vas  große  Werk  unserer  Sozialpolitik  vernichtet
  weroen  sollte.  Solche,  nur  auo  A#i.##
lionsinteresse  verständliche  Unrichtigleiten  ver- 



 

mögen  mohl  einen  Augenblidserjolg  ꝑet  ciuel

 

an  der  sozialen  Fürsorge  intereisierten  Masse  zu
erzielen,  dem  Feuer  einer  ruhigen  und  sachlichen
  Nachprüfung  halten  sie  nicht  stand
Daxs  ist  leine  Sotalpolitik,  das  it  dĩe  irasfeit
Interesienpolit  l,  und  das  ist  nicht  Wahrheit  und
Wisencchaft,  sondern  wissenschaftiiche  Tendenz.“

Der  Artilel  schließt  mit  dem  Satz,  so  lange  sic
uie  (beiellschaft  für  soziale  Reform  zu  solchem

Tendenzprogramm  belennt,  sei  für  praktische
Arbeit  der  Unternehmer  in  ilren  Reihen  kein
Raum.

Perschiedene  nachrichten.

Hamburg,  21.  Mai.  Der  Steinsetzer  Al.
l  rs,  der  am  8.  September  1913  die  Frau  des
Lanomanns  Eggers  in  Moorfleth  ermordete  und
beiudte,  wurde  gesrern  morgen  im  Hose  des
biesigen  Untersuchungsgefängnisses  hingerichtet.
Paris,  21.  Mai.  Ein  guter  Fang  ist  der
französicchen  Sicherheitsbehörde  gelungen.  Sie
rerhaftete  gesiern  das  Haupt  einer  inlernationoen
  Hochsiapler  und  Fatschmünzerbande,  einen
Denschen  namens  Jollann  Hermann  Kehr,  der
am  3.  Juni  1389  in  Eupen  geboren  ist.  Die
Behörde  wurde  von  der  Siaatsanwaltschaft  in
Berlin  und  dem  deutschen  Botschafter  in  Pari
auf  die  Spur  d  dieses  jungen  Mannes  gebracht.
Seinem  eigenen  (Geständnis  nach  hat  Kehr
in  den  ietzten  fünf  Jahren  über  eine  halbe  Million
  im  Falschspiel  erbeulet.  Dabei  suchte  er  seine
Oyfe#r-  Lesonders  unter  jungen  Leuten  aus  guten
Familien.  Mit  Kehr  zusammen  wurde  eine  Anzall
  Schlen  ver.  haupttächlich  Franzosen,  verhaflet.
  Die  gane  Bande  wird  zunächst  in  Frankreich
  angcurteilt  und  dann  der  deutschen  Justizbellöre
  überwiesen  werden,  „::#  Kehr  sich  weden
  trugs,  Lo#i  baretei  und  Falichspiels  zu
reitaptmertun  haren  wirb.  Vereits  im  Jahre  1512
wurde  Keb#r  von  einem  Paiiser  Gericht  wegen
Falichspiels  u  einer  Gesangnisstrase  verurieit.
Kairo,  31.  Mai.  Die  anglo  ägyptischen  Behörden
  kamen  riesigen  ülschungen  der  nenen
lüriischen  Briefmarken  auf  die  Spur.  Auf  eine
Anzeige  blin  wurde  in  einer  griechischen  Druckerei
eine  Haussuchung  abg##  alien.  Dabei  fand  man
Falsisikate  von  Mar'  n  im  Betrage  von  weit
über  eine  Million.  Der  griechische  Drucker  wurde
verhaftet,  die  Mie  en  beschlagnahmt.

