Dänische Kirchensprache. 377
Voraussetzung zu erklären, daß bereits vorher in manchen dieser Gemeinden
die niederdeutschen Gesänge, wie Walthher sie mitteilt, gesungen
waren. Wir wissen dies von Apenrade, wo 1741 der deutsche
Gesang bei dänischer Predigt als herkömmlich bezeichnet wird; von
Lügumkloster, wo 1739 nur an jedem dritten Sonntag deutsch gepredigt
ward, aber in dem dänischen Gottesdienst seit alters nur deutsche
Gesänge ertönten; von Hoyer, wo bis 1739 nur deutscher Gesang
herrschte; von Tondern, wo die dänische Frühpredigt nur deutschen Gesang
kannte, und ebenso war der deutsche Gesang bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts
in vielen Landkirchen des Amtes Tondern allein herrschend.
Die völlige Durchführung der dänischen Kanzelsprache d. h. der
alleinige Gebrauch der dänischen Literatursprache in den jütischredenden
Gemeinden Nordschleswigs scheint auch hier auf mancherlei
Schwierigkeiten gestoßen zu sein; es scheint, als wenn sie, ebenso wie
das Hochdeutsche mit dem Niederdeutschen, auch mit der Volksmundart
zu kämpfen gehabt hat; wenigstens hören wir mehrfach, daß die Prediger,
in gleicher Weise wie die hochdeutschen Prediger oft mit niederdeutschen
Sätzen ihre Rede unterbrachen, auch die Volksmundart auf
die Kanzel gebracht haben. Falck erzählt noch von einem Prediger
aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts, wahrscheinlich aus der Tondernschen
Propstei, er habe sich ab und zu bei einzelnen Sätzen, die
er seinen Zuhörern besonders einprägen und recht eindringlich machen
wollte, der Volksmundart bedient; dies habe aber allemal das Mißfallen
der Gemeinde erregt, sei gewissermaßen als eine Entweihung
der Kanzel angesehen und nicht nur als eine große Sonderbarkeit in
den benachbarten Gemeinden viel besprochen, sondern hätte auch leicht
zu ernstlichem Widerspruch führen können, wenn der Prediger nicht
große Liebe und Achtung bei seiner Gemeinde besessen hätte. Auch
hier tritt uns dieselbe Erscheinung entgegen, lvie sie noch in meiner
Jugend in einigen plattdeutschen Gemeinden Ostholsteins in ähnlicher
Weise sich bemerkbar machte. Das Volk hatte die frühere niederdentsche
Predigt vollständig vergessen und sich allmählich so an die neue Form,
in der ihm alles Heilige, die ganze Religion dargebracht ward, gegewöhnt,
daß es den Gebrauch der Volksmundart auf der Kanzel als
einen Frevel betrachtete und nicht mehr zulassen wollte; auch sah es
darin außerdem eine gewisse Geringschätzung, als wenn es die Sprache