Full text: Handwörterbuch der Württembergischen Verwaltung.

Petitionsrecht — Pferdeaushebung. 
Petitionsrecht ist das Recht, Bitten aller Art 
bei den Staatsorganen (Monarch, Landtag, Be- 
hörden) und den Gde Organen anzubringen. Einige 
deutsche Verfassungen haben das P. ausdrücklich 
gewährt, nicht so die w., doch ist es, wie überall in 
D., so auch in W. gewohnbheitsrechtlich anerkannt. 
Aus dem Recht, zu petitionieren, folgt nun aber 
nicht auch das Recht, die Annahme und Beantwor- 
tung der P. zu verlangen; ein solches Recht ist 
nicht anerkannt; doch wird auf P., soweit nicht 
Mißbrauch getrieben wird, Antwort gegeben. Die 
Ausübung des P. durch Beh. und Beamte ist an 
sich zwar ebenfalls zulässig, aber durch die ges. 
Dienstpflichten beschränkt. Die Gden und anderen 
öff. Körperschaften haben ein P. nur in Be- 
schränkung auf Fragen, die innerhalb ihrer Auf- 
gabe und damit des Geschäftskreises der die Kör- 
perschaft vertretenden Organe liegen; vgl. auch 
BezO. Art 28 Abs. 3. Ueber das P. der Stände 
s. Landtag IV. Z. 5. Bazille. 
Petroleum, Petroleumprober s. Erdöl und 
Mineralische Oele, sowie Nahrungsmittel 6. 
Pfandbriefgeschäft s. Bankwesen II. 7. 
Pfandleiher. I. Das Geschäft eines Pfand- 
leihers besteht in dem gewerbsmaßigen Herleihen 
von Geld gegen Verpfändung beweglicher Gegen- 
stände. Als PfGewerbe gilt gemäß § 34 Abs. 2 
Gew O. auch der gewerbsmäßige Ankauf beweg- 
licher Sachen mit Gewährung des Rückkaufsrechts 
(Rückkaufshändler). Wer das Geschäft eines Pf. 
oder Pfandvermittlers betreiben will, bedarf dazu 
der Erlaubnis des BezRats, § 34 Abs. 1 GewO., 
§ 25 VV. 9. 11. 83, Rgbl. 234, Art. 42 Z. 18 BezO. 
Sie muß versagt werden, wenn Tatsachen vor- 
suchenden in bezug auf den beabsichtigten Ge- 
werbebetrieb dartun, § 34 Abs. 1 Satz 2 GewO., 
§ 25 Abs. 3 VV. Uleber den Sportelansatz 
s. SpTar. Nr. 55. In Ortschaften, für welche dies 
durch Ortstatut (§5 142 GewO.) festgesetzt wird, ist 
die Erlaubnis zum Betrieb des Geschäfts eines 
Pf. oder Rückkaufshändlers außerdem von dem 
Nachweis eines vorhandenen Bedürfnisses ab- 
hängig, § 34 Abs. 1 Satz 3 GewO., 5 24 VU. 
9. 11. 83. Die Erlaubnis darf nicht auf Zeit 
erteilt werden, § 40 GewO. Sie kann aber vom 
BezRat nach Maßgabe des § 53 Abs. 2 GewO. zu- 
rückgenommen werden, Art. 42 Z. 19 BezO., § 3 
VerfV. 30. 10. 07, Rgl. 747. Pf. und Pfandver- 
mittlern, welche ihren Gewerbebetr. schon vor der 
Einführung der Genehm Pflicht (durch die Nov. z. 
GewO. 3. 7. 79, Rl. 267) begonnen hatten, kann 
die Fortsetzung desselben vom Bezirksrat wegen 
Unzuverlässigkeit untersagt werden, § 53 Abs. 3 
GewO., § 606 VV. BezO. 30. 10. 07, Rgbl. 643. Bei 
Wegfall des Untersagungsgrunds kann die 
Kreisreg. indes die Wiederaufnahme des unter- 
sagten Betriebs zulassen, wenn seit der Unter- 
agung mind. 1 Jahr verflossen ist und Rück- 
ichten des öff. Interesses nicht entgegenstehen, 
§ 53 Abs. 3 Satz 2 GewO., § 3 VV. 12. 12. 96, 
Rabl. 322. Ausübung des Betriebs ohne Erlaubnis 
und dessen Fortsetzung nach erfolgter Untersagung 
unterliegt der Strafe des § 147 Abs. 1 Z. 1 GewO. 
