Metadata : Blätter für Rechtsanwendung. Ergänzungsband zu Band 60. (60e)

312  Reichsgerichtliche  Entscheidungen.

treter  bestellt  werden;  an  letzteren  sollte  die  Zustellung
der  Klage  erfolgen,  die  Berechtigung  des  Beklagten  zur
eigenen  Bestellung  eines  Anwalts  aber  nicht  ausgeschlossen
sein  (88  568,  569,  571,  573  des  Entwurfs,  bei  Hahn:
Materialien  Bd.  2  S.  1478,  1480).  In  den  Motiven
(Hahn,  Bd.  1  S.  409)  wird  bemerkt,  daß  die  Verhandlung
  der  Klage  mit  dem  Beklagten  selbst  nicht  geführt
werden  könne,  da  sie  gerade  dessen  Fähigkeit,  sich  zu  vertheidigen,
  in  Zweifel  stelle  und,  mit  einem  Handlungsunfähigen
  geführt,  formell  nichtig  sein  würde,  daß  der
Beklagte  daher  einen  ihm  von  Amtswegen  zu  bestellenden
Vertreter  haben  müsse,  daß  ihm  jedoch  die  eigene  Vertheidigung
  durch  einen  Anwalt  nicht  versagt  sei.  Der
Entwurf  gestattete  ferner  in  §  580  (Hahn,  Bd.  2  S.  1482)
eine  Klage  auf  Wiederaufhebung  der  Entmündigung;
hiezu  sollte  der  bestellte  Vormund  oder  Curator  befugt
sein;  „will  dieser  die  Klage  nicht  erheben,  so  kann  die
vormundschaftliche  Behörde  dem  Entmündigten  einen  besonderen
  Curator  zur  Proceßführung  bestellen,  der  Entmündigte
  kann  auch  selbst  einen  Anwalt  bestellen"“.  In
den  Motiven  wird  hervorgehoben,  daß,  um  dem  Entmündigten
  gegen  den  etwaigen  Willen  seines  gesetzlichen
Vertreters  (Vormundes,  Curators)  zu  Hülfe  zu  kommen,
ihm  die  vormundschaftliche  Behörde  einen  besonderen
Vertreter  bestellen  könne.  Es  wird  dabei  auf  die  norddeutschen
  Protocolle  Bd.  5  S.  2223  hingewiesen,  woselbst
der  zu  bestellende  Vertreter  curator  ad  hoc  genannt
wird.  In  der  Commission  des  Reichstags  wurde  der
ganze  Entwurf  über  das  Entmü  s  verfahren  lebhaft
  bekämpft,  und  es  wurde  von  einer  dazu  besonders
eingesetzten  Subcommission  ein  ganz  neuer,  auf  das  wesentlichste
  abweichender  Entwurf  ausgearbeitet,  welcher
letztere  alsdann  angenommen  und  in  der  vorgeschlagenen
Fassung  zum  Gesetze  erhoben  worden  ist  (Gahn,  S.  777,
891  fg.  und  1478  fg.).  Die  Motive  des  Regierungsent-