48 Verhandlungen mit dem Herzog von Augustenburg.
24. Bericht an Minister v. Manteuffel.
[Ausfertigung.]
I7. September 1851.
Auf Grund des Erlasses E. E. vom 11. September d. J., die Angelegenheiten S. Dl.
des Herzogs von Augustenburg betreffend, habe ich mich gestern nach Wiesbaden begeben
und S. Dl. daselbst angetroffen. Ich bin bemüht gewesen, den Herrn Herzog in schonendster,
aber doch bestimmter Weise von den Ansichten S. M. und Allerhöchstdessen Regierung
in Kenntnis zu setzen, und habe die Genugtuung gehabt, den Herzog, wenn auch mit vieler
Zurückhaltung, so doch mit Ruhe und Fassung auf meine Anfrage eingehen zu sehen.
Eine Hindeutung von meiner Seite auf die Verzichtsurkunde Seines Herrn Vaters
vom Jahre 1786 wurde von S. Dl. sofort aufgenommen, und veranlaßte Seiner Seits eine
längere und lebhaftere Erklärung über dieses Aktenstücke. Seine rechtliche Auffassung
hierbei war die, daß dieselbe für seine Successionsansprüche weder in Dänemark noch den
Herzogtümern präjudizierend wirken könne. Es sei vielmehr nur eine Erklärung, wie sie
von allen dänischen Prinzessinnen bei ihrer Berbeiratung seit Entstehung des Königsgesetzes
ausgestellt worden, und beziehe sich der Verzicht nur auf das Allodialvermögen der
dänischen Krone. S. Dl. stützte sich hierbei auf den Art. 22 des Königsgesetzes. Der
Herr Herzog behielt sich vor, mir beweisende Urkkunden und namentlich Originalkorrespondenzen
des damaligen dänischen Ministeriums in Bezug auf die Vermählung seiner Frau
Mutter und die betreffende Renunziationsakte vorzulegen. Abgesehen von der Rechtsfrage,
gab S. Dl. indessen das Vorhandensein von politischen Momenten zu, welche die
Durchführung der Ansprüche Ihres Hauses unmöglich machen und ein anderweitiges Arrangement
ratsam erscheinen lassen könnten, indessen sei es unmöglich, in dieser Beziehung
eine sofortige Erklärung abzugeben, zumal eine solche nur dann den gewünschten rechtlichen
Erfolg haben werde, wenn die Söhne S. Dl., die Prinzen von Augustenburg, derselben beiträten.
Die Ankunft der Prinzen erwarte der Herzog bis zum 21. cr. und behalte
sich vor, mir alsdann hier in Frankfurt weitere Mitteilungen über seine Entschließung
zu machen. S. Dl. kam zu wiederholten Malen darauf zurück, wie Sie sich durch die Verehrung
und Dankbarkeit, welche Sie für S. M. den König, u. a. H., empfänden, getrieben
fühlten, dem Rate und den Wünschen Sr. M. insoweit zu entsprechen, als es irgend
mit den Anforderungen der Ihre und den Pflichten gegen die Bevölkerung der Herzogtümer
und gegen das Herzogliche Haus selbst verträglich sein werde, und daß S. Dl.,
nachdem Sie bereits so vielfache Verpflichtungen zum Danke gegen S. M. hätten, auch der
ferneren gnädigen Teilnahme und dem Schutze Sr. M. glaubten vertrauen zu dürfen.
25. Schreilben an Minister v. Manteuffel.
[Eigenhändig.]
17. September 1851.
E. E. beehre ich mich neben dem offiziellen Bericht vom heutigen Tage¹) über die
Art, wie ich bemüht gewesen bin, den mir unter dem 11. c. erteilten Auftrag zu erledigen.
noch die nachstehenden Details über meine gestrige Unterredung mit dem Herzog von
Augustenburg g. vorzulegen.
¹) Vgl. Nr. 24.