Contents : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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Das  Harnlassen  wird  immer  schwieriger,  zuletzt  ganz  unmöglich;  der
Stuhl  ist  angehalten;  dazu  gesellen  sich  drängende,  wehenartige  Schmerzen.
  Bisweilen  tritt  schon,  ehe  die  Zeichen  einer  Einklemmung  sich  bemerklich
  gemacht  haben,  eine  Blutung  aus  der  Gebärmutter  ein,
und  es  erfolgt  eine  unzeitige  Geburt.  Kommt  es  aber  zur  Einklemmung,
  und  wird  die  Gebärmutter  dann  nicht  bald  aus  ihrer  fehlerhaften
  Lage  befreit,  so  geräth  die  Schwangere  durch  die  Verhaltung
  des  Urins  und  die  unvermeidlich  sich  ausbildende  Entzündung
  im  Unterleibe  in  die  größte  Lebensgefahr.

F.  150.

Meistens  wird  die  Hebamme  erst  gerufen,  wenn  die  Schwangere
nicht  mehr  vermögend  ist,  ihren  Harn  zu  lassen.  Bei  jeder  Harnverhaltung
  in  den  ersten  3  bis  4  Monaten  der  Schwangerschaft
  muß  die  Hebamme  zunächst  an  eine  Zurückbengung
  der  Gebärmutter  als  Ursache  denken.  Bei  der  äußeren
Untersuchung  fühlt  sie  über  den  Schambeinen  die  ausgedehnte  und
schmerzhafte  Harnblase,  die  bis  zum  Nabel  und  höher  hinauf  reichen
kann.  Oft  ist  auch  der  ganze  Leib  in  Folge  der  Stuhlverhaltung
und  Luftansammlung  in  den  Gedärmen  aufgetrieben  und  empfindlich.
Bei  der  inneren  Untersuchung  findet  sie  bisweilen  den  Scheidentheil
so  hoch  emporgewichen,  daß  sie  nur  eben  den  Muttermund  an  dem
oberen  Schooßfugenrande  erreichen  kann.  Gewöhnlich  aber  stößt  der
Finger  dicht  hinter  der  Schooßfuge  auf  den  in  Folge  der  Schwangerschaft
  verdickten  und  aufgelockerten  Scheidentheil  mit  abwärts  gerichtetem
  Muttermunde  und  kann  von  ihm  aus  den  nach  hinten  abgebogenen,
  vergrößerten  Gebärmutterkörper  verfolgen,  welcher  die  Aushöhlung
  des  Kreuzbeins  füllt  und  die  hintere  Scheidenwand  vorgedrängt
hat.  Der  Grund  der  Gebärmutter  pflegt  dabei  tiefer  zu  stehen,  als
der  äußere  Muttermund.

Freilich  ist  der  Befund  dem  zuletzt  genannten  fast  gleich,  wenn
die  Gebärmutter  durch  eine  in  der  Kreuzbeinhöhlung  hinter  der  Scheide
gelegene  Geschwulst  nach  vorn  in  die  Höhe  gedrängt  ist.  Man  kann
aber  alsdann,  wenn  die  Bauchdecken  nicht  zu  sehr  gespannt  sind,
äußerlich  den  Grund  der  Gebärmutier  Über  den  Schambeinen  fühlen.
Indessen  hat  diese  Unterscheidung  für  die  Hebamme  keinen  so  großen