80 Die Tonmalerei.
Ich stand am Steuerruder und fuhr redlich hin,
Doch an dem Ufer merkt' ich scharf umher
Wo sich ein Vorteil aufthät' zum Entspringen.
Und wie ich eines Felsenriffs gewahre,
Das abgeplattet vorspringt in den See,
Schrie ich den Knechten handlich zuzugehen,
Bis daß wir an die Felsenplatte kämen.
Dort, rief ich, sei das Argste überstanden.
Und als wir sie frisch rudernd bald erreicht,
Fleh' ich die Gnade Gottes an und drücke
Mit allen Leibeskräften angestemmt
Den hintern Gransen an die Felsenwand —
Jetzt — schnell — mein Schießzeug fassend — schwing ich selbst
Hochschwingend auf die Felswand mich hinauf,
Und mit gewalt'gem Fußstoß hinter mich
Schleudr' ich das Schifflein in den Schlund der Wasser! —
Dort mag's — wie Gott will — auf den Wellen treiben.
Das folgende Beispiel fängt mit dumpfem, unterdrücktem
Tone an, der Ton wird heller und heller, doch nicht über a
hinaus, die Tonstärke wächst stark, das Zeitmaß aber nicht, es
wird im Gegenteile schwerer. Die zwei vorletzten Verse mit
Emphase — die beiden letzten mit kräftigem Entschlusse auf der
Höhe der Steigerung sich haltend.
Als ich den Bogenstrang anzog,
Als mir die Hand erzitterte,
Als du mit grausam teufelischer Lust
Mich zwangst aufs Haupt des Kindes anzulegen,
Als ich ohnmächtig flehend rang vor dir,
Damals gelobt' ich mir in meinem Innern
Mit furchtbar'm Eidschwur, den nur Gott gehört,
Daß meines nächsten Schusses erstes Ziel
Dein Herz sein sollte. Was ich mir gelobt
In jenes Augenblickes Höllenqualen
Ist eine heil'ge Schuld — ich will sie zahlen.
Im folgenden Beispiele fängt einfacher Bericht an, die
Steigerung beginnt bei den Worten „ergreift die Knaben“ —
mit immer langsamerem Zeitmaß — ohne wachsende Tonstärke,
mit Emphase. Nachher beginnt die Erzählung wieder bei den
Worten: „Und da Thyest an seinem Fleische“. Das Zeitmaß
wird von hier an rascher, die Tonstärke wächst etwas, aber nicht
viel, bis zu den Worten „wirft Atreus grinsend“; diese Worte