340 Geschichte der Akademie unter Friepricn dem Grossen (1746-1756).
Im Herbst 1752 erschien ein angeblich am 18. September von
einem Berliner Akademiker als Antwort auf die Anfrage eines Pariser
Collegen geschriebener Brief, in welchem die Streitfrage ganz im
Sinne Köxıe’s besprochen, Maupertuis aber ausserdem — daran war
Könis unschuldig — des Plagiats beschuldigt wurde. Das Schreiben
schloss mit der Bemerkung, mehrere Akademiker wären entschlossen,
eine Akademie zu verlassen, die MAaurzrtuis vergewaltige, wenn sie
nicht die Ungnade des Königs fürchteten. Der Brief, der sonst sachlich
gehalten war, so dass man den Verfasser nicht sofort errathen
konnte, war von VOLTAIRE. Der König war über dieses Pamphlet und
andere Angriffe auf Mavpertuis auf’s Höchste entrüstet. In mehreren
Briefen tröstete er seinen Präsidenten und goss die Schale seines
Zorns über die Leute aus, die den anspruchsvollen Namen Philosoph
tragen wollen, aber alle Leidenschaften in ihrer Seele regieren lassen:
»Komödianten, auf der Bühne stellen sie erhabene Gefühle dar. und
im Foyer stiften sie Händel an und beschimpfen sich«. Der König
muthmaasste richtig, dass VOLTAIRE der Verfasser sei: aber in der
Absicht, den hässlichen Streit womöglich noch auszulöschen, respectirte
er die Anonymität. Eine scharfe Antwort sollte der »Philosoph«
jedoch erhalten, und da die Akademie unbegreiflicherweise schwieg,
so beschloss der König sie selbst zu geben; denn »ıman soll nicht
sagen, dass ein Mann von Verdienst ungestraft beschimpft worden
ist'«. Bereits am ıı. November war Frrevrıcn’s Gegenschrift, ebenfalls
anonym und als Brief eines Berliner Akademikers an einen
Pariser, in Maurertuis Händen, und der König versicherte ihm zugleich,
dass er ihre weiteste Verbreitung angeordnet habe.
Die Sorge für MAaurertuis — er schrieb ihm damals zweimal
wöchentlich, und wie zartfühlend hat er ihm Trost und Muth zu-(vergl.
Urkundenband 172). Die letzten Gründe des Streits lagen tiefer. Es war
der Kampf um den König. Vorraıre wollte absichtlich eine Katastrophe herheiführen.
weil er hoffte, Sieger zu bleiben und den König allein und dauernd an sich
zu fesseln. Wie er über den Monarchen dachte. zeigen die berühmten Verse, die
er sogar nach Bayreuth an die Markgräfin zu schicken sich erdreistet hat:
»Assemblage Eclatant de qualites contraires.
Ecrasant les mortels et les nommant ses freres,
Misantlırope et farouche avec un air humain,
Souvent impetueux et quelquefois trop fin,
Modeste avec orgueil. colere avec faiblesse,
Petri de passions et clıerchant la sagesse.
Dangereux politique et dangereux auteur,
Mon patron, mon disciple. et mon persecuteur.«
* Brief an Maurperrcis vom 7. November 1752 (Geh. Staatsarchiv).