Full text: Handbuch für den exekutiven Polizei- und Kriminalbeamten.Zweiter Band. 1905. (2)

Formnlarbuch. 
trächtiges Kind, welches immer vor ihm ausspucke 
und sage: „Wie haißt?“ Es ist aber nicht ver- 
ständlich, warum das Kind im vorliegenden Falle 
lügen sollte, umsoweniger, als es ja gar nicht daran 
gedacht haben will, daß ein von Simon vergewaltigtes 
Mädchen geschrieen habe. 
Der Leumund der Richter in der Schule wird 
noch ermittelt werden. Die Eltern der Richter, der 
Schlosser Franz Peter Richter und dessen Ehefrau 
Mathilde geb. Sattler, sind gut beleumundet 
und haben zu Simon gar keine Beziehungen gehabt; 
er kann das selbst nicht behaupten. 
Die von Ulster selbst überreichten beifolgenden 
Schulzeugnisse seiner Tochter sind ausgezeichnet; im 
sittlichen Verhalten hat sie immer die erste Zensur. 
Auch die in der Schule selbst angestellten Erörterungen, 
namentlich bei dem Lehrer Hanisch und der Lehrerin 
Findeisen (s. die Zeugnisse), haben für die Ulster das 
günstigste Resultat gehabt; sie wird als ein überaus 
sittsames, wahrheitsliebendes Mädchen geschildert. 
Vielleicht könnte auch noch Pastor Dr. Strietz, 
der sie Ostern 1902 konfirmirt hat, Auskunft geben. 
Die Blondeck, vom 1. Mai 1903 bis 1. Mai 1904 
bei Simon beschäftigt, bestätigt, daß Simon ihr 
wiederholt unter die Röcke, zuerst bis an die Waden, 
dann bis über die Kniee und zuletzt an den Geschlechts- 
teil gegriffen und ihre Taille aufgeknöpft und ihre 
Brüste begriffen habe. Sie habe sich nicht besonders 
gewehrt, da er ihr Spitzen und eine Bluse versprochen 
habe. Als er später nicht Wort gehalten, habe sie 
sich allerdings für befugt gehalten, den Spitzenschal 
selbst zu nehmen. Darauf habe sie die verehelichte 
Simon sofort zum Geschäft hinausgewiesen. Auch 
ihre Vorgängerin, deren Name und Adresse sie aller- 
dings nicht wisse, habe ihr ähnliches von Simon erzählt. 
Im Gewerbeamt wurden als bei Simon in den 
letzten 5 Jahren tätig gewesene Mädchen folgende 
ermittelt: 
Wally Kettler hier, Breitestraße 19, III, vom 1.Oktober 
1899 bis 1. April 1900, 
Minna Kunze hier, Minoritenstraße 38, IV, vom 
1. April bis 1. Mai 1900,
	        
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