Contents : Militär-Eisenbahn-Ordnung. II. Theil. (2)

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den  Fenstern  herab  auf  die  Spieße  der  herandringenden  bewaffneten  Schaaren.
Aehnliches  geschah  in  Breslau.  Wenzel,  in  äußerster  Wuth,  schwor  Rache,  rief
seinen  Bruder  zum  Beistand  an,  und  verzieh  nichtsdestoweniger  einige  Tage
darauf  den  Pragern,  als  sie  um  Schonung  baten.  Er  überlebte  jedoch  den
gewaltthätigen  Vorfall  nicht  lange,  sondern  starb  wenige  Tage  darauf  an  einem
Schlaganfall,  zur  Vermehrung  des  Unheils;  denn  nun  fiel  die  Krone  an  Siegmund,
  den  die  hussitische  Partei  als  Mörder  ihres  geliebten  Lehrers  nicht  minder
haßte,  als  die  Väter  des  Costnitzer  Concils  selbst.  Diese  gehässige  Stimmung
wurde  durch  Siegmunds  unzeitige  Strenge,  indem  er  geradezu  erklärte,  daß  er
die  Hussiten  auszurotten  entschlossen  sei,  bis  zum  heftigsten  Fanatismus  gesteigert;
sogar  die  gemäßigten  Katholiken,  aus  Furcht  vor  grausamer  Vergeltung  von
Seiten  der  Gegner,  schlossen  sich  ihren  Forderungen  in  Betreff  freierer  Religionsübung
  an.  Siegmund  wurde  zwar  in  Prag  gekrönt,  doch  kaum  hatte  er  seine
Hauptstadt  verlassen,  so  brach  jener  verheerende  Kampf  mit  unerhörter  Wuth
aus,  welcher  ihm  erst  am  Abend  seines  Lebens  die  Rückkehr  in  sein  Erbkönigreich
  gestattete.

Kurfürst  Friedrich  wurde  auf  das  Unangenehmste  durch  den  Hussitenkrieg
berührt.  Seiner  persönlichen  Stellung  zu  Siegmund,  so  wie  seiner  Pflichten
gegen  das  Reichsoberhaupt  gemäß  leistete  er  die  verlangte  Kriegshülfe  und  brach
von  der  Oberpfalz  her,  von  einigen  andern  Reichsständen,  obschon,  wie  es
scheint,  nur  schwach  unterstützt,  in  die  westlichen  böhmischen  Kreise  ein.  Der
König  selbst  entwickelte  nur  geringe  Thätigkeit.  Friedrich  I.  befand  sich  in  einer
um  so  unangenehmeren  Lage,  da  König  Wladislaw  von  Polen  seinen  slavischen
Stammesgenossen  Hülfe  gegen  ihren  Landesherrn  angedeihen  ließ,  und  wenn  er
auch  nicht  persönlich  nach  der  Krone  strebte,  doch  für  einen  Vetter,  den  Prinzen
Siegmund  Coribut,  seinen  Einfluß  geltend  machte.  Da  Friedrich  I.  in  engere
Verbindung  mit  Wladislaw  getreten  war  (wir  sehen  um  diese  Zeit  seinen  jüngeren
  Prinzen  Friedrich  an  dem  Hoflager  des  Königs  in  Cracau):  so  wurde
seine  Stellung  zu  den  beiden  Herrschern  recht  mißlich,  und  es  ist  zu  begreifen,
weshalb  König  Siegmund  bei  seinem  leicht  nach  den  verschiedensten  Seiten  hin
beweglichen  Sinne  das  ehemals  so  festbegründete  Vertrauen  auf  ihn  verlor.
Jedoch  kann  Siegmund's  Vertrauen  nur  erschüttert,  nicht  gebrochen  gewesen  sein,
denn  schon  im  Jahre  1422  ernannte  er  Friedrich  I.  zum  Befehlshaber  der  Reichstruppen
  in  Böhmen.  Allein  wie  es  mit  den  meisten  Reichsunternehmen  in  jener
wie  in  späterer  Zeit  ging,  so  auch  bei  dieser  Gelegenheit.  Die  Contingente  der
betheiligten  Reichsstände  wurden  unvollständig  und  ungenügend  ausgerüstet,  die
angesetzten  Zeiten  nicht  eingehalten,  kurz  der  Oberfeldherr  fand  sich  außer  Stande,
mit  diesen  Mitteln  irgend  etwas  Erhebliches  auszuführen.  Außerdem  wurde
Friedrich  durch  die  immer  noch  fortdauernde  Fehde  mit  dem  Herzog  von  Baiern=Ingolstadt
  in  Bezug  auf  seine  eigenen  Angelegenheiten  beunruhigt.  Ein  Versuch
Siegmund's,  durch  Annäherung  an  den  gefürchteten  Ziska  seine  königliche  Autorität
  in  Böhmen  zu  erlangen,  scheiterte  durch  den  Tod  dieses  fanatischen.