100 Rechberg für Einigkeit mit Preuhen. Die Wiener Eröffnung.
u sichern. Auch er bält dafür, daß dieselben nicht ernsthaft gemeint sein können, wenn
sie wirklich in der nächsten Sitzung schon eingebracht werden und auf Annahme und Auf-
rechterbaltung der Präliminarien durch den Bund gerichtet sein sollten.
Wenn Graf Nechberg inzwischen die angedeuteten Aufträge erbält, so werde ich nicht
verfehlen, E. E. telegraphische Meldung zu machen. Er glaubt übrigens, die östr. De-
pesche vom 20. dahin verstehn zu sollen, daß das Wiener Cabinet uns seine Vorlage an den
Bund nicht bloh mittheilen, sondern auch über den Inhalt derselben mit uns verhandeln
werde. Er glaubt dieß um so mehr annehmen zu lollen, als es seiner Meinung nach nicht
in der Absicht Sstreichs liegen könne, jetzt grade Meinung denbeiten mit Preußen
und Deutschland zur Anschauung des Auslandes zu bringen, während die deutschen
Grohmächte in ihrer beider Interesse mehr als je danach streben müßten, die Meinung
in Curopa zu erbalten, daß ernste Conflicte eines jeden von ihnen mit dem Auslande
schließlich Deutschland einig finden würdelnl. Selbst wenn dieß, im Widerspruch mit seiner
eignen Überzeugung, nicht der Sall wäre, so müßte man doch die Illusion daran erhalten
und fördern. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung
112. Vertraulicher Bericht an Minister v. Manteuffel.
(Ausfertigung.)
28. Jonuar 1856.
Graf Rechberg bat mir soeben die öteerreichische Vorlage mitgeteilt, welche ich
gleichzeitig durch E. E. gen. Erlaß vom gestrigen Tage erhielt.) Infolge der in E. E.
telegraphischer Weisung von gestern abend 9 Uhr mir mitgeteilten Ab. Willensmeinung)
habe ich meinen österreichischen Kollegen gefragt, ob er glaube, daß das Kaiserliche Kabi-
nett sich zu einer Anderung der Schlußworte der Vorlage entschließen werde, vermöge
deren das Verlangen der Annahme und Aufrechterhaltung der österreichischen
Propositionen in den Ausdruck der Hoffnung umgewandelt würde, daß Deutschland willens
oder bereit sei, im Verein mit Osterreich und Preußen den Grieden auf der gewonnenen
Grundlage u fördern. Graf Aechberg bezweifelte, daß man in Wien auf eine Ab-
änderung des Inhaltes der Vorlage, nachdem die letztere bereits eine weitere Verbreitung
gefunden habe, eingehen werde. Er wolle indessen unter Bezugnahme auf meinen desbalb
geäußerten Wunsch ungesäumt nach Wien berichten und jedenfalls die Vertagung der
Mitteilung beantragen.
Auf seine Anfrage, ob ich mir schon ein Bild von der Antwort gemacht habe, welche
die Bundesversammlung auf die österreichische Eröffnung erteilen werde, erwiderte ich ihm,
daß für mich in dem Ausdruck der Bereitwilligkeit, den Srieden im Berein mit SOsterreich
und Preußen auf der gewonnenen Grundlage zu fördern, das äußerste Maß der Kon-
zessionen liege, für welches ich mich in meinem Berichte an E. E. glaubte aussprechen zu
können. Wir kamen schließlich dahin überein. daß ich bei E. E. beantragen würde, mich
zur Mitwirkung zu einem in den genannten Worten zu formulierenden Beschlusse zu
autorisieren, und daß Graf NRechberg in einem beut nach Wien abzusendenden Berichte
alles aufbieten wolle, um die Kaiserliche Regierung zu vermögen, daß sie entweder ihre
Vorlage in der gedachten Weise abändere, oder sich mit einer, auf die unveränderte Vor-
öndbal It ool. Poschinger II S. 302, Anm. 1.
3 Wbelte unr 55 inger II S. *— Anm. 2.