— 20 —
den Fenstern herab auf die Spieße der herandringenden bewaffneten Schaaren.
Aehnliches geschah in Breslau. Wenzel, in äußerster Wuth, schwor Rache, rief
seinen Bruder zum Beistand an, und verzieh nichtsdestoweniger einige Tage
darauf den Pragern, als sie um Schonung baten. Er überlebte jedoch den
gewaltthätigen Vorfall nicht lange, sondern starb wenige Tage darauf an einem
Schlaganfall, zur Vermehrung des Unheils; denn nun fiel die Krone an Siegmund,
den die hussitische Partei als Mörder ihres geliebten Lehrers nicht minder
haßte, als die Väter des Costnitzer Concils selbst. Diese gehässige Stimmung
wurde durch Siegmunds unzeitige Strenge, indem er geradezu erklärte, daß er
die Hussiten auszurotten entschlossen sei, bis zum heftigsten Fanatismus gesteigert;
sogar die gemäßigten Katholiken, aus Furcht vor grausamer Vergeltung von
Seiten der Gegner, schlossen sich ihren Forderungen in Betreff freierer Religionsübung
an. Siegmund wurde zwar in Prag gekrönt, doch kaum hatte er seine
Hauptstadt verlassen, so brach jener verheerende Kampf mit unerhörter Wuth
aus, welcher ihm erst am Abend seines Lebens die Rückkehr in sein Erbkönigreich
gestattete.
Kurfürst Friedrich wurde auf das Unangenehmste durch den Hussitenkrieg
berührt. Seiner persönlichen Stellung zu Siegmund, so wie seiner Pflichten
gegen das Reichsoberhaupt gemäß leistete er die verlangte Kriegshülfe und brach
von der Oberpfalz her, von einigen andern Reichsständen, obschon, wie es
scheint, nur schwach unterstützt, in die westlichen böhmischen Kreise ein. Der
König selbst entwickelte nur geringe Thätigkeit. Friedrich I. befand sich in einer
um so unangenehmeren Lage, da König Wladislaw von Polen seinen slavischen
Stammesgenossen Hülfe gegen ihren Landesherrn angedeihen ließ, und wenn er
auch nicht persönlich nach der Krone strebte, doch für einen Vetter, den Prinzen
Siegmund Coribut, seinen Einfluß geltend machte. Da Friedrich I. in engere
Verbindung mit Wladislaw getreten war (wir sehen um diese Zeit seinen jüngeren
Prinzen Friedrich an dem Hoflager des Königs in Cracau): so wurde
seine Stellung zu den beiden Herrschern recht mißlich, und es ist zu begreifen,
weshalb König Siegmund bei seinem leicht nach den verschiedensten Seiten hin
beweglichen Sinne das ehemals so festbegründete Vertrauen auf ihn verlor.
Jedoch kann Siegmund's Vertrauen nur erschüttert, nicht gebrochen gewesen sein,
denn schon im Jahre 1422 ernannte er Friedrich I. zum Befehlshaber der Reichstruppen
in Böhmen. Allein wie es mit den meisten Reichsunternehmen in jener
wie in späterer Zeit ging, so auch bei dieser Gelegenheit. Die Contingente der
betheiligten Reichsstände wurden unvollständig und ungenügend ausgerüstet, die
angesetzten Zeiten nicht eingehalten, kurz der Oberfeldherr fand sich außer Stande,
mit diesen Mitteln irgend etwas Erhebliches auszuführen. Außerdem wurde
Friedrich durch die immer noch fortdauernde Fehde mit dem Herzog von Baiern=Ingolstadt
in Bezug auf seine eigenen Angelegenheiten beunruhigt. Ein Versuch
Siegmund's, durch Annäherung an den gefürchteten Ziska seine königliche Autorität
in Böhmen zu erlangen, scheiterte durch den Tod dieses fanatischen.