Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

80  Die  Tonmalerei.

Ich  stand  am  Steuerruder  und  fuhr  redlich  hin,

Doch  an  dem  Ufer  merkt'  ich  scharf  umher

Wo  sich  ein  Vorteil  aufthät'  zum  Entspringen.

Und  wie  ich  eines  Felsenriffs  gewahre,

Das  abgeplattet  vorspringt  in  den  See,

Schrie  ich  den  Knechten  handlich  zuzugehen,

Bis  daß  wir  an  die  Felsenplatte  kämen.

Dort,  rief  ich,  sei  das  Argste  überstanden.

Und  als  wir  sie  frisch  rudernd  bald  erreicht,

Fleh'  ich  die  Gnade  Gottes  an  und  drücke

Mit  allen  Leibeskräften  angestemmt

Den  hintern  Gransen  an  die  Felsenwand  —

Jetzt  —  schnell  —  mein  Schießzeug  fassend  —  schwing  ich  selbst
Hochschwingend  auf  die  Felswand  mich  hinauf,

Und  mit  gewalt'gem  Fußstoß  hinter  mich

Schleudr'  ich  das  Schifflein  in  den  Schlund  der  Wasser!  —
Dort  mag's  —  wie  Gott  will  —  auf  den  Wellen  treiben.

Das  folgende  Beispiel  fängt  mit  dumpfem,  unterdrücktem
Tone  an,  der  Ton  wird  heller  und  heller,  doch  nicht  über  a
hinaus,  die  Tonstärke  wächst  stark,  das  Zeitmaß  aber  nicht,  es
wird  im  Gegenteile  schwerer.  Die  zwei  vorletzten  Verse  mit
Emphase  —  die  beiden  letzten  mit  kräftigem  Entschlusse  auf  der
Höhe  der  Steigerung  sich  haltend.

Als  ich  den  Bogenstrang  anzog,

Als  mir  die  Hand  erzitterte,

Als  du  mit  grausam  teufelischer  Lust

Mich  zwangst  aufs  Haupt  des  Kindes  anzulegen,
Als  ich  ohnmächtig  flehend  rang  vor  dir,
Damals  gelobt'  ich  mir  in  meinem  Innern

Mit  furchtbar'm  Eidschwur,  den  nur  Gott  gehört,
Daß  meines  nächsten  Schusses  erstes  Ziel

Dein  Herz  sein  sollte.  Was  ich  mir  gelobt

In  jenes  Augenblickes  Höllenqualen

Ist  eine  heil'ge  Schuld  —  ich  will  sie  zahlen.

Im  folgenden  Beispiele  fängt  einfacher  Bericht  an,  die
Steigerung  beginnt  bei  den  Worten  „ergreift  die  Knaben“  —
mit  immer  langsamerem  Zeitmaß  —  ohne  wachsende  Tonstärke,
mit  Emphase.  Nachher  beginnt  die  Erzählung  wieder  bei  den
Worten:  „Und  da  Thyest  an  seinem  Fleische“.  Das  Zeitmaß
wird  von  hier  an  rascher,  die  Tonstärke  wächst  etwas,  aber  nicht
viel,  bis  zu  den  Worten  „wirft  Atreus  grinsend“;  diese  Worte