Full text : Realienbuch nebst einem Anhange für Deutsch und Raumlehre.

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herbei,  um  die  Pflichten  des  Herrscheramtes  zu  übernehmen.  Aber  schon  nach  99  tägiger
Regierung  erlöste  ihn  am  15.  Juni  1888  der  Tod.  Eins  hatte  die  Welt  noch  von
ihm  lernen  können,  und  zwar  das  schwerste,  nämlich  die  Ergebung  in  Gottes  Willen
oder,  wie  er  sich  selbst  ausdrückte,  —  leiden,  ohne  zu  klagen.

8  26.  Es  folgte  sein  ältester  Sohn,  unser  jetziger  Kaiser  Wilhelm  II.  „Ich
bin  entschlossen  Frieden  zu  halten  mit  jedermann,  soviel  an  mir  liegt.“  Unser  geliebter
  Kaiser  ist  am  27.  Januar  1859  geboren  und  seit  1881  mit  Auguste
Viktoria,  Prinzessin  von  Schleswig-Holstein-Augustenburg,  geb.  d.  22.  Oktober
1858,  vermählt.  In  schlichter  Einfachheit  wurde  er  erzogen  und  stets  zur  strengen
Pflichterfüllung,  Ordnung  und  Pünktlichkeit  angehalten.  Außer  dem  sorgfältigsten
Unterrichte  in  den  Wissenschaften  übte  man  den  jungen  Prinzen  schon  frühzeitig  im
Exerzieren,  Turnen  und  Schwimmen.  Man  ließ  ihn  und  seinen  Bruder,  den  Prinzen
Heinrich,  auch  oft  mit  Kindern  aus  allen
Ständen  der  Volkes  fröhliche  Jugendspiele
treiben.  Nach  seiner  Einsegnung  besuchte
er  das  Gymnasium  zu  Kassel  und  dann  die
Universität  zu  Bonn.  Darauf  lernte  er  die
Verwaltung  und  Regierung  des  Landes  von
bewährten  Ratgebern  seines  Kaiserlichen
Großvaters  kennen  und  bildete  sich  auch
zum  tüchtigen  Soldaten  aus.  —  Als  er
1888  den  Thron  seiner  Bäter  bestieg,  sprach
er  zu  den  ihn  umgebenden  deutschen  Fürsten
und  Abgeordneten:  „Ich  will  meinenr
Volke  ein  gerechter  und  milder  Fürst
sein,  Frömmigkeit  und  Gottesfurct
pflegen,  den  Frieden  schirmen,  die
Wohlfahrt  des  Landes  fördern,  den
Armen  und  Bedrängten  ein  Helfer,
dem  Rechte  ein  Wächter  sein"“.  Dies
Gelübde  hat  er  gehalten.  Durch  anstrengende
  Reisen  zu  den  europäischen  Fürsten  sucht  er  das  Band  des  Friedens  zwischen
den  Völkern  fester  zu  knüpfen.  Auch  arbeitet  er  fleißig  an  der  Vervollkommnung
  des  Heeres  und  der  Flotte  (bessere  Waffen,  raucharmes  Pulver),  damit
beide  im  Falle  der  Not  dem  Vaterlande  ein  starker  Schutz  gegen  innere  und  äußere
Feinde  seien.  Er  sorgt  eifrig  für  Hebung  des  Verkehrs  und  Handels  durch
Pflege  der  neuen  Kolonieen  in  Afrika  und  Australien  (Helgoland).  Ganz  besonders
hat  er  aber  durch  weise  Gesetze  für  den  Frieden  im  Innern  des  Landes  Sorge  getragen.
  Er  ist  bemüht,  den  Armen  und  Notleidenden  zu  helfen  und  sie  glücklicher
und  zufrieden  zu  machen.  Zu  diesem  Zwecke  hat  er  das  Invaliditäts-  und
Altersversicherungs-Gesetz  erlassen.  Nach  ersterem  erhalten  die  versicherten
Arbeiter,  welche  erwerbsunfähig  geworden  sind,  ohne  Rücksicht  auf  ihr  Alter  eine
bestimmte  jährliche  Invalidenrente,  nach  letzterem  die  über  70  Jahre  alten  Arbeiter
eine  Jahresrente  bis  zu  ihrem  Tode.  —  Unser  Kaiserpaar  hat  6  Söhne.  Der  älteste,
Kronprinz  Friedrich  Wilhelm,  ist  d.  6.  Mai  1882  geboren.

Gottes  Segen  sei  ferner  mit  unserm  Volke  und  seinem  Kaisergeschlechte!

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