Full text : Bundes-Gesetzblatt des Norddeutschen Bundes. 1867. (1)

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der  Chaussee  das  Bataillon  und  rückten  in  den  noch  vor  kurzem
so  hartnäckig  verteidigten  Wald  ein.

Das  Feuer  schwieg  jetzt  gänzlich,  es  war  eine  Totenstille,
die  unheimlich  gegen  das  frühere  Geknalle  und  Geknatter  abstach.
  Seitenpatrouillen  durchsuchten  rechts  und  links  der
Chaussee  den  Wald,  jeden  Augenblick  dachten  wir  auf  eine
verschanzte  Position  zu  stoßen  und  erwarteten  das  Knallen  der
Gewehre.  Alles  blieb  jedoch  ruhig,  kein  Franzose  zeigte  sich
außer  einigen  Versprengten,  die  unsere  Patrouillen  gefangen
einbrachten.

Es  sah  grausig  aus  im  Walde  und  besonders  an  seinem
Saume!  Kein  Baum,  kein  Strauch,  der  nicht  von  Kugeln
zerfetzt  war,  dazwischen  leuchteten  auf  dem  schneeigen  Boden
und  unter  den  dunklen  Fichten  die  Uniformen  der  Gefallenen,
die  haufenweise  herumlagen,  leider  viele  die  roten  Achselklappen
der  Brandenburger  und  die  Nr.  12  tragend.  Ein  kleiner
Fähnrich,  fast  ein  Kind  noch,  lag  hart  an  der  Chaussee.  Sein
hübsches  Kindergesicht  entstellte  kein  Zug  des  Schmerzes  oder
des  Todeskampfes,  das  Kugelloch  auf  dem  Herzen  zeigte,  daß
er  wenigstens  einen  schnellen  Tot  gefunden.  Ich  konnte  ihn
nicht  ohne  Rührung  ansehen,  mit  welchen  Hoffnungen  mochte
er  in  den  Kampf  gezogen  sein,  und  wie  mögen  seine  Eltern  sein
junges  Leben  betrauert  haben!

So  ging  es  weiter  durch  den  schweigenden  Wald.  Als
wir  eine  Höhe  gewonnen,  die  eine  freie  Aussicht  gewährte,
sahen  wir  in  der  Ferne  dichte  Kolonnen  abmarschieren.  Während
wir  noch  darüber  debattierten,  was  das  wohl  zu  bedeuten  habe,
sprengte  ein  Adjutant  an  uns  vorüber  und  gleich  darauf  rasselte
die  uns  folgende  Batterie  von  der  Chaussee  rechts  herunter,
nahm  dicht  dabei  Aufstellung  und  eröffnete  ihr  Granatfeuer  auf
die  vorerwähnten  schwarzen  Massen.  Eine  Ulanenpatronille
erschien  mit  der  Meldung,  Pontlieue  sei  geräumt  und  der  Feind
im  vollen  Abzuge;  keiner  wollte  die  übertrieben  gute  Nachricht
glauben,  wie  war  es  möglich,  daß  die  Franzosen  uns  diese,  so
überaus  wichtige  Stellung,  die  mit  ihren  die  Chaussee  an  beiden
Seiten  hoch  überragenden  steilen  Bergen  fast  uneinnehmbar
schien,  so  ohne  jeden  Kampf  überlassen  sollten!  Und  doch  war
es  in  der  That  so.  Von  der  Batterie  her  kam  unser  gefeierter