91
Stimmen gehört hätten, wenn ihnen nicht grade damals das
Aufkommen eines mächtigen Slavenreichs bange gemacht hätte.
Dieses Reich unter dem ehrgeizigen und ländergierigen Könige
Ottokar bestand bereits aus Böhmen, Mähren, der Lausitz und
Oesterreich. Der schlaue Slave hatte sich mit Polen und Ungarn
verbündet und die Zerrüttung des deutschen Reichs zur Erweiterung
seiner Macht benutzt. Als der letzte Herzog Oesterreichs
aus dem deutschen Geschlecht der Babenberger kinderlos gestorben
war, ließ Ottokar dessen alte Schwester Margarethe aus dem
Kloster holen und heirathete sie, um ein Erbrecht an Oesterreich
zu gewinnen. Nur die Bayern wehrten ihm. Nun aber halfen
ihm die Ungarn, denen er Steiermark abtrat. Einen Theil des
deutschen Adels in Oesterreich hatte Ottokar bereits heimtückisch
gefangen nehmen lassen und seiner Güter beraubt. Den deutschen
Adel in Steiermark drangsalirten die Ungarn mit Gefängniß
und Hinrichtungen. Deutschland hätte diese schönen Provinzen
im Osten wahrscheinlich für immer verloren und die
deutschen Fürsten, deren Länder zunächst an Böhmen grenzten,
waren kaum weniger gefährdet als Oesterreich. Also lag es
ihnen nahe, wieder einmal zusammenzuhalten und ihrer Einheit
auch wieder durch eine Kaiserwahl Ausdruck zu geben. Rudolf
von Habsburg hatte sich in Privatfehden mit seinen Nachbarn
als guter Haudegen bewährt. Wenn er an der Spitze eines
deutschen Heeres des Böhmen Meister wurde, sollte ihn der erbliche
Besitz von Oesterreich belohnen. Man unterhandelte mit
ihm und da er bereits die Einwilligung des Papstes und Frankreichs
hatte und er nun auch den deutschen Fürsten bereitwillig
gelobte, ihrer Oligarchie niemals mit kaiserlichen Einsprüchen beschwerlich
zu fallen, ihnen alle Rechte und Besitzungen, die sie
sich in der kaiserlosen Zeit angemaßt hatten, zu garantiren, so
nahmen sie keinen Anstand mehr, ihn zum Kaiser zu wählen.
Er ordnete sich ihnen nicht über, sondern gesellte sich ihnen als