— 113 —
vis des Altars, wo Rogge!) eine verkürzte Liturgie sprach und ein schönes, nicht
zu langes Gebet und Anrede sprach mit dem Schluß: „Nun danket alle Gott“ (der
liturgische Chor von den Musikern meines Regiments, wie allsonntäglich, singt sehr
gut). Dann ging ich mit den Fürsten nach dem Hautpas und sprach dieselben mit
kurzen Worten an (abgelesen)2), worauf Bismarck die Proklamation verlas?) und
Fritz von Baden das erste Hoch"“) auf mich mit dem neuen Titel ausbrachte,
was von der ganzen Versammlung langtönend widerhallte! Es war ein sehr
ergreifender Moment!! Es folgte die Gratulation der Fürsten, worauf eine Defilier-
cour stattfand, und zum Schluß ging ich längs den Fahnen und Eisernen-Kreuz-
Mannschaften herunter, womit alles endigte .
Dein treuster Freund Wlilhelm).
B. Der Kaiser und die Fürsten.
Quelle: Ansprache Kaiser Wilhelms an die deutschen Fürsten.
Fundort: Horst Kohl, Die Begründung des Deutschen Reiches in Briefen und Berichten der führenden
Männer. Leipzig o. J. S. 92.
Durchlauchtigste Fürsten und Bundesgenossen!
In Gemeinschaft mit der Gesamtheit der deutschen Fürsten und freien Städte
haben Sie Sich der von des Königs von Bayern Majestät an mich gerichteten
Aufforderung angeschlossen, mit Wiederherstellung des Deutschen Reiches die
deutsche Kaiserwürde für mich und meine Nachfolger an der Krone Preußen zu
übernehmen. Ich habe Ihnen, durchlauchtigste Fürsten, und meinen anderen hohen
Bundesgenossen bereits schriftlich meinen Dank für das mir kundgegebene Ver-
trauen und meinen Entschluß ausgesprochen, Ihrer Aufforderung Folge zu leisten.
Diesen Entschluß habe ich gefaßt in der Hoffnung, daß es mir unter Gottes
Beistande gelingen werde, die mit der kaiserlichen Würde verbundenen Pflichten
zum Segen Deutschlands zu erfüllen.
Dem deutschen Volke gebe ich meinen Entschluß durch eine heute von mir
erlassene Proklamation kund, zu deren Verlesung ich meinen Kanzler auffordere.
C. Der Kaiser und das deutsche Volk.
Quelle: Botschaft „An das deutsche Volk“ vom 17. Januar 1871.
Fundort: L. Hahn, Kaiser Wilhelms Gedenkbuch. S. 377 und 878.
Wir Wilhelm,
von Gottes Gnaden König von Preußen,
nachdem die deutschen Fürsten und freien Städte den einmütigen Ruf an uns ge-
richtet haben, mit Herstellung des Deutschen Reiches die seit mehr denn 60 Jahren
ruhende deutsche Kaiserwürde zu erneuern und zu übernehmen, und nachdem in
der Verfassung des Deutschen Bundes die entsprechenden Bestimmungen vor-
gesehen sind, bekunden hiermit, daß wir es als eine Pflicht gegen das gemein-
same Vaterland betrachtet haben, diesem Rufe der verbündeten deutschen Fürsten
und Städte Folge zu leisten und die deutsche Kaiserwürde anzunehmen.
#1) Der spätere Hofprediger Bernhard Rogge, ein Schwager Roons, machte als
Divisionspfarrer der 1. Gardedivision den Feldzug mit.
:) Wortlaut unter B. — :) Wortlaut unter C. — ) Vgl. D.
W. u. O. Heinze-Kinghorst, Quellenlesebuch. III. 8