Full text : Der Deutsche Reichstag.

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diges  Beamtenpersonal  mit  den  dazu  gehörigen  Fonds  zu  persönlichen
Ausgaben.

An  die  Spitze  des  Reichsjustizamtes  sollte  ein  Staatssekretär  gestellt
  werden,  im  übrigen  aber  der  Bedarf  an  Kräften  nicht  durch  eine
Verstärkung  des  ständigen  Personals,  sondern  durch  Heranziehung  besonders
  hervorragender  Hilfsarbeiter  zu  vorübergehender  Mitwirkung
bei  diesem  Amte  gedeckt  werden.  Die  Abteilung  für  Elsaß-Lothriugen
hatte  bisher  zwei  Räte  und  einen  Hilfsarbeiter  beschäftigt.  Mit  ihrer
Ablösung  vom  Reichskanzleramt  sollte  sie  durch  einen  vortragenden
Rat  vermehrt  werden  und  ihr  Chef  aus  der  bisherigen  Stellung  eines
Ministerial-Direktors  in  die  eines  „Unterstaatssekretärs“  hi  aufrücken
Der  dritte  Vorschlag  der  Denkschrift  betraf  die  Finanzverwaltung.  Es
sollte  nach  dem  Plan  der  Reichsregicrung  eine  besondere  Finanzabteilung
  mit  eigener  Leitung  im  Reichskanzleramt  gebildet  werden,
die  der  für  die  übrigen  Geschäfte  bestehenden  Centralabteilung  des
letzteren  nebengeordnet  blieb.  Für  den  Präsidenten  Hofmann  wünschte
man  einen  Unterstaatssekretär  zur  Seite,  behufs  ständiger  Vertretung
und  Sorge  für  die  Uebereinstimmung  der  beiden  Abteilungen.  Er
sollte  zugleich  als  Direktor  der  Centralabteilung  fungieren,  während
der  bisherige  Direktor  für  die  Finanzabteilung  bestimmt  war.

Der  Veränderungsplan  in  Bezug  auf  den  Ausbau  der  Reichsämter
  flößte  den  Liberalen  durchaus  keine  Sympathien  ein;  die  Art
und  Weise  aber,  wie  der  Führer  des  Centrums  bei  seinem  Angriff
gegen  die  Neugestaltung  der  Abteilung  für  Elsaß-Lothringen  sich  entweder
  in  ein  Mißverständnis  festbiß,  oder  die  doppelte  Bedeutung  des
Ausdrucks  „Kompetenz“  absichtlich  zu  einem  Spieße  gegen  den  Entwurf
  zu  drehen  suchte,  glich  doch  auch  in  den  Augen  der  Liberalen
zu  sehr  einer  parlamentarischen  Farce,  um  einen  anderen  als  erheiternden
  Eindruck  zu  hinterlassen.

Eine  Vollgranate  dagegen  warf  der  klerikale  Parteiführer  mit
seinem  Tadel  gegen  die  auswärtige  Politik  des  Fürsten  Bismarck  in
das  Haus.  Leider  explodierte  dies  Geschoß  nicht,  sondern  fiel  platt
und  ohne  die  geringste  Wirkung  zu  Boden.  Herr  Windthorst  wollte
die  orientalische  Politik  Deutschland  nicht  „vom  Standpunkte  der  Spree“,
sondern  „vom  Standpunkte  der  Donau“  reguliert  wissen.  Er  verlangte,
  daß  die  Nationalliberalen,  die  sich  doch  auf  „Kultur“  verslehen,
ihren  Einfluß  für  einen  Kulturkrieg  Deutschlands  im  Bunde  mit
Oesterreich  aufböten,  daß  deutsche  und  österreichische  Kultur  nach  dem
Osten  getragen  und  der  Grundsatz  anerkannt  werde,  daß  die  Interessen
Oesterreichs  im  Orient  auch  diejenigen  Deutschlands  sind.