607 
Die Ausübung des Pf.z= und Pfandvermittler- 
gewerbes durch einen Stellvertreter ist 
nur mit Genehm., des Ok. zulässig, § 47 GewO., 
5§ 47 VV. 9. 11. 83. Stellenvermittler dürfen das 
Geschäft eines Pf. oder Pfandvermittlers weder 
selbst noch durch andere betreiben (§ 3 Stellenver- 
mittler G. 2.6. 10, R#l. 860). — II. Den Umfang 
der Befugnitse und Verpflichtungen, sowie den Ge- 
schäftsbetrieb der Pf. regelt die auf Grund des 
*§ 38 Abs. 1 Gew O. ergangene Min V. 15. 3. 82. 
Rgabl. 83, die durch Min JV. 28. 5. 82. Rabl. 200, 
Aenderungen erfahren hat. Ihre Anordnungen 
gelten auch für die Rückkaufshandler, § 38 Abs. 2 
GewwO. Nach der erw. Min JV. hat jeder Pf. eine 
Kaution nicht unter 500 bei dem Oll. des Be- 
zirks seiner Niederlassung zu hinterlegen; Hin- 
terlegungssportel nach Sp Tar. Nr. 37. Die Pf. 
sind zur ordnungsmäßigen Führung von Ge- 
schäftsbüchern verpflichtet. Ueber jedes abge- 
schlossone Geschäft haben sie den Verpfändern 
von den Einträgen im Geschäftsbuch eine wort- 
getreuc vollständige und mit Unterschrift versehene 
Abschrift (Versatzschein) auszuhändigen. Höhe und 
Berechnung der Zinsen unterliegt Beschränkungen. 
Die zum Geschäftsbetrieb dienenden Räumlich- 
keiten und jede Aenderung derselben sind der 
OrtspolBeh. sofort beim Beginn der Verwen- 
dung anzuzeigen. Rückzahlung von Darlehen. 
darf der Pf. vor Ablauf von 2 Mon. sich nicht 
ausbedingen; er hat aber dem Verpfänder die 
Einlösung des Gegenstands jederzeit zu gestatten. 
Die Verwertung der verpfändeten Sachen darf nur 
nach Maßgabe v. § 13—20 gen. Min V. erfolgen. 
Ihre Betriebe unterliegen der strengen Ueber- 
wachung durch die PolBeh., die von Zeit zu 
Zeit unvermutete Visitationen der Räume vor- 
zunehmen und Verfehlungen der Pf. zwecks der 
Strafeinschreitung (§ 360 Z. 12 StGB.) dem 
Ortsvorsteher anzuzeigen haben, der seinerseits 
dem OA. zur Erwägung der Zurücknahme der 
Erlaubnis zu dem 4an0Ö GewBetr. nach § 53 
Gew O. Vorlage machen wird. Brenner. 
Pfandschuldenbewegung s. Hypothekenbewegung. 
Pfandvermittler sind Personen, welche Pfand- 
geschäfte gewerbsmäßig vermitteln, in der Weise, 
daß sie ihnen übergebene Sachen auf ihren Namen 
in einem öff. Leihhaus oder beim Pfandleiher ver- 
pfänden und die erhaltenen Darlehen an ihren 
Auftraggeber abführen, s. im übr. Pfandleiher. 
Brenner. 
Pfarrer s. Geistliche, ev., u. kathol. Kirche. 
Pferdeaushebung erfolgt auf Grund einer vom 
Generalkommando für jede Aushebungskommission 
aufzustellenden Uebersicht (Pferde= und Wagenaus- 
hebungsliste). Für die Aushebung und Abnahme 
der zu gestellenden Pf. bildet jeder OABez. i. d. R. 
einen Aushebungsbezirk; für jeden solchen Sch. 
wird aus dem OMann oder dessen ges. Stell- 
vertreter als Zivilkommissar und einem Offizier 
als Militärkomm., einem Tierarzt oder Veterinär- 
offizier und 3 von der Amtsversammlung gewähl- 
ten sachverständigen und unbescholtenen vereidig- 
ten Schätzern eine Aush Komm. gebildet. Bei aus- 
gesprochener Mobilmachung haben die Ortsvor-
	        
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