82 I. Von der Restauration zur Revolution.
Man spricht von den materiellen Interessen. Der Süddeutsche
kann die Verbindung mit österreich nicht entbehren,
und zwar seiner materiellen Interessen wegen, er bedarf
der Kusfuhr dahin. Nun, meine herren, ich habe nicht
gehört, daß dem Süddeutschen diese Kusfuhr bisher möglich
gewesen wäre; ich habe ebensowenig gehört, daß das
Möglichmachen abgeschnitten werden soll. Kber, meine
herren, diese materiellen Interessen, — so schwer ihr Gewicht
wiegt, sie werden häufig als Dorwand benutzt. Wenn ich
z. B. von der Industrie Bayerns höre, welche namentlich in
den hauptstädten Augsburg und Uürnberg ihren Sitz hat,
so möchte ich sehr zweifeln, ob die Kntipathien gegen den
Bundesstaat und das einheitliche Oberhaupt gerade in
diesen Itädten zu finden sind. Und wenn die Kntipathien
in Altbayern, in Südbayern zu finden sein sollten, so
weiß ich nicht, welche Industrie dort herrscht, die einer
Ausfuhr bedürfte?
Meine herren! Die religiösen Antipathien! Es ist uns
heute von dieser Tribüne gesagt worden: „(licht die Gebildeten,
sondern das Dolk, die große Masse des Dolkes
habe diese religiöse Antipathie. " ichts hat mich mehr gewundert
als diese Behauptung. Ich achte den religiösen
Sinn in jedem Dolke, ich bin aber so durchdrungen davon,
daß die große Masse des Dolkes in Deutschland, dessen
vorzügliche Tugend in Uoleranz besteht, von keinerlei
religiösen Kntipathien beseelt ist, und daß, wenn solche Antipathien
aufgestachelt werden, es gewiß mehr das Droduht
der Uätigkeit Gebildeter ist, die sich damit abgeben und
abmühen, als daß es der Sinn des Volkes wäre. Denn
wenn es diesen Sinn hätte, so wäre ja jede Einheit in
Deutschland unmöglich. —
Meine Herren! Ich komme auf Preußen. Es wird
so häufig behauptet, es sei „dieses Dreußentum“, welches
Antipathien in Süddeutschland errege. Wenn man aber
nun fragt: welches PDreußentum denn? so wird man mit