Ein  Sprengkörper-zerssörer.
Rom,  21.  Mai

Nach  langen  Zeit  hört  man  wieder  etwas
von  den  Icheinmie  svollen  M.  Strahlen  des  italienischen
  Ingenieurs  Ulivi.  Bei  einem  Versuch,
in  seinem  Laboratorium  die  ultraroten  Strahlen
  zu  isolieren,  war  Ulivi  auf  eine  merkwürdige
Erscheinung  aufmerksam  geworden:  er  bemerkte,
daß  die  Strahlen  in  einem  etwa  zehn  Meter  entsernten
  Stalle  an  den  Hufeisen  der  dort  stehenden
  Pferde  elektrische  Funken  erzeugten.  Später
kam  er  dann  auf  den  Gedanken,  durch  die
ultraroten  Strahlen  Sprengstofse,  die  in  metallische
  Hüllen  eingebettet  sind,  aus  der  Entfernung
  zur  Entzündung  zu  bringen.  Die  Wirkungsweise
  seines  Apparales  ist  nach  einem  Beria’
  der  „Franf.  313.“  aus  Florenz  fol- 



 

henoc:
Ein  eleltrischer  Scheinwerser  sendet  Strahlen
aus,  um  eine  metallische  28  zu  erkunden.  iIst
tilke  die  Etrahl

#  aul  #uele  gellahen,  e  mul  l.

 

zurück,  und  die  Hilfsinstrumente  an  dem  Unvischen
  Apparat  ermöglichen  es,  genau  die.  Masse,
die  radiomagnetische  Kraft  und  die  Entfernung
der  Metallteile  festzustellen.  Ist  dies  geschehen,
  jo  wird  der  Sprengkörper  von  dem  Eczeufer
  der  ultraroten  Strahlen  aufs  Ziel  genommen.
  Durch  Spulen  und  Kondensatoren  am
Anpparat  kann  die  Wirkung  der  Strahlen  so  verstärl#
  werden,  daß  sie  auch  durch  starke  Metallbülsen
  hindurchgehen  und  daß  die  von  ihr  erzeugten
  Funken  die  Sprengstoffe  im  Innern  der
Hülsen  zur  Entzündung  bringen.

Die  ersten  praltischen  Versuche  wurden  in
Frankreich  und  England  gemacht;  zum  Abschluß
  vor  einer  großen  Oeffentlichkeit  jind  si:
aber  erst  in  diesen  Tagen  in  Florenz  gekommen-.
Der  Erfinder  legte  Wert  darauf,  fesuastellen,
daß  die  Wirlung  auch  trotz  der  Anwendung  von
Schutzmaßregeln  an  den  Sprengkörpern  eintreten
  mußte.  Schon  früher  hatle  er  Bomben  mit
isolicrendem  Glas  und  Ebenholz  umgeben,  ohn:
daß  dadurch  die  Wirkung  der  Strahlen  algeschwächt
  worden  wäre.  Am  letzten  Samzötag
nahm  er  neue  Versuche  vor:  er  umgab  die  Bomben
  mit  noch  wirlsameren  Schuptzmitteln,  schloh
das  Pulver  zunächst  in  eine  Guttaperchahülle  ein,
legte  donn  Lagen  von  Amiant  und  Amiantpapier
  herum  und  dlegte  dae  Ganze  in  eine  schmiedeeiserne
  Hülle.  Die  vier  so  bereiteten  Minen  wurocn
  in  den  Arno  gelegt,  so  daß  sie  zu  wei
Dritteln  unter  der  Wasseroberfläche  lagen  und
nur  mit  einem  Drittel  darüber  schwammen.  llebrigens
  wäre  die  Wirkung,  wie  andere  Mersuche
bewiesen  halen,  dieselbe  geblieben,  auch  wenn
man  die  Bomben  vollständig  untergetaucht  häkt.
Man  ließ  sie  nur  deshalb  schwimmen,  damil  die
Wirkung  beim  Sprengen  besser  beobachtet  werven
  konnite.

Der  Erfinder  brachte  seinen  Apparat  auf  den
Monte  Senario,  siebrehn  Kilomcter  von  Florenz
cinsernt,  während  der  Admiral  Fornari,  der  von
rer  NRegierung  mit  der  Prüfung  betraut  war,
die  Bomben  bei  der  Brücke  San  Niccold  versemte.
  Nach  und  nach  entdedte  Alivi  alle  vier
Minen,  obwohl  sie  von  der  Strömung  abwärts
getrienen  waren,  und  brachte  sie  zur  Entzündung.
Am  Abend  wurden  die  Versuche  noch  einmal  wieberlolt.
  Die  Lichtsignale,  mit  denen  die  Teilnehmer
  an  den  Erperimenten  die  Verständigung
unler  sich  hersiellten,  katten  die  ganze  Stadt  nach
vem  Lugarno  gelockt.  Fenster,  Balione  und
Vrücken  waren  mit  dichten  Menschenmassen  besetzz,
  Roß  und  Reiter,  Antomobile  und  Wagen
lamen  angesogen.  Plöglich  leuchtet  ein  Blitz  aus
dem  Wasser,  ein  siarler  Knall  ertönt,  ein  Feuetregen
  erhebt  sich  auf  einer  Rauchwolke  und  verzischt
  dann  im  Wasser:  die  erite  Mine  ist  zur

