Full text : Gesetz- und Verordnungsblatt für das Königreich Sachsen vom Jahre 1863. (29)

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schaftskörper  aus  den  Droduktivkräften  Deutschlands  zu  formen.  In  diesem
Fall  würde  noch  heute  das  Bürgertum  republikanisch  denken,  denn
Republikanismus  ist  in  Ländern  mit  monarchischer  Gewöhnung  die  Derzweiflung
  an  der  Leistungskraft  der  Mlonarchie,  gerade  wie  erneuter
Tapoleonismus  in  Frankreich  Derzweiflung  an  der  Republik  ist.  Solange
aber  der  deutsche  Imperator  sich  als  gegebenen  Führer  zur  weiteren  Entwickelung
  darstellt,  hat  er  eine  Macht,  die  unerschütterlich  ist,  denn  niemand
garantiert  so  gut  wie  er  die  Derteidigung  des  deutschen  Lebens  nach  außen.

Deutschland  muß  eine  starke  auswärtige  Holitik  führen,
weil  es  eine  neue  Großmacht  ist.  Wir  hören  öfter  aus  wohlgesinntem
nationalen  Munde  die  Weltlage  Deutschlands  so  darstellen,  als  seien  wir
allein  die  friedlichen  Lämmer,  alle  anderen  Nationen  aber  seien  reißende
Wölfe  mit  fletschenden  Sähnen  und  blutgierigen  Augen.  Eine  solche  Darstellung
  ist  einfach  dumm.  Man  braucht  nur  einmal  längere  Seit  Deutschland
  durch  die  Brille  ausländischer  Blätter  zu  betrachten,  um  zu  wissen,
daß  wir  draußen  keineswegs  als  schneeweißes  Weltgeschichtsschäfchen
gelten.  Die  Wahrheit  ist  doch  vielmehr  folgende:  durch  die  preußischdeutschen
  Siege  von  1866  und  1870  ist  eine  völlige  Derschiebung  im
„Gleichgewicht“  von  Europa  eingetreten,  unser  neues  Kaisertum  hat  das
habsburgische  Kaisertum  in  den  Schatten  gestellt  und  das  napolecnische
Kaisertum  gestürzt,  Berlin  hat  sich  zur  Dauptstadt  des  westlichen  Kontinents
  gemacht,  das  früher  gespaltene,  gedrückte,  verlachte  Deutschtum  ist
zur  maßgebenden  Hotenz  zwischen  Rußland  und  England  geworden,  aus
Machtlosigkeit  wurde  Alacht,  und  neue  Macht  ist  für  andere  stets  drückend.
Wir  Deutschen  sind  die  neuesten  Revolutionäre  in  der  europäischen  Familie,
die  Teute,  die  den  Schlaf  des  Erdteils  zum  letztenmal  in  entscheidender
Weise  gestört  haben.  Daß  unser  Dolk  das  tat,  war  sein  gutes  Recht  vor
Gott  und  Menschen,  es  wollte  nach  langen  Jahrhunderten  des  Elends
auch  einmal  den  Hlatz  an  der  Sonne  haben.  Wir  sind  froh  und  glücklich,
daß  es  gelungen  ist,  die  Reichseinheit  und  Macht  zu  gründen,  aber  wir
halten  es  für  einfältige  Sentimentalität,  wenn  wir  nun  nach  dem  allen
tun  wollten,  als  hätten  wir  kein  Wässerchen  getrübt.  Weil  wir  Nation
sein  wollten,  müssen  wir  auch  offen  und  gern  die  Folgen  tragen,  die  sich

aus  der  Erfüllung  dieses  Wollens  ergeben.  Wir  müssen  mit  dem  Wiß-12