Full text : Der Preußische Ordens-Herold.

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VBer  Rothe  Adler  ·  Orden.

Die  Mitglieder  des  Ordens,  deren  Anzahl  mit  Anueschluß  der  fürstlichen  Personen
auf  30  beschränkt  wurde,  mußten  das  25.  Lebensjahr  zurückgelegt  haben,  von  untadelhafter
Conduite  sein  und  bei  ihrer  Aufnahme  sich  verpflichten,  einen  tugendhaften  Lebenswandel
zu  führen,  armen  nothleidenden,  redlichen  und  aufrichtigen  Leuten  beizustehen,  die  Ehre  des
Markgräflichen  Hauses  und  des  Ordens  zu  wahren  und  gegen  Jedermann  Aufrichtigkeit,
Treuc  und  Redlichkeit  zu  üben.  Auch  war  jeder  Ordensritter  gehalten,  vor  seiner  Investitur
ein  Geschenk  von  20  Dukaten  und  außerdem  jährlich  einen  beliebigen  Beitrag  zur  Unterhaltung
  der  Kirchen  und  Armen  zu  zahlen.

Das  Ordenszeichen  war  ein  unter  einem  Kurhut  hängendes  weiß  emaillirtes
Kreuz  mit  breiten  Spitzen,  welches  auf  der  Vorderseite  den  Brandenburgischen  rothen  Adler
mit  dem  Hohenzollerschen  Brustschilde  und  die  Devise:  „Tousours  le  meme,  auf  der  Rückseite
  den  auf  Gold  roth  emaillirten  Namenszug  G.  W.  und  auf  dem  Nande  der  Spitzen
die  Inschrift:  „L'Ordre  de  la  Sincérité  führte.  Dasselbe  wurde  an  einem  poncenurothen,
an  beiden  Seiten  und  in  der  Mitte  mit  einem  Goldfaden  kettenartig  durchwirkten  Bande
um  den  Hals  getragen.

Bei  Hof=  und  Ordensfeierlichkeiten  wurde  dazu  noch  ein  goldener  Stern,  in  dessen
Mitte  das  Ordenskreuz  mit  der  Ueberschrift:  „Tousours  le  mame’  befindlich  war,  auf  der
linken  Brust  angelegt.

Die  damit  verbundene  Ritterkleidung  bestand  in  Rock  und  Weste  von  amarantfarbenem
  Tuch  mit  weißem  Futter  und  goldenen  Knuöpfen,  weißseidenen  Strümpfen,  einem
goldenen  Degen  und  einem  mit  Gold  eingefaßten  Hut  mit  weißer  Feder  und  schwarzer  Kokarde.

Zur  Ordens-Kapelle  wurde  die  in  der  neuen  Vorstadt  St.  Georgen  am  Sce  bei
Bayreuth  zu  erbauende  Kirche  bestimmt.

Nach  dem  Tode  Georg  Wilhelm's  (1726)  gerieth  der  Orden  fast  in  Vergessenheit,
  da  der  Nachfolger  in  der  Regierung,  Markgraf  Georg  Friedrich  Carl,  anfangs  kein
Interesse  für  diese  Stiftung  seines  Vorgängers  zeigte.  Erst  im  Jahre  1734  entschloß  er
sich,  den  so  lange  unbeachtet  gebliebenen  Orden  wieder  in  Aufnahme  zu  bringen  und  mit
neuem  Glanze  auszustatten.  Er  reorganisirte  denselben,  erneuerte  seine  Statuten  und  gab
ihm  den  Namen  „Orden  des  Brandenburgischen  Rothen  Adlers.“

Sein  Nachfolger  Markgraf  Friedrich  erweiterte  den  Orden  im  Jahre  1759  durch
Hinzufügung  von  12  Großkreuzen,  welche  an  einem  ponceaurothen  gewässerten  Baude  mit
schmaler  goldener  Einfassung  en  écharpe  von  der  rechten  Schulter  zur  linken  Hifte  getragen
  wurden.