Metadata : Aufgaben der Eisenbahn-Politik

Eisenbahn  und  Staat.  13

bahnen  im  Interesse  des  Publikums  eine  ziemlich  ohnmächtige  sei,
und  dass  ihre  geringe  Wirksamkeit  in  dem  Verhältnisse  noch  mehr
abnehme,  als  durch  fortschreitende  Fusionen  die  Ausdehnung  der  in
je  eine  Hand  vereinigten  Liniensysteme  wachse.  In  den  Aussagen
vor  dem  Ausschusse  drückte  er  ganz  deutlich  die  begründete  Befürchtung
  aus,  dass  endlich  die  Eisenbahnen  die  vollständigen  Beherrscher
  des  Staates  werden;  es  erscheint  von  Interesse,  die  bezeichnendsten
  seiner  Aeusserungen  kennen  zu  lernen.

Das  Ausschussmitglied  Mr.  Kunt  frägt  den  Experten,  auf  seinen
an  das  Board  of  Trade  erstatteten  Bericht  Bezug  nehmend,  ob  er
glaube,  dass  die  Zeit  gekommen  sei,  um  die  Frage  des  Ankaufs  der
Eisenbahnen  durch  den  Staat  in  Erwägung  zu  ziehen  (Fr.  7020);
Kapt.  Tyler  antwortet:  „Ich  wünsche  nicht,  hier  als  Vertheidiger
des  Staatskaufes  zu  erscheinen;  aber  es  scheint  mir,  die  Zeit  sei  gekommen,
  dass  dieser  Gegenstand  in  der  That  sehr  ernstlich  in  Erwägung
  gezogen  werden  soll.  Da  die  London  &  North-Western-Eisenbahn-Gesellschaft
  die  Fusion  mit  der  Lancashire  &  Yorkshire-Eisenbahn
  -  Gesellschaft  beantragt  und  die  London  &  North-Western-Eisenbahn
  -  Gesellschaft  mit  der  Caledonian  im  Verband  steht,  so  wird
im  Wesen  eine  Linie,  die  von  und  nach  London  führt,  mit  einer
Linie  vereinigt,  welche  das  Herz  der  Manufaktur  -Distrikte  dieses
Landes  durchzieht.  Diese  Fusion  muss,  wenn  vollendet,  unausweichlich
  zu  anderen  grossen  Fusionen  führen,  und  die  daraus  folgenden
Kombinationen  wären  so  ernsthaft,  dass,  denke  ich,  schliesslich  das
Land  in  den  Händen  einiger  weniger  Betriebsgesellschaften  wäre,
welche  sich  wieder  unter  einander  vereinigen  und  am  Ende  ein  grosses
Eisenbahn-Monopol  für  das  ganze  Land  bilden  würden.  Und  dann
entsteht  die  Frage,  ob  der  Staat  die  Eisenbahnen  oder  ob
die  Eisenbahnen  den  Staat  dirigiren  sollen  (whether  the
State  shall  manage  the  railways,  or  whether  the  railways  shall  manage
the  State).“

Weiterhin  spricht  das  schon  genannte  Ausschussmitglied  die  Besorgniss
  aus,  dass,  wenn  der  Staat  Eigner  der  Bahn  wäre,  leicht
eine  Regierung  in  gewissen  Bezirken  missbräuchlichen  politischen
Einfluss  ausüben  könnte  (Fr.  7065).  In  Tylers  Antwort  hierauf  heisst
es  zum  Schlusse:  „Ich  denke,  dass  diese  Frage  des  politischen  Einflusses
  sehr  viel  überschätzt  worden  ist;  auf  alle  Fälle  bin  ich  überzeugt
  davon,  dass,  wenn  die  Eisenbahnen  (wie  es  früher  oder  später
der  Fall  sein  wird)  zu  wenigen  grossen  Netzen  verschmolzen  sein
werden,  welche  wieder  in  der  Praxis  sich  zu  einem  einzigen  ver-