Full text: Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)

Ernst Bassermann, Nationalliberale. 
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bewahrt, „überall dabei sein zu müssen“, eine Gefahr, der eine Mittelpartei, die sich nicht jederzeit 
ihres liberalen Grundcharakters bewusst ist, unterliegen könnte. 
In dem am 12. Juni 1867 vereinbarten Programm der Partei heisst cs: 
„Die Endziele des Liberalismus sind beständige, aber seine Forderungen und Wege 
sind noch nicht abgeschlossen vom Leben und erschöpfen sich nicht in festen Formeln. 
Sein innerstes Wesen besteht darin, die Zeichen der Zeit zu beachten und ihre Ansprüche. 
zu befriedigen.“ 
Wir haben, so sagt Bennigsen, praktische Politik getrieben; eine andere Grundlage für eine 
Partei, welche wirken will, ist undenkbar. Einer Partei, die ihre Prinzipien absolut und in vollstem 
Umfange verwirklichen will und sich nicht begnügt, das Wesentlichste zur Durchführung und 
Anerkennung zu bringen, wird es ergehen, wie es den extremen Parteien von links und rechts zu 
allen Zeiten ergangen ist. Die einen suchen ihre Ideale in der Zukunft, die sie nicht erreichen, die 
andern in der Vergangenheit, die sie nie zurückführen. 
In den Ziffern der Reichstagswahlstatistik bietet sich das folgende Bild der äusseren 
Schicksale der nationalliberalen Partei und der ihr freundschaftlich nahe 
gebliebenen Gruppen dar: 
  
  
  
  
| Wählerstimmen | Abgeordnete I vom Hundert 
' r I 
| Nationalliberale | Nationalliberale \ Wahlstimmen "Abgeordnete 
1 a l 
1871 | 1171087 : 125 39,72 32,72 
1874 1542 501 i 155 39,04 39,04 
1877 || 1459 527 128 32,24 32,24 
1878 || 1330 643 9% | 24,94 24,94 
1881 N 746 575 47 n 11,84 11,84 
1884 \ 997 033 51 ı 12,85 12,85 
1887 ı 1 677 979 f 99 | 24,94 24,94 
1890 |: 1177 081 d 42 ı 10,58 10,58 
1893; 996 980 ' 53 nl 13,35 13,35 
1898 971302 46 11,58 11,58 
1903 1317 401 51 \ 12,85 12,85 
1907 1 630 581 54 N 13,60 13,60 
192 | 1 662 670 45 ı 11,33 11,33 
  
Die vorstehenden Ziffern zeigen die Entwicklung der nationalliberalen Partei in Wähler- 
stimmen und Mandaten. - 
Erfreulich ist die Tatsache, dass in den Wahlen 1903 und 1907 die Partei jeweils um 300 bis 
400 000\Stimmen zugenommen hat. 
Ich schliesse mit Wiedergabe der 1911 neu redigierten Ziele und Bestrebungen 
der nationalliberalen Partei (Zusammenfassung der Programmkundgebungen 
seit 1881 und der gesetzgeberischen Initiative der Partei in den Parlamenten), ausgegeben 
Februar 1911. 
Nationale und liberale Grundsätze und Forderungen. 
Unverbrüchliche Treue zu Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland! 
Das Vaterland über der Partei, das allgemeine Wohl über alle Sonderinteressen. 
Pflege der errungenen Einheitsgüter der Nation: eine Vertretung nach aussen, ein Heer- 
wesen, eine Kriegsflotte, ein Recht, ein Verkehrsgebiet, gleiche Bedingungen für die freie Bewegung 
und für die freie Arbeit. 
Bei voller Wahrung der verfassungsmässigen Rechte der Einzelstaaten weitere Entwickelung 
der Reichseinrichtungen im nationalen und freiheitlichen Geiste. 
Pflichtbewusstsein und rechtzeitige Opferwilligkeit, wo die Macht und das Ansehen des 
Reiches nach aussen in Frage steht. Aufrechterhaltung der deutschen Wehrkraft, insbesondere 
zuch einer achtunggebietenden Flotte zum Schutze des Landes und der überseeischen deutschen 
nteressen.
	        
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