Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Dritter Band. (3)

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häufig  Kinderdiarrhöen  als  Brechdurchfall  bezeichnet  worden  sind,  da  bei  der  ersteren
Krankheitsart  die  Geschlechtsunterschiede  nicht  in  Betracht  kommen.  Es  läßt  sich  dies
auch  aus  der  Größe  der  betreffenden  Sterblichkeitsziffern  nachweisen,  wobei  man  von
der  Thatsache  auszugehen  hat,  daß  die  Kinderdiarrhöe  weit  häufiger  zum  Tode  führt
wie  die  Cholera  nostras.  In  Berlin  kamen  zusammen  527  Fälle  von  „Brechdurchfall“
  in  Aufnahme,  von  denen  420  —  79,7  %  tödtlich  endeten,  im  Königreich  Sachsen
54  Fälle,  davon  13  mit  letalem  Verlaufe  (Sterblichkeit  24,)  %)  ;  in  Schlesien  dagegen
stellte  sich  die  Sterblichkeitsziffer  auf  7,6  %  des  Zugangs  (211  aufsgenommene  Fälle,
16  Todesfälle),  in  Bayern  auf  5,5  %  (583;  32),  in  Württemberg  auf  1,7  %  (119;  2).

Im  Uebrigen  entfiel  auf  die  eben  genannten  Staaten  und  Landestheile  (mit  Ausnahme
  des  Königreichs  Sachsen)  der  absolut  größte  Zugang  von  Erkrankungen  an
Brechdurchfall,  nämlich  1440  von  2396  überhaupt  aufgenommenen  Fällen,  also  mehr
als  die  Hälfte  der  letzteren.

Von  den  gesammten  im  Berichtszeitraume  als  Kinderdiarrhöe  aufgeführten  2839
Fällen  kamen  2342  allein  auf  Preußen.  Am  stärksten  waren  die  Heilanstalten  von
Berlin  und  der  Rheinprovinz  mit  801  bezw.  353  Fällen  betheiligt,  sodann  Hamburg
mit  163;  in  den  beiden  übrigen  Hansestädten  kamen  nur  zusammen  8  Kranke  zur  Aufnahme.
  In  Süddeutschland  wies  Baden  mit  61  Fällen  den  verhältnißmäßig  größten
Zugang  auf.  In  Bayern  betrug  derselbe  70.  Ganz  ohne  Zuzug  an  Kranken  dieser  Art
waren  die  Anstalten  von  Sachsen-Weimar  und  den  3  sächsischen  Herzogthümern,  ferner
von  Anhalt,  Schwarzburg-Sondershausen,  Reuß  ä.  und  j.  L.,  Schaumburg-Lippe  und  Lippe.

Von  den  zur  Aufnahme  gelangten  Kranken  starben  997  (35,4  %);  es  entfielen
hiervon  auf  Preußen  852,  auf  Berlin  allein  440  Todesfälle.

Bei  der  Grippe  kamen  die  beiden  Influenzaepidemien  von  1889/90  und  1891/92
in  der  Krankenhausstatistik  hervorragend  zum  Ausdruck.  Während  in  dem  Berichtszeitraume
  von  1886  bis  1888  zusammen  nur  4032  Fälle  zur  Aufnahme  kamen,  stellte
sich  der  Zugang  an  Kranken  dieser  Art

im  Jahre  1889  auf  9615,
„  „  1890  „  41  671,
6  „  1891  „  18313,

zusammen  auf  69  599.

Als  gestorben  sind  nur  490  Personen  verzeichnet:  22—318—150.  In  Preußen  wurden
im  Jahre  1890  auf  Influenza  9576  Todesfälle  zurückgeführt  (Preußische  Statistik
Heft  118);  davon  ereigneten  sich  in  den  Krankenhäusern  150.  Wenn  man  aus  dem
Vergleich  dieser  Zahlen  mit  dem  Zugang  (der  sich  1890  in  den  preußischen  Krankenanstalten
  auf  15  092  stellte)  einen  Rückschluß  auf  die  Influenzamorbidität  in  Preußen
überhaupt  zieht,  so  wären  daselbst  in  diesem  Jahre  957  600  Influenzafälle  vorgekommen.
In  Wirklichkeit  muß  die  Zahl  der  letzteren  jedoch  höher  gewesen  sein,  da  vorauszusetzen
  ist,  daß  in  Privatpflege  verhältnißmäßig  weniger  Personen  gestorben  sind  als  in
den  Heilanstalten,  denen  doch  wohl  großen  Theils  die  schweren  Erkrankungsfälle
zugegangen  sind.

Der  Zugang  war  im  ersten  Berichtsjahre  jedenfalls  um  deswillen  am  geringsten,
weil  die  Epidemie  von  1889/90  erst  gegen  Ende  des  Jahres  begann.  Die  Seuche  ging
dann  mit  einem  Krankenhausbestand  von  5749  Fällen  in  das  Jahr  1890  über  und
führte  in  diesem  zu  der  hohen  Zahl  von  47  420  behandelten  Kranken,  welche  zum
weitaus  größten  Theil  auf  das  erste  Vierteljahr  entfielen,  da  die  Epidemie  im  Frühjahre
  1890  im  Großen  und  Ganzen  erloschen  war;  der  Bestand  am  1.  Januar  1891
betrug  nur  283  Fälle.