Zündung  gebracht!  Und  eine  nach  der  andern
wird  von  dem  siebzehn  Kilometer  entfernten  Apparat
  entdeckt  und  unter  dem  Beifall  der  Menge
in  odie  Luft  gesprengt.

Das  Urleil  über  die  praktische  Verwendung
der  Erfindung  muß  dem  Fachmanne  überlassen
hleiben.  Man  lann  nicht  wissen,  ob  es  nicht  #ooch
Massen  gibt,  die  für  die  M.-Strahlen,  wie  sie
der  Erfinder  genannt  hat.  undurchdringlich  sind,
wenn  auch  bisher  aule  Isolalionemittel  versagt
haben.  Auf  alle  Källe  arer  ist-die  Erfindung#a##h
dem  heutigen  Stande  der  Dinge  höchst  inter-(fant.
  denn  die  Pulverkammern  von  Schiffen
und  Forts,  die  Munitionslästen  der  Geschütz:
und  alle  Lager  von  Sprenglörpern  mit  metallischen
  Hüllen  können  von  dem  Profeltor  euf-Lesanden
  und  durch  den  Strahlenerzeuger  auf
weite  Entsernung  zerstört  werden.

die  öffenklichen  Sparkassen  Bayerns
Ende  1912.

münchen,  19.  Mai.

Nach  den  Zusammenstellungen  des  K.  Statistischen
  Landesamts  beslanden  am  Ende  d:
Jahres  1912  379  öffentliche  Sparlassen  und
zwar  223  gemeindliche  und  155  distriktive.  Ihre
Zahl  ist  gegenüber  soem  Vorjahr  unverändi#et
geblieben.

Der  Einlagensiand  dieser  Sparkassen  betcuq
668,2  Millionen  Mark,  gegenüber  643,3  Mill.
Marl  am  Ende  des  Jahres  1911.  Tie  Zahl

z

 

der  Spxarbücher  ist  von  1  089  148  auf  1113311
gestiegen.  Wenn  auch  in  beiden  Richlungen  das

Jahr  1912  wieder  eine  Zunahme  ausweist,  so
Uleibt  dies  gegenüber  1911  doch  erheblich  zurück.
  Es  betrug  nämlich  die  Zunahme  des  Einlagenstandes
  1912  24,9,  1911  30,0  der  Sparbücher;
  24  163  bezw.  38  855.

Schon  die  bedeutende  Abnahme  der  Spardücher
  läßt  vermuten,  daß  der  geringere  Stand
an  Eima  den  zu  einem  guten  Teil  durch  die  vermehrten
  Rückzahlungen  veranlaßt  ist.  Diese  betrugen
  im  Jahre  1911  128,8  Millionen  Mark,
1912  dagegen  144,2  Mill.  Mark,  also  um  15,6
M.II.  Mark  mehr.  Die  Neueinlagen  dagegen
(ohne  die  gutgeschriebenen  Zinsen)  haben  nur
um  8  Millionen  Mark  zugenommen,  nämlich
von“  v143  Millionen  Mark  auf  151,4  Mill.

2  Zahl  der  Sparkassen  mit  größeren  Rüj#-zahlungen
  als  Einlagen  ist  von  58  im  Jahre
1811  auf  96  im  Berichtsjahre  gestiegen.

Mit  Ausnahme  von  Oberbayern  und  Pfalz
war  die  Zunahme  der  Einlagen  in  alten  Rcie-=rungebezirken
  geringer  als  1911  an  der
nicoeten  Zunahme  der  Sparbücher  sen,  Pfalz
und  Unterstaalen  ausgenommen,  fast  alle  Regierungebezirle
  beteiligt.  Die  Hauptursache  der
—  ————.