Metadata : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

106.  1611  253

der  Brücke  eine  Kompagnie,  auf  dem  Markt  und  sonst  drei  Kom-  März  17.
pagnien,  eine  Kompagnie  versah  den  Rondendienst;  die  Bürger  bie  30.
bewachten  die  Rathäuser  und  einige  Tore.

Unterwegs  sprach  der  König  zweimal  mit  mir:  1.  von  der
Belagerung  Jülichs,  von  dem  Volk,  das  damals  davor  lag,  wer  dort
kommandierte,  welches  Volk  jetzt  dort  sei,  obdie  Fürsten  zu  Düsseldorf
bei  einander  wohnten,  ob  sie  sich  vertrügen,  ob  Sachsen  mitregieren
wolle?  2.  wie  mir  sein  Kriegsvolk  gefalle  und  ob  das  niederländische
  Volk  besser  sei?  —  Ich  erzählte  ihm  lange  von  der  Ordnung,
Bewaffnung  und  Stärke  der  Kompagnien  und  Schlachtordnungen,
worauf  der  König  nur  antwortete:  „die  continuation  thut  viel  darzu,
in  Ungern  will  es  gleichwol  so  nit  angehen“.  Ich  antwortete:
man  habe  es  nie  versucht,”  es  kennten  auch  die  Offiziere  die
Ordnungen  nicht  ‚und  kämen  nicht  gern  zu  kleinen  Kompagnien
und  guten  Waffen.

Khlesl  ist  eigens  auf  mich  zugekommen,  hat  sehr  gerühmt,
wie  wol  der  König  mit  meinem  Anbringen  zufrieden  gewesen  sei  und
wie  er,  der  König,  an  mir  Wolgefallen  und  mich  gern  in  seiner
Bestallung  hätte.  Iann  klagte  er,  dass  er  bei  den  evangelischen
Fürsten  in  so  schlechtem  Kredit  sei,  ohne  dass  er  den  Grund  wisse;
er  bekenne,  dass  er  gern  auf  seine  Religion  sehe  und  vordem  den
König  selbst  mit  Androhung  der  Exkommunikation  gehindert  habe,  den
Evangelischen  die  Religionsüäbung  zu  gestatten.  Da  er  aber  nun  sehe,
dass  nicht  der  König  sondern  dessen  Vorfahren  die  Religionsprivilegien
gegeben  hätten,  dass  der  König  sonst  nicht  ruhig  regieren  könne,
dass  auch  die  vielen  bisherigen  Kriege  keinen  Nutzen  geschaffen,
dass  der  König  in  seinen  Landen  so  wenig  gesichert  sei,
dass  der  Kaiser  selbst  dies  Werk  angesponnen  habe,  um  wieder  zu
den  Landen  zu  kommen  und  sich  dann  an  dem  König  rächen  zu
können,  dass  er,  Khlesl,  selbst  beim  Kaiser  in  grossen  Ungnaden
stehe,  „welcher  als  ein  tiran  sonder  treu,  glauben,  religion  oder
consciens  sein  konig  und  auch  ihn  umb  das  leben  bringen  zu  lassen
sich  understanden,  mit  erzchlung  mehrer  schandlichen  facten‘‘,  so  habe  all
das  ihn  veranlasst,  dem  König  zur  Bestätigung  der  Religionsprivilegien  zu
raten.  Seitdem  dies  geschehen  sei,  habe  er  niemals  zu  anderem  raten
wollen,  trotz  des  Begehrens  Kurkölns  und  des  Erzherzogs  Ferdinand,
vielmehr  sei  er  stets  dafür  gewesen,  mit  den  Evangelischen  friedlich  zu
leben;  die  Zusagen  an  sie  wolle  er  halten,  so  lange  er  lebe,  nicht  aus
Liebe  zur  evangelischen  Religion  sondern  weil  er  einsehe,  dass  ein
Teil  dem  andern  gewachsen  sei,  dass  es  nicht  anders  sein  könne
und  dass  sein  Herr  sonst  nicht  nur  um  Land  und  Leute  sondern
auch  um  seine  weiteren  Hoffnungen  komme  und  das  Haus  Oesterreich
ganz  ruiniert  werde.  Ich  antwortete:  „dass,  wenn  er  den  halben
theil  solches  meinte,  effectuirte  und  nachkommen  würde,  dass  ich
bekennte,  dass  wir  kein  nutzlicher  person  in  dem  reich  hetten  als
ihn,  aus  ursachen,  dass  er  in  grossem  credit  bei  I.  M.‘,  auch  den